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Infoblatt Gemäßigte Klimazone


Gemäßigte Klimazone im Überblick

Die Gemäßigte Klimazone umfasst in der Klassifikation von Neef die meisten Klimatypen; dies sind das Seeklima der Westseiten, das Übergangsklima, das Kühle Kontinentalklima, das Ostseitenklima und das Sommerheiße Kontinentalklima.


Seeklima, Übergangsklima und Kühles Kontinentalklima

Innerhalb dieser Klimatypen verändert sich die Ausprägung der Jahrestemperaturen und -niederschläge mit zunehmender Entfernung vom Meer entscheidend. So nehmen in der Regel die Durchschnittstemperaturen vom Seeklima zum Kontinentalklima (Landklima) ab, die Temperaturschwankungen (Amplitude) zu und die Niederschlagssumme wird geringer.



Klimadiagramm Plymouth (Klett)

Plymouth liegt im Seeklima der Westseiten. Die Temperaturen sind gemäßigt und weisen im Jahresverlauf nur eine relativ geringe Amplitude auf. Die Niederschläge fallen im Seeklima v. a. im Winter. Dieses Klima wird nahezu das gesamte Jahr durch die Außertropischen Westwinde beeinflusst, die vom Ozean kommend Niederschläge bringen.



Klimadiagramm Berlin (Klett)

In Berlin ist die Temperaturamplitude (18,3 K) bereits stärker ausgeprägt als in Plymouth (10,2 K). Auch die Niederschläge sind geringer. Berlin befindet sich im Übergangsklima, das den fließenden Übergang zwischen dem See- und dem Landklima bildet.



Klimadiagramm Novgorod (Klett)

In Novgorod ist im Vergleich zu Plymouth und Berlin der Winter deutlich kälter, während das sommerliche Temperaturmaximum ähnlich ist. Die Niederschläge fallen hier verstärkt im Sommer. Novgorod liegt im Kühlen Kontinentalklima.



Klimadiagramm Jakutsk (Klett)

Auch Jakutsk befindet sich im Kühlen Kontinentalklima. Aber die Temperaturamplitude ist hier mit 59,6 K erheblich größer als in Novgorod mit 26,5 K. Obwohl die Niederschlagssumme geringer ist, fallen die meisten Niederschläge wie in Novgorod im Sommer. Das Kühle Kontinentalklima weist also trotz großer Unterschiede innerhalb des Klimatyps insgesamt niedrige Januar-Temperaturen und damit eine große Temperaturamplitude sowie niedrige Niederschläge, die im Sommer verstärkt fallen, auf.
Das Übergangsklima kommt nur in Europa vor. In Nordamerika existiert es nicht, hier wird das Seeklima der Westseiten durch die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gebirge (u. a. Rocky Mountains) vom Kontinentalklima getrennt.


Gründe für die Veränderung der Klimaelemente vom See- zum Landklima - Kontinentalität

Die soeben beschriebenen Veränderungen der Temperatur mit zunehmender Entfernung vom Meer werden durch die unterschiedliche Wärmespeicherfähigkeit des Wassers und der Landmasse verursacht. Das Wasser kann die einfallende Strahlung besser speichern. Es nimmt also im Sommer Energie auf. Wenn im Winter die Energiebilanz negativ ausfällt, gibt das Meer Wärme ab und bewirkt so relativ milde Temperaturen im Winter. Im Sommer jedoch wirkt die Meeresluft kühlend.
Die Landmasse kann jedoch kaum Energie speichern. Sie kühlt im Winter sehr stark aus und verursacht so die tiefen Temperaturen im Kontinentalklima. Im Sommer erhitzt sie sich enorm und sorgt so für hohe Temperaturen.
Die Feuchtigkeit, welche die Außertropischen Westwinde bringen, reicht nur für die Regionen, die meeresnah liegen. Die entfernten Regionen (Landklima) haben daher geringere Niederschlagssummen. Jedoch sind die Sommerniederschläge hier höher, da die starke Erwärmung und das Aufsteigen der Warmluft eine kräftige Konvektion mit anschließenden Niederschlägen bewirkt.
In der Gemäßigten Klimazone bestimmt also die Lage des Ortes sehr stark, ob das Klima ozeanisch – vom Meer beeinflusst – ist oder ob es von der mangelnden Wärmespeicherfähigkeit der Landmasse bestimmt wird, also kontinental ist.
Diese Veränderungen von Westen (Seeklima) nach Osten (Kontinentalklima) werden als Kontinentalität bezeichnet.



Kontinentalität (Forkel)


Veränderung der Vegetation mit zunehmender Kontinentalität

Ebenso wie sich das Klima mit zunehmender Entfernung vom Meer verändert, ändert sich auch die Vegetation. Im Bereich des Seeklimas der Westseiten gibt es Laubwälder, die im Winter ihre Blätter abwerfen und daher nur sommergrün sind. Mit zunehmender Kontinentalität – je weiter man sich vom Meer entfernt – gibt es auch mehr Nadelbäume. Im Übergangsklima gibt es Mischwälder. Reine Nadelwälder existieren im kühlen Kontinentalklima, diese werden in Russland als Taiga und allgemein als Boreale Nadelwälder bezeichnet. Durch die kurzen Sommer des Landklimas ist es zu energieaufwendig, Laubblätter auszubilden.



Sommergrüner Laub- und Mischwald, Borealer Nadelwald (Klett)


Das Ostseitenklima



Ostseitenklima / Klimadiagramm von Wladiwostok / Russland (Klett)



Ostseitenklima / Klimadiagramm von Saint John / Kanada (Klett)

Das Ostseitenklima liegt nun wieder am Meer, daher sind hier die Temperaturen ausgeglichener als im Kontinentalklima. Das Ostseitenklima in Nordamerika (z. B. Saint John) weist ganzjährig hohe Niederschläge auf. In Ostasien (z. B. Wladiwostok) gibt es häufig verstärkte Niederschläge im Sommer. Der Grund dafür ist die starke sommerliche Erwärmung der asiatischen Landmasse, wobei sich dabei ein Hitzetief bildet. Dieses verursacht nicht nur eine starke Konvektion, sondern "saugt" auch Winde an, wie in Südasien den tropischen Südwest-Monsun oder in Ostasien den außertropischen Südost-Monsun. Dieser Südost-Monsun nimmt über dem Pazifik Feuchtigkeit auf und bewirkt so hohe Sommerniederschläge in Ostasien.
Je nach der Ausprägung der Jahrestemperatur und der Niederschläge gibt es im Ostseitenklima Mischwälder, Steppen oder auch Tundren.


Das Sommerheiße Kontinentalklima



Klimadiagramm Astrachan (Klett)

Im Sommerheißen oder Sommerwarmen Kontinentalklima zeigen die Temperaturen wie im Kühlen Kontinentalklima im Jahresverlauf starke Schwankungen. Die Niederschläge sind im langjährigen Mittel sehr gering, so dass der Sommer oftmals arid ist. Aufgrund der geringen Niederschläge bildet sich nur eine spärliche Steppen-Vegetation mit Gräsern und einzelnen Bäumen aus. Es gibt aber auch Halbwüsten und Wüsten. Die Vegetationszone im Sommerheißen Kontinentalklima wird also als Zone der winterkalten Steppen, Wüsten und Halbwüsten bezeichnet.



Winterkalte Steppe (Klett)


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Matthias Forkel
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 17.05.2012
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