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Descartes, René

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Lebenslauf

Geboren: 31. März 1596 La Haye/Frankreich
Gestorben: 11. Februar 1650 in Stockholm

René Descartes wurde 1596 als viertes Kind eines Gerichtsrates geboren. Seine Familie stammte aus einem alten Adelsgeschlecht. Nach seiner Schulzeit in einem Jesuitenkolleg studierte Descartes von 1612–1616 Rechtswissenschaften in Poitiers. Unzufrieden mit der bloßen Theorie, stürzte er sich 1618 als Freiwilliger zuerst auf Seiten der Holländer und dann auf Seiten der Bayern in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges und lernte im Feld einen Arzt und Naturforscher kennen, der ihn für die Wissenschaft begeisterte. 1619 soll Descartes drei Visionen gehabt haben, in denen er seine Berufung zur Wissenschaft und zur Wahrheit erfuhr.
Descartes reiste viel durch Europa und versuchte, so viele Erfahrungen wie möglich zu machen und so viele Gelehrte wie möglich zu sprechen. Ab 1629 lebte er ziemlich zurückgezogen in den Niederlanden und veröffentlichte mathematische, physikalische und philosophische Schriften.


Bedeutung

Descartes gilt als Begründer der modernen neuzeitlichen Philosophie, des Rationalismus und der Subjektphilosophie. Sein Denken – auch Cartesianismus genannt – prägt die Philosophie in einem hohen Maße bis heute.


Lehre und Gedanken

Ausgangspunkt von Descartes' Denken ist ein radikaler Zweifel.

„Ich entschloss mich, kein anderes Wissen mehr zu suchen als dasjenige, das sich in mir selbst oder in dem großen Buche der Welt würde finden können.“ (René Descartes: Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs …)

Mit dem „großen Buch“ meint Descartes aber nicht die Bibel, sondern die Natur und ihre Gesetze. Wissen nur in sich selbst zu suchen, bedeutet dabei, alles bisher für wahr Gehaltene radikal in Zweifel zu ziehen, um zu einer sicheren Grundlage aller Erkenntnis vorzudringen. Erworbene Meinungen, Sinneswahrnehmungen und sogar reine mathematische Sätze sind gleichermaßen von diesem grundsätzlichen Zweifel betroffen. Für Descartes findet sich die einzige Gewissheit in dem Faktum, dass der Mensch ist, wenn er zweifelt. Descartes formulierte diese Einsicht in einem berühmten Satz: „Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich“.

Diese im eigenen Selbst des Menschen gefundene absolute Gewissheit aber ist inhaltsleer. Darüber, wer ich bin, was ich denke und was ich außerhalb meiner selbst wahrnehme, ist nichts ausgesagt; das ist weiter zweifelhaft.
Um von der nun gewissen Selbsterkenntnis wieder zu einer sicheren Welterkenntnis zu kommen, sieht sich Descartes genötigt, auch die Existenz Gottes als gewiss anzunehmen. Er geht davon aus, dass uns die Idee eines absolut vollkommenen Wesens angeboren sei – und dieser Idee müsse – logisch zwingend – dieses Wesen als Ursache zugrunde liegen.
Descartes behauptet also die Existenz eines vollkommenen Schöpfer-Gottes und sieht die Natur als gottgegebene an. Gleichzeitig betrachtet er die Natur aber auch als nach allgemein gültigen Gesetzen geregelt. Dem Menschen kommt so die Aufgabe ihrer rationalen Erklärung und somit auch ihre Beherrschung zu.


Hauptwerke von René Descartes

„Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung“ (1637)
René Descartes: Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung. Ins Dt. übertr. v. Kuno Fischer. Erneuert u. mit einem Nachw. vers. v. Hermann Glockner. Stuttgart: Reclam, 1995.

„Meditationen über die Grundlagen der Philosophie“ (1641)
René Descartes: Meditationen über die Grundlagen der Philosophie. Auf Grund d. Ausg. v. Artur Buchenau neu hrsg. v. Lüder Gäbe. Durchges. v. Hans Günter Zekl. Hamburg: meiner, 1993.

„Die Prinzipien der Philosophie“ (1647)
René Descartes: Die Prinzipien der Philosophie. Übers. und hrsg. v. Christian Wohlers. Hamburg: Meiner, 2005.


Werke über René Descartes

Hans Poser: René Descartes. Eine Einführung. Stuttgart: Reclam 2003.

Peter Prechtl: Descartes zur Einführung. Hamburg: Junius, 2. Aufl. 2004.


Quelle: Ernst Klett Verlag GmbH
Ort: Stuttgart
Quellendatum: 2009

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