TERRA-Online

Infoblatt Klimaklassifikationen


Einteilung der Erde in Klimazonen bzw. Klimaregionen

Klimaklassifikationen sind verschiedene Möglichkeiten, die Erde in Klimazonen und Klimatypen bzw. in Klimaregionen einzuteilen.


Beleuchtungszonen und Klimazonen

Eine Klimazone ist ein großes Gebiet mit gleichen klimatischen Bedingungen, das sich bänderartig um die Erde zieht. Die Klimazonen basieren auf den Beleuchtungs- bzw. Solarzonen. Dies sind die Tropen, die gemäßigte Zone und die Polarzone. Aufgrund der Einstrahlung der Sonne ergeben sich in diesen Zonen nicht nur unterschiedliche Tages- und Nachtlängen, sondern auch unterschiedliche Temperaturen.
Zur Beschreibung gleicher klimatischer Bedingungen ist aber die Benennung der Solarzone nicht ausreichend, da es beispielsweise bereits in der gemäßigten Zone zwischen Paris und Moskau große klimatische Unterschiede gibt. Daher wurden verschiedenste Klimaklassifikationen entwickelt. Dabei unterscheidet man zwischen genetischen und effektiven Klassifikationen.


Genetische Klimaklassifikationen

Genetische Klimaklassifikationen basieren auf der Lage eines Gebietes in einem Windgürtel der atmosphärischen Zirkulation. Dabei werden stetige und alternierende Klimazonen unterschieden. In stetigen Zonen ist das ganze Jahr ein Wind- bzw. Luftdruckgürtel beständig. In alternierenden Zonen gibt es im Jahresverlauf einen Wechsel zweier Luftmassen.
Eine bedeutende genetische Klimaklassifikation ist die von Ernst Neef. Er unterscheidet vier stetige Zonen und drei alternierende. Diese beruhen im Wesentlichen auf den Solarzonen und den Windgürteln der atmosphärischen Zirkulation. Innerhalb dieser Klimazonen gibt es noch Klimatypen, die sich nach der Lage zum Meer und der Niederschlagsverteilung richten. Weiterhin gibt es noch das Hochgebirgsklima, das auf der Temperaturabnahme mit zunehmender Höhe beruht.

Nach Neef gibt es folgende Klimazonen und Klimatypen:

Klimazone
bestimmende Druckgebiete bzw. Winde
Klimatyp

Polare Klimazone Polarhoch und Polare Ostwinde Polarklima

Subpolare Klimazone Sommer: Außertropische Westwinde

Winter: Polare Ostwinde

Subpolares Klima

Gemäßigte Klimazone Außertropische Westwinde Seeklima der Westseiten
Übergangsklima
Kühles Kontinentalklima
Sommerwarmes Kontinentalklima
Ostseitenklima

Subtropische Klimazone Sommer: Subtropischer Hochdruckgürtel

Winter: Außertropische Westwinde

Winterregenklima der Westseiten
Subtropisches Ostseitenklima

Passatklimazone Passatwinde Trockenes Passatklima
Feuchtes Passatklima

Zone des Tropischen Wechselklimas Sommer: Innertropische Konvergenzzone

Winter: Passatwinde

Tropisches Wechselklima

Äquatoriale Klimazone Innertropische Konvergenzzone Äquatorialklima

Klimate der Hochgebirge mit zunehmender Höhe nehmen die Temperaturen ab, es bilden sich Höhenstufen





Genetische Klimaklassifikation nach Neef (Klett)


Effektive Klimaklassifikationen

Effektive Klimaklassifikationen beruhen auf Schwellenwerten der gemessenen Klimaelemente (Temperatur, Niederschlag ...) sowie auf Merkmalen des Wasserhaushaltes und der Vegetation.

In der effektiven Klimaklassifikation von Wladimir Köppen wird jeder Klimaregion eine Klimaformel zugeordnet. Für die Klimazonen werden dabei die Anfangsbuchstaben des Alphabetes verwendet:

Klimazone Bedingungen

A (Tropische Regenklimate) kein Monatsmittel unter 18 °C

B (Trockene Klimate) Klima ist arid (trocken), wenn N < r
r = 2 * T
... bei Winterregen
r = 2 * T + 28
... bei Sommerregen
r = 2 * T + 14
... bei unregelmäßigem Niederschlag
N ... Jahresniederschlag in cm
T ... Jahresdurchschnittstemperatur in °C

C (Warmgemäßigte Klimate) kältester Monat zwischen + 18 °C und - 3 °C

D (Boreale Klimate) kältester Monat unter - 3 °C; wärmster Monat über + 10 °C

E (Kalte Klimate) wärmster Monat nicht über 10 °C



Anhand dieser Temperatur-Schwellenwerte lässt sich jeder Ort also eindeutig einer Klimazone zuordnen. Innerhalb dieser Klimazonen gibt es noch Klimatypen.

Klimatyp Beschreibung Vorkommen in den Klimazonen

w wintertrocken A, C, D
s sommertrocken A, C, D
m Mittelform zwischen winter- und sommertrocken A
f immerfeucht A, C, D
S Steppenklima B
W Wüstenklima B
T Tundrenklima E
F Frostklima E



Die Klimatypen werden ebenfalls durch Schwellenwerte voneinander abgegrenzt. Auf diese Bedingungen wurde hier jedoch verzichtet. In einigen Klimazonen kann man neben Klimatypen noch Klimauntertypen festlegen:

Klimauntertyp Beschreibung und Bedingung Vorkommen in den Klimazonen

h heiß, T > 18 °C B
k kalt, T < 18 °C B
a heißer Sommer, wärmster Monat > 22 °C C, D
b warmer Sommer C, D
c kurzer Sommer C, D
d extrem kalter Winter C, D



Durch Zusammensetzen der Buchstaben ergibt sich die Klimaformel. So ergibt sich für Berlin und weite Teile Deutschlands folgende Klimaformel: Cfb – warmgemäßigtes immerfeuchtes Klima mit warmem Sommer.



Effektive Klimaklassifikationen nach Köppen und Geiger (Klett)


Effektive Klimaklassifikation nach Troll und Paffen

Eine weitere Effektive Klimaklassifikation ist die nach Troll / Paffen. Sie ist ausführlicher als die Klassifikation von Köppen und richtet sich nach Temperaturen, Wasserhaushalt und Vegetation.

W: Mitteltemperatur des wärmsten Monats in °C
K: Mitteltemperatur des kältesten Monats in °C
A: Jahresamplitude der Temperatur in K
V: Vegetationsdauer in Tagen
h: Zahl der humiden Monate


I. Polare und subpolare Zonen

Klima Beschreibung Temperatur Vegetation

1. Hochpolare Eisklimate polare Eiswüsten
2. Polare Klimate geringe Sommerwärme W: unter + 6 °C polare Frostschutzzone
3. Subarktische Tundrenklimate milde Sommer

große Winterkälte

W: + 6 bis 10 °C

K: unter - 8 °C

Tundren
4. Subpolare, Hochozeanische Klimate mäßig kalte und schneearme Winter

kühle Sommer

W: + 5 bis 12 °C

K: + 2 bis - 8 °C

A: unter 10 K

subpolares Grasland




II. Kaltgemäßigte, boreale Zonen


1. Ozeanische Borealklimate mäßig kalte, relativ schneereiche Winter

Niederschlagsmaximum im Winter

W: + 10 bis 15 °C

K: + 2 bis - 3 °C

V: 120 bis 180

ozeanisch feuchte Nadelwälder

2. Kontinentale Borealklimate lange, kalte, sehr schneereiche Winter

kurze, warme Sommer

W: + 10 bis 20 °C

A: 20 bis 40 K

V: 100 bis 150

kontinentale Nadelwälder

3. Hochkontinentale Borealklimate sehr lange, extrem kalte, trockene Winter

kurze, ausreichende sommerliche Erwärmung

W: + 10 bis 20 °C

K: unter - 25 °C

A: über 40 K

Dauerfrostboden, trockene Nadelwälder




III. Kühlgemäßigte Zonen



Waldklimate


1. Hochozeanische Klimate sehr milde Winter mit hohem Niederschlagsmaximum

kühle bis mäßig warme Sommer

W: unter 15 °C

K: + 2 bis 10 °C

A: unter 10 K

immergrüne Laub- und Mischwälder

2. Ozeanische Klimate milde Winter

mäßig warme Sommer

Niederschlagsmaximum in Herbst und Winter

W: unter 20 °C

K: über 2 °C

A: unter 16 K

ozeanische Falllaub- und Mischwälder

3. Subozeanische Klimate milde bis mäßig kalte Winter

mäßig warme bis warme und lange Sommer

Niederschlagsmaximum in Herbst und Sommer

K: + 2 bis - 3 °C

A: 16 bis 25 K

V: über 200

subozeanische Falllaub- und Mischwälder

4. Subkontinentale Klimate kalte Winter

mäßig warme Sommer

sommerliches Niederschlagsmaximum

W: meist unter 20 °C

A: 20 bis 30 K

V: 160 bis 210

kontinentale Falllaub- und Mischwälder

5. Kontinentale Klimate winterkalt, schwach wintertrocken

mäßig warme, mäßig feuchte Sommer

W: 15 bis 20 °C

K: - 10 bis - 20 °C

A: 30 bis 40 K

V: 150 bis 180

kontinentale Falllaub- und Mischwälder

Waldsteppen


6. Hochkontinentale Klimate winterkalt, wintertrocken

warme, feuchte Sommer

W: über 20 °C

K: - 10 bis - 30 °C

A: über 40 K

hochkontinentale Falllaub- und Mischwälder

Waldsteppen


7a. sommerwarme, sommerfeuchte Klimate mäßig kalte, trockene Winter W: 20 bis 26 °C

K: 0 bis 8 °C

A: 25 bis 35 K

wärmeliebende Falllaub- und Mischwälder

Waldsteppen


7b. sommerwarme, winterfeuchte Klimate Winterhalbjahr mild bis mäßig kalt W: 20 bis 26 °C

K: + 2 bis - 6 °C

mild temperierte bis winterharte, wärmeliebende Trockenwälder

Waldsteppen


8. sommerwarme, ständig feuchte Klimate milde bis mäßig kalte Winter W: 20 bis 26 °C

K: + 2 bis - 6 °C

A: 20 bis 30 K

feuchte, wärmeliebende Falllaub- und Mischwälder



Steppen- und Wüstenklimate


9a. Winterkalte Feuchtsteppenklimate Wachstumszeit im Frühjahr und Frühsommer K: unter 0 °C

h: 6 und mehr

kraut- und staudenreiche Hochgrassteppen

9b. Wintermilde Feuchtsteppenklimate Wachstumszeit im Frühjahr und Frühsommer K: über 0 °C

h: 6 und mehr

kraut- und staudenreiche Hochgrassteppen

10. Winterkalte Trockensteppenklimate Sommerdürre K: unter 0 °C

h: weniger als 6

Kurzgras-, Zwergstrauch-
Dornsteppen

11. Winterkalte, sommerfeuchte Steppenklimate wintertrocken K: unter 0 °C Gras- und Zwergstrauchsteppen

12a. Winterkalte Halbwüsten- und Wüstenklimate K: unter 0 °C winterkalte Halb- und Vollwüsten

12b. Wintermilde Halbwüsten- und Wüstenklimate K: 6 bis 0 °C wintermilde Halb- und Vollwüsten




IV. Warmgemäßigte Zonen



Alle Ebenen- und Hügellandklimaten
wintermild (K: 13 bis 2 °C auf der Nord-, 13 bis 6 °C auf der Südhalbkugel)


1. winterfeucht-sommertrockene Mediterranklimate h: meist mehr als 5 subtropische Hartlaub- und Nadelgehölze

2. winterfeucht-sommerdürre Steppenklimate h: meist unter 5 subtropische Gras- und Strauchsteppen

3. kurz sommerfeuchte Steppenklimate h: unter 5 subtropische Dorn- und Sukkulenten-
steppen

4. lang sommerfeuchte wintertrockene Klimate h: meist 6 bis 9 subtropische Kurzgrassteppen hartlaubige Monsunwälder- und Waldsteppen

5. Halbwüsten und Wüstenklimate ohne strenge Winter, meist mit kurz andauernden Frösten oder Nachtfrösten h: meist unter 2 subtropische Halbwüsten und Vollwüsten

6. Ständig feuchte Graslandklimate Südhalbkugel h: 10 bis 12 subtropische Grasfluren

7. Ständig feuchte sommerheiße Klimate sommerliches Niederschlagsmaximum subtropische Feuchtwälder (Lorbeer- und Nadelgehölze)




V. Tropenzone


1. Tropische Regenklimate Regenzeit mit oder ohne kurze Unterbrechung h: 12 bis 9,5 immergrüne tropische Regenwälder und halblaubwerfende Übergangswälder

2a. Tropisch-sommerhumide Feuchtklimate h: 9,5 bis 7 regengrüne Feuchtwälder und feuchte Grassavannen

2b. Tropisch-winterhumide Feuchtklimate h: 9,5 bis 7 halblaubwerfende Übergangswälder

3. Wechselfeuchte h: 7 bis 4,5 regengrüne Trockenwälder und Trockensavannen

4a. Tropische Trockenklimate h: 4,5 bis 2 tropische Dornstrauch-Savannen

4b. Tropische Trockenklimate humide Monate im Winter

5. Tropische Halbwüsten- und Wüstenklimate h: unter 2 tropische Halb- und Vollwüsten



In den Gebirgen gibt es in jeder Klimate außerdem noch klimatische Höhenstufen.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Matthias Forkel
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 29.05.2012
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