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Infoblatt Kilimandscharo


Entstehung, Klima, Höhenstufen, Gletscher, Schutzmaßnahmen

Interaktive Satellitenkarte des Kilimandscharo-Massivs (Google)



Karte des Kilimandscharo-Massiv (Klett)

Der Kilimandscharo ist mit einer Höhe von 5.895 m nicht nur der höchste Berg Afrikas, sondern auch der höchste freistehende Berg der Welt. Das 75 x 50 km große Vulkangebirge, im Nordosten Tansanias gelegen, setzt sich von West nach Ost aus den Schichtvulkanen Shira (3.962 m), Kibo (5.895 m) und Mawenzi (5.120 m) zusammen.


Entstehung

Das Kilimandscharo-Massiv hat seinen Ursprung in der Entstehung des ostafrikanischen Grabenbruchs, dem Great Rift Valley. Auf der Schnittstelle zweier Bruchlinien setzte vor etwa 1,5 Millionen Jahren die Bildung eines mächtigen, vulkanisch aktiven Gebirges ein. Vor ca. 700.000 Jahren begannen sich die aufsteigenden Magmamassen auf drei Schlote zu konzentrieren. So entstanden auf einer Erosionsfläche von präkambrischen Steinen die drei Vulkane Shira, Mawenzi und Kibo, welche das Bild des Kilimandscharo bis heute prägen. Der Kibo befand sich vor 500.000 Jahren in seiner stärksten Eruptionsphase, während die beiden anderen Vulkane des Massivs zu diesem Zeitpunkt bereits erloschen. An allen drei Gipfeln bildete sich als Folge der Eruptionen ein Krater. Auf dem Shira füllte sich dieser jedoch fast vollständig mit der Lava des aktiven Kibo, während der Vulkankegel des Mawenzi abgetragen wurde und heute nur noch der zerklüftete Lavaschlot erkennbar ist. Obwohl der 2,3 km breite und 200 m tiefe Krater des Kibo ebenfalls eine Überprägung durch Eruptionen und Eiszeiten erfuhr, ist er bis heute dennoch gut erhalten. In seinem Zentrum befindet sich der 150 m hohe Eruptionskegel Reusch-Krater mit dem 100 m tiefen Kraterloch Ash Pit. Der Kibo wird als "schlummernder" Vulkan bezeichnet. Dass er noch nicht vollkommen erloschen ist, zeigt, abgesehen von den häufigen Erdbeben zu Beginn des 20. Jh., der andauernde Ausstoß von schwefelhaltigen Gasen (Fumarole und Solfatare) aus dem inneren Kegel.
Das Shira Plateau und die 4.300 m hohe Hochebene The Saddle, eine mondähnliche Steinwüstenlandschaft, verbinden den Kibo mit seinen Nachbarvulkanen. Außer den drei beschriebenen Hauptkratern befinden sich auf dem Kilimandscharo-Massiv zahlreiche Nebenkrater.


Klima

Das Kilimandscharo-Massiv unterliegt dem Einfluss des tropischen Wechselklimas. Es herrscht ein Tageszeitenklima, welches durch geringe jahreszeitliche Temperaturunterschiede und extreme Temperaturschwankungen im Tagesverlauf gekennzeichnet ist. Der jährliche Niederschlag verteilt sich größtenteils auf die Regenzeiten von Ende März bis Ende Juni und von Oktober bis November.
Mit zunehmender Höhe verändert sich auch das Klima am Kilimandscharo und in Folge dessen die Vegetation. Die Temperatur nimmt aller 200 m um ca. 1 °C ab und somit erreicht sie in Gipfelhöhe arktische Dimensionen. Die Niederschlagsmenge beträgt im unteren Waldgürtel über 2.000 mm im Jahr, während die oberen Höhenlagen deutlich weniger Niederschlag in Form von Schnee zu verzeichnen haben.


Höhenstufen der Vegetation

Mit zunehmender Höhe ändert sich das Zusammenspiel der Faktoren Niederschlag, Temperatur, Sonnenintensität und Bodengüte. Daraus hervor gehen die fünf, etwa 1.000 m mächtigen Vegetationsstufen des Kilimandscharo. Dessen Südhang unterliegt dem Einfluss des SO-Passates und ist somit höheren Niederschlägen ausgesetzt.
Die Kolline Stufe erstreckt sich in einer Höhe von 800 - 1.800 m und ist im Süden und Südwesten des Massivs als Feuchtsavanne ausgebildet. Vulkanisch fruchtbare Böden und eine ausreichende Wasserversorgung durch zahlreiche Gebirgsbäche begünstigen die Land- und Weidewirtschaft. Angebaut werden z. B. Kaffee, Bananen, Kartoffeln, Kohl, Mais und Tomaten.
Die teilweise im Niederschlagsschatten liegenden Nord- und Nordosthänge beherbergen eine ursprüngliche Vegetation mit Wildsträuchern und Tiefland-Waldflächen.
In einer Höhe von über 1.800 m beginnt die Montane Stufe. Der üppige und dichte Bergwald beheimatet über 2.000 Pflanzen- und Baumarten, darunter Moose, Farne, Bartflechten und das hier weit verbreitete Springkraut (Impatiens kilimanjari).
In etwa 2.800 m Höhe beginnt die Stufe des Heidelandes. Sie ist gekennzeichnet durch eine Steppenheidevegetation mit Riesensenecien (Kreuzkraute). Bis zu einer Höhe von 4.000 m bestimmen Lobelien (Lobelia deckenii) und Senecien die Heidelandschaft, dann dominieren Riesenkreuzkraute (Scenecio kilimanjari, Scenecio cottonii).
Intensive Bestrahlung, hohe Temperaturschwankungen, Wasserknappheit und unfruchtbare Böden stehen einer artenreichen Vegetation innerhalb der größten Alpinstufe Afrikas entgegen. Zwischen 4.000 und 5.000 m Höhe gedeihen nur noch Moose, Flechten und Grasbüschel. Vereinzelt sind kleine Kreuzkrautpflanzen und Strohblumen zu finden sowie das seltene Kilimandscharo-Edelweiß (Arabis alpina). Vegetationsfrei ist die Hochland-Steinwüste The Saddle zwischen den Vulkanen Kibo und Mawenzi, denn diese alpine Wüstenlandschaft verzeichnet nur sehr geringe Niederschlagsmengen.
Über 5.000 m befindet sich die Gipfelzone des Kilimandscharo, welche der Nivalen Vegetationsstufe zuzuordnen ist. Nur Flechten und die robuste Strohblumenart Helichrysym newii können sich gegen intensive Kälte, Niederschlag in Form von Schnee und den geringen Sauerstoffgehalt in der Luft behaupten.


Vergletscherung

Nur der Kibo, der mittlere Vulkan des Massivs, weist heute noch eine Vergletscherung auf. Außer den Hängegletschern sind auch Spuren eiszeitlicher Vergletscherung erhalten. Seit dem rezenten Eishochstand um 1890 verzeichneten die Gletscher im Krater, im südwestlichen Großkar und an den Außenflanken jedoch erhebliche Rückgänge. Im letzten Jahrhundert schrumpfte die Eiskappe des Kibo um 82 %. Es gibt verschiedene Vermutungen und Thesen über die Gründe der Gletscherschmelze. Neben der globalen Erwärmung werden das regional trockenere Klima seit Ende des 19. Jh. sowie die Aufheizung der Atmosphäre durch Brandrodung oder Abgasemissionen und die, durch Staubpartikel verursachte, Reflexion der Sonnenstrahlung auf Gletscher und Lavagestein genannt.


Geschichte und Schutzmaßnahmen

Bereits im Jahr 1519 wurde der Kilimandscharo von dem Spanier Fernandes de Encisco zuerst schriftlich erwähnt, aber als sein Entdecker gilt der deutsche Missionar Johannes Rebmann, welcher den Schnee des Gipfels im Jahr 1848 das erste Mal zu Gesicht bekam. Die Erstbesteigung des Gipfelkraters des Kibos gelang dem Leipziger Geographen Hans Meyer zusammen mit dem österreichischen Bergsteiger Ludwig Purtscheller am 6. Oktober 1889. Nachdem er den höchsten Punkt des Kraters erreicht hatte, benannte Hans Meyer denselben in "Kaiser-Wilhelm-Spitze". Es folgten weitere Forschungsreisen Meyers, welche neben den Routenaufnahmen anderer Forscher von grundlegender Bedeutung für die Auskonstruierung der ersten brauchbaren topographischen Karte des Kilimandscharo durch Bruno Hassenstein war. Diese wies jedoch noch einige unsicher erfasste Gebiete und andere Fehler auf. Bis heute gültig ist die stereophotogrammetrische Aufnahme der Hochregionen durch Fritz Klute aus dem Jahr 1912.
Im Jahr 1930 überflog der Schweizer Walter Mittelholzer erstmals den Kraterkessel des Kibo.
Mit der Unabhängigkeit Tansanias wurde der höchste Punkt des Kibos 1961 in "Uhuru Peak" umbenannt.
Erste Schutzmaßnahmen traten bereits 1900 in Kraft, als der Berg zu einem Wildtier-Schutzreservat erklärt wurde. Unter britischem Besitz entstand 1921 ein Forest Reserve. Nach der Eröffnung des "Nationalparks Mt. Kilimandscharo" im Jahr 1977 wurde das Massiv 1989 schließlich zum Welt-Naturerbe erklärt. Seit 1993 gelten zum Schutz des Bergs die Grundsätze des Kilimandscharo NP General Management Plans.
Gegenwärtig besteigen jährlich ca. 18.000 Touristen mit 54.000 einheimischen Führern den Kilimandscharo.
Gegenwärtig besteigen jährlich ca. 18.000 Touristen mit 54.000 einheimischen Führern den Kilimandscharo. Im Jahr 2002 stellten Forscher fest, dass sich die Eisdecke des Kilimandscharo massiv verringert hatte – es wurde ein flächenhafter Rückgang von 85 % innerhalb von knapp 100 Jahren gemessen. Mehr als zehn Quadratkilometer des Gletschers sind verschwunden. Allein zwischen 2000 und 2007 ging die Eisfläche um mehr als ein Viertel zurück. Auch eine Abnahme der Stärke wurde nachgewiesen und zwar stellenweise um die Hälfte in 10 Jahren. Als ein Grund hierfür wird die Abholzung angegeben, die die Niederschläge verringert hat. Eine Aufforstung würde zu langsam greifen. Daher wurde eine Plastikhaube als Schutz des Eises diskutiert – allerdings nur als Test in Teilen umgesetzt.
Neben ökologischen und ökonomischen Konsequenzen bedeutet der Rückgang des Eises auch den Verlust eines einzigartigen Klimaarchivs. Wenn die gegenwärtigen Bedingungen andauern, wird das Eis - so die Berechnungen der Forscher – zwischen 2022 und 2033 vollständig verschwunden sein. Inwieweit der Klimawandel die Schuld daran trägt, ist freilich umstritten. Am Gipfel des Kilimandscharo schwankt die Temperatur im Jahresverlauf kaum und liegt fast durchweg unter dem Gefrierpunkt. Daher ist der Rückgang der Eisfläche nicht direkt auf die Erderwärmung zurückzuführen, sondern ggf. auf trockenere Bedingungen, die das Eis schneller sublimieren lassen und weniger Neuschnee bringen. Auch diese könnten indirekt die Folge des vom Menschen verstärkten Treibhauseffekts sein.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Katrin Eilert
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 28.05.2012
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