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Infoblatt Terra Preta


Terra Preta - Die Rettung des Tropischen Regenwaldes?



Brandrodung - Hauptursachen der Zerstörung des Tropischen Regenwaldes (Klett)

Spanische Eroberer berichteten im 16. Jahrhundert nach ihrer Rückkehr aus Südamerika von einer blühenden Kultur in Amazonien. Zahlreiche Dörfer sollen sich durch Ackerbau ernährt haben, nach Schätzungen und archäologischen Funden sollen bis zu 10 Mio. Menschen in Amazonien gelebt haben. Aber wie wurde die Ernährung sichergestellt? Die roten Verwitterungsböden (Latosole, Oxisole) im Regenwald von Amazonien sind viel zu nährstoffarm, um eine solch große Anzahl von Menschen ernähren zu können. Heute herrscht im tropischen Regenwald zumeist Landwirtschaft mit Hilfe der Brandrodung vor. Dabei werden Bäume gefällt und verbrannt, die Asche düngt den Boden ca. zwei Jahre, danach müssen die Bauern weiterziehen. Die Brandrodung ist einer der wichtigsten Gründe für die Vernichtung des Regenwaldes.


Was ist Terra Preta?

Archäologische Untersuchungen im Amazonasgebiet zeigen, dass die Ureinwohner Amazoniens eine nachhaltige Landwirtschaft betrieben haben müssen. Um die Böden ihrer Äcker fruchtbarer zu machen, mischten sie Holzkohle, Abfälle, Fäkalien, Knochen und Tonscherben unter die unfruchtbare Erde. Die Größe der Tonscherben deutet auf Sesshaftigkeit hin, da die rekonstruierten Gefäße zu groß für ein nomadisches Leben gewesen sein dürften. Wissenschaftler nehmen heute an, dass Holzkohle die Nährstoffe im Boden bindet und sie so vor Auswaschung durch tropische Regenfälle schützt. Das Ergebnis dieser Bearbeitung ist eine tiefschwarze, humusartige und fruchtbare Erde namens "Terra Preta" - Schwarze Erde. Mittlerweile wurden im gesamten Amazonasgebiet mehrere zehntausend Gebiete mit Terra Preta entdeckt, die zumeist an Flüssen liegen. Manche Fundorte von Terra Preta besitzen eine Mächtigkeit von bis zu 20 Metern.
Die heutigen Fundorte von Terra Preta, die ca. 10 % der Fläche Amazoniens einnehmen, stimmen teilweise mit den Schilderungen über frühe Siedlungen überein. Es wird davon ausgegangen, dass diese Siedlungen auf erhöhten Ebenen angelegt wurden, um vor den alljährlichen Überflutungen durch den Amazonas geschützt zu sein. Archäologen entdeckten zusätzliche Dämme, von denen angenommen wird, dass sie Verbindungswege zwischen den Siedlungen darstellten. Die frühen Landwirte sollen demnach auch über ein ausgeklügeltes Be- und Entwässerungssystem verfügt haben. Einige der indigenen Völker Amazoniens verfügen noch heute über Begriffe für Kulturpflanzen wie Mais oder Baumwolle, obwohl sie selber als Jäger und Sammler leben. Diese Tatsache wird als weiterer Beweis für die Existenz der frühen nachhaltigen Landwirtschaft Amazoniens gewertet. Das Herzstück der landwirtschaftlichen Hochkultur bleibt jedoch die von Menschen erschaffene, fruchtbare Erde.


Ausblick

Mehrere Wissenschaftler beschäftigen sich heute mit Terra Preta. Im Experiment konnte gezeigt werden, dass Pflanzen auf Terra Preta doppelt so schnell wachsen und einen mehrfachen Ertrag der Pflanzen auf normaler Urwalderde erbringen. Einige Unternehmer in Amazonien vermarkten die vorhandene Terra Preta schon heute. Sie wird abgebaut und als Dünger an die Bauern verkauft. Diese Unternehmer berichten über eine weitere erstaunliche Eigenschaft von Terra Preta: Die Erde scheint sich selbst zu reproduzieren. Abgebaute Flächen, auf denen ca. 20 cm Terra Preta zurückgelassen wurde, weisen nach 10 Jahren wieder eine höhere Schichtdicke auf. Diese Fähigkeit wird auf die Aktivität von Mikroorganismen und Pilzen zurückgeführt, die das in der Erde befindliche organische Material zu Humus umsetzen. Entwicklungshilfeorganisationen planen nun, Terra Preta wieder im großen Stil herzustellen, um so die Brandrodungswirtschaft im tropischen Regenwald überflüssig zu machen und zum Schutz des Ökosystems beizutragen.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Lars Pennig
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 10.05.2012
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