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Infoblatt Zuckerrohr


Zuckerrohr im Überblick



Zuckerrohrernte auf Java (Hoffmann)


Einordnung

Das Zuckerrohr gehört zur Familie der Süßgräser. Den Namen "Zuckerrohr" trägt es zu Recht, denn im Halminneren der Pflanze sind 9 - 16 % kristallisationsfähiger Zucker gespeichert. Die Pflanze dient deshalb der Zuckergewinnung.


Beschreibung

Die Zuckerrohrpflanze ist ein riesiges Gras mit einem hellgrünen bis rotbraunen massiven, etwa 2 - 6 cm dicken Halm und kann bis zu 6 m hoch werden. Oftmals wird das äußere Erscheinungsbild der Pflanze mit dem von Schilf verglichen. Die Kohlenhydrate sind im Stängelmark enthalten.


Verbreitung / Anbaugebiete / Herkunft

Die Heimat von Zuckerrohr wird in Neuguinea vermutet. Von dort gelangte es nach Indien und Persien. Die Araber brachten das Zuckerrohr um 600 ins Mittelmeergebiet und entwickelten eine Methode zur Zuckergewinnung. Daraufhin wurde Zuckerrohr erstmals großflächig in Plantagen kultiviert, so dass um das Jahr 1000 im Mittelmeerraum bereits eine rege Zuckerproduktion im Gange war. Um 1100 stießen die Kreuzritter in der Ebene von Tripolis auf das von ihnen so benannte "Honigschilf", denn als Süßungsmittel kannte man bis dahin in Mitteleuropa nur den Honig. Die darauf folgenden Importe des süßen Kristalls nach Mitteleuropa erfreuten sich an den Königs- und Fürstenhäusern größter Beliebtheit. Der teure Zucker war nur dem Adel vorbehalten oder wurde später auch in Apotheken als Heilmittel vertrieben. Bei der normalen Bevölkerung erfolgte das Süßen von Speisen nach wie vor vornehmlich mit Honig. Da die Böden im Mittelmeerraum aber in kurzer Zeit ausgelaugt und die Wälder abgeholzt waren, kam die Zuckerwirtschaft in der Mittelmeerregion bald zum Erliegen.
Ende des 15. Jahrhunderts, auf seiner zweiten Reise nach Amerika, brachte Kolumbus das Zuckerrohr auf die Karibischen Inseln. Unter dem hier herrschenden feuchtwarmen, tropischen Klima fand die Zuckerrohrpflanze optimale Bedingungen und warf erheblich höhere Erträge ab. Von der Karibik ausgehend fasste Zuckerrohr auch in Mexiko und Südamerika Fuß. Die Produktion auf den sehr arbeitsintensiven Zuckerplantagen konnte nur mit einer entsprechend großen Anzahl von Arbeitskräften gesichert werden. Hunderttausende von afrikanischen Sklaven schufteten im 17. und 18. Jahrhundert unter unmenschlichen Bedingungen auf den Zuckerplantagen Mittel- und Südamerikas in der Hand von Spaniern, Franzosen, Briten, Dänen und Holländern. Brasilien übernahm bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts den ersten Platz in der Weltzuckerproduktion. Der Zucker aus Übersee galt in Europa als Luxusartikel, den sich nur reichere Gesellschaftsschichten leisten konnten. Erst mit der Entdeckung des Rübenzuckers vor ca. 200 Jahren entwickelte sich Zucker allmählich zum täglichen Bedarfsgut für jedermann. Heute wird Zuckerrohr weltweit vor allem in Südamerika, Asien, Afrika und Australien angebaut.


Anbau / Standortansprüche

Zuckerrohr ist eine sehr empfindliche und pflegeintensive Pflanze. Entsprechend ihrer tropischen Herkunft benötigt die Pflanze eine gleichmäßige Wärme zwischen 25 - 28 °C. Ab 15 °C stellt die Pflanze ihr Wachstum ein und reagiert auf Frost und hohe Temperaturschwankungen sogar mit Absterben. Der Pflegeaufwand bezieht sich vor allem auf eine ausreichende Bewässerung und gute Bodenbearbeitung einschließlich Düngung. Der Wasserbedarf der Pflanze liegt bei mindestens 1.200 mm Niederschlag im Jahr – ist damit also hoch. Für eine optimale Ernte benötigt die Pflanze eine gestaffelte Wasserversorgung, d. h. im Jungstadium mäßig Wasser, in der Hauptwachstumsperiode reichlich Wasser und zum Abschluss – wenn der Zucker eingelagert wird und die Ernte bevorsteht – eine trockene Hitze. Hohe Ansprüche stellt die Pflanze auch hinsichtlich des Bodens: tiefgründig und stickstoffreich, feucht, aber auf keinen Fall Staunässe!
So anspruchsvoll die Pflanze bei ihren Wachstumsbedingungen ist, so einfach ist sie in ihrer Vermehrung: ein Stück der Pflanze (z. B. Stängelabschnitt) in den Boden gesteckt, wurzelt dann von selbst.


Ernte

Nach 9 - 13 Monaten kann das Zuckerrohr mit seinen dicken Stängeln geerntet werden. Dies geschieht in den Entwicklungsländern, und zu diesen zählen die meisten Anbauländer von Zuckerrohr, in sehr mühsamer Handarbeit mit einem Haumesser. Nur teilweise wird die Ernte maschinell eingefahren.
Normalerweise wird Zuckerrohr einjährig kultiviert. Mitunter wird die Zuckerrohrkultur mehrmals genutzt, kann aber maximal auf drei Ernten ausgedehnt werden und das auch nur bei ausreichend Düngung und Pflege.


Verarbeitung

Wichtig ist, dass Zuckerrohr nach der Ernte nicht lagerfähig ist, also innerhalb von spätestens 24 Stunden weiterverarbeitet werden muss. Deshalb kann Zuckerrohr nur auf Plantagen angebaut werden, denn diese bieten die nötige Technik der anschließenden Weiterverarbeitung.
Aus wirtschaftlicher Sicht sind nur die Halme der Pflanze von Interesse. In Zuckerraffinerien wird durch das Auspressen der Stiele der dunkle Zuckerrohrsaft gewonnen. Nach verschiedenen Reinigungsstufen kann aus dem Rohsaft in mehreren Arbeitsgängen Zucker kristallisiert werden. Man gewinnt weißen und z. T. braunen Zucker, der in der Herstellung billiger ist. Aus einer Tonne Zuckerrohr lassen sich etwa 100 kg bis 110 kg Zucker gewinnen. Die ausgepressten Halmrückstände werden entweder gleich wieder als Brennmaterial in den Zuckerfabriken eingesetzt oder gehen den Weg der Zellulosegewinnung (Papier, Faserplatten).
Brasilien verwendet die Zuckerpflanze außerdem zur Herstellung von Alkoholtreibstoff, welcher wesentlich billiger als die herkömmlichen Treibstoffe auf Erdölbasis ist. Der Anteil von Bioethanol am landesweiten Treibstoffabsatz (Beimischung und Reinkraftstoff) liegt bei gut 50 %.



In den tropischen Anbauländern von Zuckerrohr findet man auf den regionalen Märkten auch frische Rohre im Angebot, die wie ursprünglich nur dazu genutzt werden, das süße saftige Mark herauszuholen oder eine Art Erfrischungsgetränk daraus zu pressen. Einheimische sieht man oft auf den Stängeln herumkauen und auf diese Weise das süße Mark genießen. (Hoffmann)


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Claudia Fischer
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 12.06.2012
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