TERRA-Online (alte Ausgabe)


Infoblatt Wüsten


Definition, Wüstentypen und Verbreitung, formschaffende Prozesse



Sahara (Bärbel Hentschel)

Durch hohe Trockenheit und Vegetationsarmut geprägt, stellen die Wüsten eines der lebensfeindlichsten Gebiete der Erde dar. Das im Volksgebrauch übliche Bild einer unendlich erscheinenden Sandlandschaft mit unerträglich heißen Temperaturen ist jedoch nur die eine Seite der Wüste. Im Relief, der Oberfläche und im Klima können sie sehr verschieden sein.
Allgemein definiert werden Wüsten als aride, vegetationsarme beziehungsweise vegetationslose Gebiete. Aridität liegt dann vor, wenn der jährliche Niederschlag geringer ist als die jährliche potentielle Verdunstung. Der jährliche Niederschlag liegt unter 250 mm im Jahr.


Wüstentypen und Verbreitung

  • Wendekreiswüsten
    Die größten Wüsten sind die Wendekreiswüsten. Der Name verrät die geographische Lage, zwischen 10° und 35° geographischer Breite an beziehungsweise zwischen den Wendekreisen. Am Äquator ist die Luft so heiß, dass sie sich nach oben ausdehnt. In der Höhe strömt sie in Richtung Pole ab. In größeren Höhen kühlen die Luftmassen ab, so dass es an den Wendekreisen zum absinken kommt. Absteigende Luft erwärmt sich und die relative Luftfeuchte nimmt ab. Es kommt zur Bewölkungsauflösung und ausbleibendem Niederschlag. Typische Wendekreiswüsten sind: Sahara in Afrika, Wüsten Australiens (Simpson, Gibson).
  • Binnenwüsten
    Binnenwüsten oder auch Kontinentalwüsten liegen im Zentrum der Kontinente und fernab von den Küsten. Niederschlagsbringende Wolken erreichen diese Gebiete kaum, sondern haben sich auf dem Weg über den Kontinent bereits abgeregnet. Hierzu zählt die Wüste Gobi in Asien.
    Eine andere Ursache besteht in einem vor der Wüste liegendem Gebirge. In diesem Fall befindet sich die Wüste auf der Lee-Seite des Gebirges (Lee = Windschatten). Vor dem Gebirge aufsteigende Wolken (Luv-Seite = Windzugewandte Seite) regnen sich noch vor dem Gebirge ab. Man spricht deshalb von Regenschattenwüsten, zu denen unter anderem die Mojave Wüste in Nordamerika zählt.
  • Küstenwüsten
    Ursache der Entstehung von Küstenwüsten sind kalte Meeresströmungen. Das kalte Wasser steigt nach oben, die darüber liegende Luft wird daraufhin abgekühlt und ihre Feuchtigkeit kondensiert zu Nebel. Der Niederschlag selbst fällt noch über dem Meer. Landeinwärts gerichteter Wind trägt die nebelhaltige Luft über die Wüste. Dort wird sie erwärmt und saugt die Feuchtigkeit weg. Das Land bleibt folglich ohne Niederschlag. In Südamerika ist die Atacama und in Afrika die Namib eine solche Küstenwüste.
  • Polare Wüsten
    Die polaren Wüsten nehmen eine Sonderstellung ein, da sie völlig mit Eis bedeckt sind und kaum, oder dann nur sehr selten Temperaturen über 0 °C aufweisen. Vegetationslosigkeit ist hier wärmemangelbedingt.
Entsprechend ihrer Oberfläche kann man Wüstenarten in Gesteinswüsten (Hamada), Kieswüsten (Serir) und Sandwüsten (Erg) unterscheiden.
Dadurch, dass das Wasser schnell verdunstet, können sich Salze in oberen Regionen sehr leicht ablagern, was zum Entstehen ganzer Salzkrusten und Salzwüsten führt.


Formschaffende Prozesse

Wind und Wasser können gigantische Formen schaffen. Durch die fehlende Vegetationsdecke hat der Wind eine große Angriffsfläche. Er kann somit feinsten Sand ausblasen (Deflation) und an anderer Stelle wieder absetzen. Dünen und Sandberge unterschiedlichster Form entstehen. Der mitgeführte Sand kann an Felsen schleifen (Korrasion), wodurch diese zu Pilzsteinen geformt werden. Aber auch das Wasser formt die Wüste, Regenereignisse sind zwar selten und meist nur von sehr kurzer Dauer, dafür aber äußerst intensiv. Die Gewalt der abfließenden Wassermassen fomt Wüstentäler (Wadis). Die reißenden Wassermassen können eine große Sedimentfracht mit sich führen und an anderer Stelle wieder ablagern.


Vegetation und Tierwelt

Wenn auch nicht so zahlreich wie in den gemäßigten Breiten, so haben es auch hier Lebewesen geschafft, sich an die Bedingungen anzupassen. Pflanzen können sehr viel Wasser speichern und haben dazu bestimmte Organe umgebildet. Sie haben sehr kleine Blätter oder Dornen. Die Wurzeln reichen oft sehr tief, um Wasser zu erreichen, andere überdauern als Samen, um bei einem Niederschlagsereignis für eine kurze Vegetationsperiode grünen zu können.
Tiere sind überwiegend nachtaktiv oder können Wasser über einen sehr langen Zeitraum speichern. Sehr große Extremitäten sorgen für eine entsprechende Oberfläche, um überschüssige Wärme wieder abgeben zu können.
Auch der Mensch kann in diesen Gebieten leben. Oasen, Vegetationsinseln inmitten einer Wüste, ermöglichen ein Überleben. Gespeist durch unterirdische Wasservorräte oder einen Fluss kann hier sogar Landwirtschaft im kleinen Rahmen betrieben werden.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Petra Müller
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 30.03.2012
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