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Infoblatt TransFair-Kaffee


TransFair-Kaffee - ein Beispiel für fairen Handel



TransFair-Sortiment (TransFair)

Kaffee ist- bezogen auf den Wert- nach Erdöl weltweit das zweitwichtigste Handelsgut und das wichtigste Agrarprodukt im globalen Süd-Nord-Handel. Alleine in Deutschland wurden 2010 über 1,3 Milliarden Tassen getrunken; das sind rein rechnerisch mehr als 150 l, die jeder Bundesbürger im Jahr getrunken hat. Damit ist Kaffee das beliebteste Getränk der Deutschen.

Da Kaffee aufgrund seiner Anforderungen an das Klima nur in den Tropen und Subtropen angebaut werden kann, sind fast alle kaffeeexportierenden Länder Entwicklungsländer. Vor allem viele afrikanische Länder erwirtschaften ihre dringend benötigten Devisen hauptsächlich aus dem Kaffeeexport.


Land Anteil des Kaffees am Export (1999)

Burundi 76 %
Uganda 63 %
Äthiopien 52 %
Ruanda 43 %
Tansania 14 %

Fischer Weltalmanach 2003

Der Weltmarktpreis für Kaffee unterliegt großen Schwankungen: 1994 lag er an der New Yorker Warenbörse bei 202 US-Cents pro lb (1 lb = 0,4536 kg), 2002 dagegen nur noch bei circa 45 US-Cents pro lb, 2006 wieder bei knapp 96 US-Cents pro lb.


Jahr Durchschnittspreise für Rohkaffee (US-Cents/lb)

1995 138,42
1996 102,07
1997 133,91
1998 108,95
1999 85,72
2000 64,25
2001 45,60
2002 47,74
2003 54,07
2004 62,15
2005 89,36
2006 95,75
2007 107,68
2008 124,25
2009 125,17
2010 126,70

(Quelle: International Coffee Organization)

Die Gründe für den Preisverfall bis 2003 bzw. dem im Vergleich zu den 1990er Jahren immer noch niedrigem Preisniveau liegen vor allem in den steigenden Produktionsmengen bei stagnierendem Verbrauch in den Importländern. Die kaffeeexportabhängigen Länder sind gezwungen, noch mehr Kaffee zu produzieren, um den Preisverfall auszugleichen. Gleichzeitig aber werden die Preise für importierte Industriegüter immer teurer. Die Folgen sind negative Terms of Trade und eine wachsende Auslandsverschuldung.



(Deutsche Welthungerhilfe)

Die Kleinbauern, die weltweit circa 1/3 des Rohkaffees erzeugen, werden besonders benachteiligt, da Zwischenhändler – sogenannte Coyotes – oft nur die Hälfte oder ein Viertel des Weltmarktpreises zahlen. Hauptverdiener des Kaffeehandels sind neben den Zwischenhändlern Großhändler, die in den Verbraucherländern ansässig sind. Diese Benachteiligung der Kleinbauern will der faire Handel beseitigen.
Dazu wurde 1992 in Deutschland TransFair, ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des fairen Handels von Organisationen aus den Bereichen Entwicklungshilfe, Kirche und Verbraucherschutz gegründet. Ziele sind der Ausschluss von Zwischenhändlern, d. h. der direkte Handel mit Kleinbauerngenossenschaften und die Erwirtschaftung höherer Gewinne für die Kleinbauern. TransFair handelt nicht selbst mit Produkten aus Entwicklungsländern, sondern vergibt als unabhängige Institution Lizenzen für das TransFair-Siegel. Dazu müssen sowohl die Kaffeeproduzenten als auch die Importeure und Hersteller folgende Kriterien für das TransFair-Siegel erfüllen:


Kaffeeproduzenten

  • politisch unabhängige und demokratisch verwaltete Genossenschaften mit kleinbäuerlichen Familienbetrieben
  • Selbstbestimmung über die Verwendung des Mehrerlöses aus dem fairen Handel
  • Einsatz für einen nachhaltigen Entwicklungsprozess



Importeure und Hersteller

  • direkte und langfristige Handelsbeziehungen mit Kleinbauernkooperativen
  • Zahlung eines Mindestpreises von 125 US-Cents pro lb (beim Ansteigen des Weltmarktpreises über den TransFair-Mindestpreis wird ein Aufschlag von 10 US-Cents über dem jeweiligen Weltmarktpreis gezahlt)
  • Zahlung eines Aufschlags für biologisch angebauten Kaffee von 20 US-Cents pro lb
  • Zahlung einer Lizenzgebühr für das TransFair-Siegel von 0,11 Euro je Pfundpackung Kaffee
Die Erfüllung dieser Kriterien wird von TransFair durch den Einsatz unabhängiger Wirtschaftsprüfer regelmäßig kontrolliert. Durch garantierte Mindestpreise sind Kleinbauern unabhängig von Weltmarktpreischwankungen. Außerdem können durch die Mehreinnahmen Schulen und Straßen gebaut und in die Gesundheitsvorsorge, Bildung und Umweltschutz investiert werden. Insgesamt gesehen verbessern sich also die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kleinbauern. Einzelne nicht in Genossenschaften organisierte Kleinbauern kommen als TransFair-Partner aber nicht in Frage.
Allerdings ist ein Päckchen TransFair-Kaffee etwa 2 Euro teurer als herkömmlich gehandelter Kaffee. Auf die einzelne Tasse umgerechnet sind das zwar nur wenige Cents, dennoch sind die Verkaufszahlen niedrig: Fair gehandelter Kaffee hat nur einen Marktanteil von 1 - 2 %. Dabei ist TransFair-Kaffee jedoch qualitativ hochwertig und stammt oft aus ökologischem Anbau. Zu bedenken ist auch, dass mit dem Kauf von TransFair-Kaffee eine "aktive Entwicklungspolitik mit dem Einkaufskorb" (TransFair) betrieben wird. Außer Kaffee, dem ersten TransFairprodukt, sind mittlerweile auch Tee, Kakao, Zucker, Honig, Bananen und Orangensaft aus fairem Handel erhältlich. Etwa 36.000 Supermärkte, Bioläden, Weltläden etc. in Deutschland verkaufen heute TransFair-Kaffee bzw. TransFair-Produkte.


Literatur

Fischer Weltalmanach 2003. Frankfurt am Main.
TransFair / Misereor (2000): Kaffee. Aachen.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Sabine Reitzki
Verlag: Klett
Ort: Leipzg
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 22.04.2012
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