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USA - Auslandsdirektinvestitionen


Internationalisierung, Globalisierung, Auslandsdirektinvestitionen, US-Markt

Die wachsende Internationalisierung der US-Wirtschaft lässt sich nicht nur an den Transnationalen Unternehmen der USA und ihren ausländischen Tochterunternehmen ablesen, sondern auch an der Zunahme von Investitionen ausländischer Unternehmen in den USA. Die Investitionssumme ist von 200 Mrd. US-$ (1981) auf über 800 Mrd. US-$ (1997) angewachsen, wobei die Zahl der Arbeitsplätze von 2 Mio. auf über 5 Mio. zugenommen hat. Ausländische Unternehmen investieren in den USA zur Durchführung eigener Geschäfte und eigener Kontrolle.

Die Auslandsdirektinvestitionen in den USA konzentrieren sich in den bekannten US-Wachstumsregionen der 1990er Jahre, vor allem im Nordosten in den Staaten NY, MA (Boston), Connecticut (CT), NJ, PA, MD und VA (Washington–Baltimore) mit über 17 % der Investitionen, im Mittelwesten in OH, MI (Detroit) und IL (mit 17 %), in CA (Silicon Valley, Orange County von Los Angeles mit 12 %) sowie in TX, FL und NC (Bagchi-Sen 1995). Die ausländischen Investoren kommen aus Japan, Kanada, Großbritannien und Deutschland, vor allem aus der Auto- und Stahlindustrie sowie aus dem Finanzsektor.

Die Investoren verfolgen mehrere Ziele, insbesondere das eines besseren Zugangs zum kaufkräftigen US-Markt, aber auch das der Nähe zur ausländischen Forschung und Entwicklung. Von Bedeutung sind ebenso die in den USA gebotenen Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten, günstige Besteuerung, weniger Umweltschutzauflagen und weniger begrenzende Vorschriften in der Forschung oder Produktion. Mit den Auslandsinvestitionen werden Zollvorschriften und Zollgebühren sowie Wechselkursschwankungen unwirksam. Die direkte Auslandsaktivität bringt durch die Marktnähe und die Einbindung (embeddedness) in die Kultur des Gastlandes viel bessere Geschäftsmöglichkeiten. Vom Standort USA kann man auch in die übrigen NAFTA-Staaten Kanada und Mexiko günstig exportieren. Die USA bilden mit dem größten und kaufkräftigsten Wirtschaftsraum der Welt beste Geschäftsmöglichkeiten. In dem sog. "unvollkommenen Markt" gibt es viele Nischen für ausländische Spezialisten.

Die US-Regierung ist an solchen Auslandsdirektinvestitionen interessiert und dringt in diesem Zusammenhang auf die sog. local-content-Auflagen, d. h. dass die Produkte ausländischer Unternehmen für den amerikanischen Markt zu einem bestimmten Anteil auch in den USA gefertigt werden, je nach Produkten zwischen 30 % und 70 %. Der Import von Fertigprodukten und die Montage von CKD-Lieferungen (completely-knocked-down), d. h. Import von bereits fertigen Baugruppen und Systemen werden nicht mehr akzeptiert, weil in den USA ein Teil der Wertschöpfung zur Sicherung von Arbeitsplätzen und von Kaufkraft erfolgen muss.

Durch Auslandsdirektinvestitionen entstehen neue Arbeitsplätze, vor allem viele Neuerungen in organisatorischer und technologischer Sicht, was die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Regionen erhöht. Eine wichtige Rolle spielen die sog. transplant-Betriebe japanischer Automobilunternehmen. Sie ermöglichen einen vielfältigen Transfer von Know-how zur Betriebsorganisation und Technologie. Schwerpunkte deutscher Auslandsdirektinvestitionen in den USA liegen in den Atlantikküstenstaaten, insbesondere in NC und SC, in NJ, CT, Rhode Island (RI), außerdem in CA und TX. Vertreten sind Unternehmen der Chemie, des Fahrzeug- und Maschinenbaus sowie der Fertigung von Instrumenten. Im Dienstleistungssektor sind Banken und Versicherungen in den USA aktiv geworden. In deutschen Tochterunternehmen werden die Arbeitskräfte meist besser bezahlt als in US-Betrieben. Die Auslandsdirektinvestitionen haben wesentlich zur Reindustrialisierung und Revitalisierung des Manufacturing Belts beigetragen, vor allem die japanischen Unternehmen in der Auto- und Stahlindustrie (Florida/Kenney 1992). Sie vergrößern den Wettbewerb und die Impulse zur Produktivitätssteigerung. Die neuen Arbeitsplätze entstehen vor allem bei Investitionen in neuen Fabriken, jedoch nicht bei der Übernahme von US-Fabriken (Bagchi-Sen/Pigozzi 1995). Kritische Stimmen betonen den Verlust von Arbeitsplätzen für US-Bürger, manche sprechen vom Null-Summen-Spiel, weil US-Unternehmen ihrerseits ihr Kapital vermehrt ins Ausland investieren. Die Auslandsdirektinvestitionen sind einer der wichtigsten Indikatoren im Rahmen des Globalisierungsprozesses (Florida 1996).


Quelle: Perthes Länderprofile USA
Autor: Roland Hahn
Verlag: Klett-Perthes
Ort: Gotha
Quellendatum: 2002
Seite: 411
Bearbeitungsdatum: 12.05.2006
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