TERRA-Online (alte Ausgabe)


Bewässerungsprojekte in Mittelasien im Einzugsbereich von Amu-Darja und Syr-Darja


Zu den Projekten, die die Versteppung der Aralseeregion in hohem Maße mit beeinflussen, gehören die Bewässerungsgebiete im südlichen Mittelasien der früheren Sowjetunion, in den heutigen GUS-Staaten Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan, die aus den Flüssen Tschu und vor allem aus dem Amu- und dem Syr-Darja, den beiden Zuflüssen des Aralsees, gespeist werden. Am bekanntesten wurde hier die Agrarkolonisationin der so genannten "Hungersteppe" südwestlich der usbekischen Hauptstadt Taschkent.

1984 meldeten offizielle sowjetische Stellen Erfolge: Seit 1966 waren nach diesen Angaben ca. 115 Mrd. Rubel für die Melioration, also für Boden verbessernde Maßnahmen, investiert worden - hiermit waren in erster Linie Bewässerungsmaßnahmen gemeint. Von 118 Stauseen mit insgesamt rund 12 Mrd. m³ Wasserinhalt war die Rede sowie von den zahlreichen Bewässerungskanälen, mit dem Karakum-Kanal als dem Größten weltweit. Durch die Bewässerung in den stark ariden Räumen war hier die Reisproduktion von einer auf 2,6 Mio. Tonnen/a gestiegen, die von Baumwolle auf über 9 Mio. Tonnen (1965: 5,7 Mio. t). In einem Perspektivplan war von weiteren Ertragssteigerungen durch noch stärker intensivierten Anbau die Rede; anders gesagt: Mit noch mehr Wasser sollte noch mehr produziert werden.

Zwar sank der Anteil Mittelasiens an der gesamten Bewässerungsfläche der Sowjetunion zwischen 1965 und 1985 von 47,3 % auf 33,6 %, doch bedeutete das immerhin noch ein Drittel Anteil eines Gebietes, das klimatisch ja von stärkster Aridität gekennzeichnet ist. Und in absoluten Zahlen stieg die bewässerte Fläche sogar von 4.682.000 ha im Jahr 1965 auf 6.699.000 ha 1985 (zum Vergleich: Landwirtschaftliche Nutzfläche der BR Deutschland 1999: 17.103.000 ha).

Wie bereits erwähnt wurde das Wasser für diese Projekte (siehe Karte) vor allem aus den beiden einzigen Zuflüssen des Aralsees und ihrer Nebenflüsse entnommen; die ökologische Katastrophe für den See war damit vorprogrammiert.



Bewässerungsflächen in Mittelasien

Zu den bekanntesten Projekten im Rahmen dieses für den Aralsee so fatalen Kultivierungsprogramms für die mittelasiatischen Halbwüstengebiete gehört die agrarische Kolonisation in der "Hungersteppe" mit Hilfe des Wassers aus dem Syr-Darja. Zweck war der Anbau so genannter feinstapeliger, also leicht verspinnbarer Baumwolle für die sowjetische Textilindustrie. Gleichzeitig erhoffte man sich z. B. Beschäftigungseffekte in der Republik Usbekistan mit ihrer rasch wachsenden Bevölkerung. Dabei wurde die Notwendigkeit zur Bewässerung neben der geringen Niederschlagsmenge noch dadurch verstärkt, dass diese Niederschläge sehr unregelmäßig fallen und es immer wieder Dürreperioden gab und gibt.



Fluraufteilung und Bodenutzung in der Hungersteppe

Die Gefahren und Probleme liegen auf der Hand und hätten sicher auch schon zur Zeit der Sowjetunion stärker berücksichtigt werden müssen, durften aber nicht thematisiert werden und wurden von den Erfolgsmeldungen (s.o.) überdeckt


Quelle: Internetbegleitung zu: Fundamente Kursthemen - USA/Kanada, Russland/Nachfolgestaaten der Sowjetunion
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2002
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 15.05.2006
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