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Die Stadt hängt am Tropf der Produktion



Studie der Verwaltung: Rang zwei im Vergleich der Großstädte - Schwäche bei Dienstleistung
Für Stadtkämmerer Klaus Lang gibt es keine Zweifel: "Wir müssen den Standortvorteil für den Fahrzeugbau, die Elektrotechnik und den Maschinenbau weiter verbessern." Ein Städtevergleich gibt ihm Recht: Das produzierende Gewerbe ist Stuttgarts Stärke.

Das Statistische Amt der Stadt, das zum Ressort des Finanzbürgermeisters gehört, hat gestern seine jüngste Studie vorgestellt: ''Stuttgarts Entwicklung der Wirtschaftskraft von 1996 bis 2000 im Vergleich mit den elf anderen Großstädten über 500 000 Einwohner''. Die Untersuchung zeigt: die Wirtschaftskraft der Landeshauptstadt ist in diesen vier Jahren - aktuellere Werte gibt es nicht - um 12,8 Prozent gewachsen. Nur Düsseldorf hat mit 18,4 Prozent noch besser abgeschnitten; alle zwölf Großstädte zusammen hatten ein Wachstum von nur acht Prozent, bundesweit waren es 9,5 Prozent.
Für Eberhard Frank, den Chef des Statistikamtes, liegen die Gründe für Stuttgarts gutes Abschneiden auf der Hand: ''Das Besondere an unserer Wirtschaftsstruktur ist der hohe Anteil des produzierenden Gewerbes an der so genannten Bruttowertschöpfung: nämlich 34,5 Prozent. Damit liegen wir deutlich über dem Städtedurchschnitt von 21,5 Prozent und mehr als doppelt so hoch wie beispielsweise Düsseldorf (13,9), Frankfurt (16,9) und Köln (16,8).'' Der Fahrzeugbau, der Maschinenbau und die Elektrotechnik, so Frank, seien ''der Motor unserer wirtschaftlichen Entwicklung, obwohl die Zahl der Menschen, die im produzierenden Gewerbe arbeiten, in den vier untersuchten Jahren nicht zugenommen hat''.
Von 1996 bis 2000 ist die Zahl aller Erwerbstätigen in Stuttgart um 4,1 Prozent auf rund 456 000 angestiegen - der Städtedurchschnitt lag freilich nur bei 3,9 Prozent. Allerdings haben Wirtschaftszentren wie Köln, Düsseldorf, Frankfurt und München in diesem Bereich deutlich bessere Wachstumsraten. Doch Stadtkämmerer Klaus Lang sagt: ''Stuttgart hatte schon immer ein relativ hohes Niveau an Erwerbstätigkeit. 1996 waren 748 von tausend Einwohnern berufstätig, im Jahr 2000 waren es 782.'' Zugleich verweist der Stadtkämmerer auf die eklatanten Unterschiede in der aktuellen Statistik der Arbeitslosigkeit: ''Stuttgart hat, bundesweit gesehen, nach München die zweitniedrigste Quote.''
Stuttgarts Schwäche ist nach wie vor der Dienstleistungssektor: ''In diesem Bereich war die Entwicklung weit weniger stürmisch'', berichtet Klaus Lang. Nur ein Plus von 8,4 Prozent verzeichnet da die Studie der Stadt, während Düsseldorf 21,4 Prozent erreichte und die Ruhrgebietsstädte noch deutlich über zehn Prozent liegen; in Baden-Württemberg betrug der Zuwachs bei den Dienstleistungen übrigens nur 7,7 Prozent.
Die aktuelle Lage der Stuttgarter Wirtschaft sieht der Stadtkämmerer so: ''Unsere Studie ist ein Rückblick - die Zeit seit dem Jahr 2000 war natürlich für alle Städte negativ. Trotzdem glaube ich, dass Stuttgart seine Position unverändert gehalten hat. Nun zeigt sich, dass es richtig war, auch von Seiten der Stadt die Rahmenbedingungen für die exportorientierte und auf hoch technisierte Produkte spezialisierte Industrie ständig zu verbessern. Mercedes-Benz habe in Cannstatt sein Motorenwerk gebaut, Porsche plane in Zuffenhausen ebenfalls ein neues Motorenwerk. Mit neuen Gewerbeparks in Vaihingen, Wangen und auf dem Fasanenhof könne auch der Dienstleistungssektor weiter wachsen.


Quelle: Stuttgarter Zeitung
Autor: Thomas Borgmann
Ort: Stuttgart
Quellendatum: 19.02.2003
Seite: 17
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