TERRA-Online / Gymnasium


Dazhai 1999 - Tagebuchnotizen



Anfang August 1999

Ankunft in Dazhai nach mehrstündiger Busfahrt durch das Lössbergland von Taiyuan aus.


Erste Überraschung

Dazhai wirkt ausgestorben, kaum Menschen auf den Straßen zu sehen. Besonders groß ist Dazhai nicht, eher ein Dorf mit einigen wenigen städtisch anmutenden Gebäuden. Es gibt nur wenige Lehmhäuser, wie überall in den Dörfern des Lössberglandes.


Empfang im Hotel

Seinerzeit die erste Adresse der Musterbrigade, jetzt macht alles einen verkommenen Eindruck. Wir sind die einzige Gruppe und kommen uns ziemlich verloren im Foyer und im überdimensionierten Speisesaal vor. Zuteilung einer Schüssel Wasser für jeden Gast für Waschen und Toilette. Eine Stunde später: Stromausfall; für die Nacht werden mit chinesischer Gastfreundlichkeit Kerzen ausgeteilt.


Erste Station - Das Dazhai-Museum

Ein kleines Holzhaus mit wenigen Räumen und niedriger Decke, ursprünglich als Provisorium, jedoch nie ersetzt worden. Vor allem zahlreiche Schwarzweiß-Bilder aus der Aufbauzeit hängen an den Wänden. Hier ist sie zu sehen, die propagandistische Begleitmusik beim Aufbau der Musterbrigade. Zu Lebzeiten Maos las jeder Chinese die Parole "Von Dazhai lernen", aufgemalt auf unzählige Mauern und Wände im ganzen Land. Die Kluft zwischen Parole und Realität wirkt fast peinlich. Die Informationen des Museumsleiters fallen entsprechend nüchtern aus.




Weiterer Rundgang durch das Städtchen

Infrastrukturelle Einrichtungen wie z. B. Geschäfte oder Garküchen, Inbegriff chinesischen Straßenlebens in jeder Stadt, suchen wir vergebens. Kein Verkehr auf den Straßen, höchstens ein Lkw. Dazhai ist eine Geisterstadt. Die übrig gebliebenen politischen Parolen an den Häuserwänden blicken ins Nichts.




Die Flur

Die terrassierten Hänge sind gepflegt, die Felder sauber bestellt. Die wenigen landwirtschaftlichen Arbeitskräfte sehen wir später vor ihren Wohnhäusern in Dazhai. Landwirtschaftliches Arbeitsgerät finden wir nicht.


Die Dorfindustrie

Wie auf den Fotos im Museum!



Im kleinen Kohlebergwerk werden wie in den Anfangszeiten Dazhais bis auf eine altertümliche motorisierte Seilwinde, die Loren aus dem Schrägstollen an das Tageslicht befördert, alle anderen Arbeiten – Schieben der Loren zur Entladestelle, Entladen – mit der Hand ausgeführt!



Die Ziegelei arbeitet auch noch wie bei der Ortsgründung. Von der lokalen Eisenhütte ist jedoch nichts mehr zu entdecken. Eine Selbstversorgung Dazhais mit allen landwirtschaftlichen Produktionsmitteln kann nicht mehr realisiert werden. Dazhai als Vorbild für die Volkskommunen und Brigaden im ländlichen Raum Chinas gibt es nicht mehr!




Quelle: Geographie Infothek
Autor: Paul Lindner
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 17.05.2006
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