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Infoblatt Bewässerungslandwirtschaft


Bewässerungstechniken und deren ökologische, soziale sowie wirtschaftliche Folgen



Sprinklerbewässerung in Spanien (Geiger)

In den Trockenklimaten der Erde bietet die Bewässerungslandwirtschaft oftmals die einzige Möglichkeit Nutzpflanzen anzubauen. Durch geeignete technische Maßnahmen werden in niederschlagsfreien und -armen Zeiten der Vegetationsperiode ausreichende Wassermengen auf die Felder geführt und der fehlende Regen ersetzt. Während in den Trockenklimaten die Bewässerung die einzige Möglichkeit ist, um Landwirtschaft zu betreiben, werden in feuchtgemäßigten Klimabereichen die landwirtschaftlichen Flächen zusätzlich bewässert, um die Erträge zu steigern. Je nach vorherrschendem Klima variieren die Techniken und Methoden zur Bewässerung.


Bewässerungsverfahren und -techniken

So alt wie die Menschheit ist, so unterschiedlich gestalten sich auch die jeweiligen Bewässerungstechniken. Wurde im Altertum das Wasser noch mit Schöpfeimern, Wasserrädern und archimedischen Schrauben auf die Felder gegossen, so stehen heute andere, verbesserte Methoden zur Verfügung. Die wichtigsten Bewässerungsverfahren sind die Unterflur-, die Oberflächen- und die Tröpfchenbewässerung sowie die Beregnung. Das erforderliche Wasser für die zu bewässernden Flächen stammt aus den natürlich vorkommenden ober- oder unterirdisch stehenden oder fließenden Gewässern. Außerdem wird teilweise neben dem Oberflächen- und Grundwasser auch behandeltes Abwasser oder entsalztes Meerwasser verwendet. Das geeignete Bewässerungsverfahren muss sich nach den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort richten. Entscheidende Faktoren sind die Bodenbeschaffenheit, die Hanglage, das Wasserangebot, der zu bewässernde Pflanzenbestand und die technischen Mittel sowie die finanzielle Ausstattung. Auf ebenen Flächen kommen fast alle Methoden der Bewässerung in Frage. Bei der Oberflächenbewässerung werden z. B. Flüsse und natürliche Überschwemmungen aufgestaut und genutzt. Ein kompliziertes Bewässerungssystem aus Staudämmen und Kanälen bildet das Rückgrat für die Wasserzuleitung und die ebenfalls notwendige Entwässerung. Besonders in ariden Gebieten ist die horizontale Einstauung von Fließgewässern Voraussetzung für die dauerhafte Bewässerung. Einfachere Verfahren der Oberflächenbewässerung (wie z. B. die "Siphon-Methode" und die Furchenbewässerung) sind vor allem für in Reihe gepflanzte Kulturen geeignet. Dazu gehören Pflanzen wie etwa Baumwolle, Kartoffeln und Tomaten.
Bei einem geneigten Hang müssen entweder eine Terrassierung vorgenommen oder Methoden wie Beregnung und Berieselung eingesetzt werden. Diese Verfahren erfordern jedoch einen höheren Technikeinsatz durch Beregnungs- und Berieselungsanlagen, was entsprechende Kosten verursacht. Besonders sparsam ist die Tröpfchenmethode, bei der vergleichsweise geringe Wassermengen verbraucht werden. Das Wasser wird durch Schläuche geführt und durch regelmäßige Auslässe tröpfchenweise exakt abgegeben. Einst für aride Gebiete entwickelt, findet dieses wassersparende Verfahren heute auch in gemäßigten Breiten im Weinbau oder in Park- und privaten Gartenanlagen Anwendung.

Bewässer-
ungsver-
fahren
Unterflur-
bewässerung
Oberflächen-
bewässerung
Beregnung Mikro-
bewässerung
Methode - Kapillarbe-
wässerung
- Überstauverfahren
- Rieselverfahren
- Furcheneinstau
- Feldberegnung
- Reihen- und Einzelberegnung
- Punktbe-
wässerung
- Tröpfchen-
bewässerung
Technik - Hebung des Grundwasser-
spiegels
- unterflur verlegte Leitungen
- geregelter Flächenüberstau durch Flutwasser
- Errichtung von Stauanlagen und Verteilungssystemen
- geregelte Wasserverteilung nach Zeit und Menge durch Pumpen, Rohre und Beregner - Ausbringung geringer Wassermengen um einen Tropfkörper (Schlauch, Düse)
Vorteile - Verminderung der Verdunstung
- kein Landverlust durch oberirdische Verteilersysteme
- geringer Arbeitsaufwand
- an vielen Standorten von mehr oder weniger ebenen Flächen möglich
- bei kleinen Flächen geringer Aufwand
- ohne hohen technischen Aufwand möglich
- unabhängig von Oberflächen-
beschaffenheit (auch unebenes Gelände)
- Mehrzweckbe-
regnung (Dünger)
- wassersparend
- Schutzbe-
regnung bei Frost
- Anpassung an angebaute Kulturpflanze
- wassersparendste Methode & geringer Verdunstungsverlust
- geringere Betriebskosten als bei Beregnung
- zeitgerechte Düngung
Nachteile - für flachwurz-
elnde Kulturen ungeeignet
- Salzanreicher-
ungen machen zusätzliche Bewässerung im oberen Bodenbe-
reich notwendig
- hohe Investiti-
onen in Rohrnetz
- hohe Verdunstungsraten
- große natürlich anfallende Wassermengen nötig
- z. T. hohe Investitionskosten in Stauanlagen
- Beeinträch-
tigung durch Wind
- umfangreiche technische Ausrüstung und Erfahrung nötig
- hoher Energieverbrauch
- teuer
- hohe Sauberkeit des Wassers (Verstopfungsgefahr) nötig
- technisches
Verständnis
- Behinderung bei Bearbeitung durch oberirdische Leitungen
Anwendung - bei ebenem bis mäßigem Relief
- stationär
- bei ebenem und steilem Relief
- stationär und halb-
stationär
- mehr oder weniger ebene Flächen
- Subtropen und Tropen, Flusstaloasen
- in Gebieten, die für Grundwasser-
anstauungen geeignet sind



Ökologische Folgen der Bewässerung

Ein Leitspruch der Bewässerungslandwirtschaft, der zumindest für aride Gebiete gilt, lautet: "Keine Bewässerung ohne Entwässerung". Sowohl das überschüssige als auch das zur Salzauswaschung verwendete Wasser muss abgeführt werden. Hauptprobleme der Feldbewässerung sind nämlich die Versalzung und die Vernässung der Böden. Besonders problematisch ist die zunehmende Versalzung des Bodens durch den Salzgehalt im herangeführten Wasser. Aufgrund der starken Verdunstung in ariden Klimaten bleiben die Salze im Boden und deren Konzentration nimmt ständig zu. Der Prozess der Versalzung wird zudem durch die bereits im Boden enthaltenen Salze verstärkt. Steigt der Grundwasserspiegel durch das Eindringen großer Wassermengen an, so kann der Boden außerdem vernässen. Die angebauten Kulturpflanzen können jedoch in einem solchen wassergesättigten Boden nicht gedeihen. Außerdem werden durch die kapillaren Aufwärtsbewegungen Salze von tieferen Bodenschichten gelöst und an der Bodenoberfläche konzentriert. Durch entwässernde Auswaschungen kann die Versalzung zwar gemildert werden, aber viele landwirtschaftliche Flächen sind bereits durch die Versalzung unwiderruflich verloren gegangen. Weitere Probleme entstehen durch die Kanäle und riesigen Stauungsflächen. Dadurch geht ein großer Anteil des sowieso nicht üppigen Wasservorrates durch Verdunstung oder Versickerung verlustig. Bei der Entnahme von Grundwasser besteht die Gefahr, dass der Grundwasserspiegel absinkt. Dadurch können nicht nur die lebensnotwendigen Trinkwasserbrunnen versiegen, es kann auch zur Verkümmerung der natürlichen Fauna und Flora führen.


Soziale und wirtschaftliche Auswirkungen

Die Landwirtschaft hat sich zum größten Wasserverbraucher der Erde entwickelt. Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 70 % des Süßwassers weltweit durch die Landwirtschaft verbraucht wird. Rund 20 % benötigt die Industrie und die restlichen 10 % entfallen auf die privaten Haushalte. In trockeneren Regionen von Asien und Afrika beansprucht die Landwirtschaft sogar 85 % des Frischwassers. Dem gegenüber steht Europa, wo ca. 35 % für die Landwirtschaft verbraucht wird. Besonders in den wasserarmen Gebieten sind die sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Bewässerungslandwirtschaft offensichtlich. Die dringend benötigten Wassermengen können meist nur durch aufwendige Großbauprojekte (wie Staudämme und Kanalanlagen) gewonnen werden. Deswegen wird ein Großteil der angebauten Nahrungsmittel für den Export verwendet, um entsprechende Einnahmen und Devisen für die armen Länder zu erzielen. Solche für den Export bestimmte Erzeugnisse werden auch als cash crops bezeichnet. Agrarprodukte für die Selbstversorgung und Ernährungssicherung der eigenen Bevölkerung werden oftmals nicht durch Bewässerungslandwirtschaft erzeugt. Durch die großen Wasserableitungen anderer Verbraucher können im eigenen Land oder auch anderen Staaten Krisen und militärische Konflikte verursacht werden. Durch den Bau von Großwasserprojekten werden oft die Lebensräume der ansässigen Bevölkerung zerstört. So zerschneiden die wasserwirtschaftlichen Anlagen traditionelle Weidenflächen für nomadisierende Hirtenvölker und der Zugang zu Viehtränken wird unmöglich gemacht. Die Bewässerungslandwirtschaft wird häufig durch staatliche oder privatwirtschaftliche Monopole betrieben, wobei Kleinbauern das Nachsehen haben.


Alternativen zur Bewässerungslandwirtschaft

Die Zukunft der herkömmlichen Bewässerungslandwirtschaft muss angesichts der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen neu überdacht werden. In den Trockengebieten der Erde werden Klimaveränderungen die Situation des Wassermangels womöglich noch verschärfen. Deswegen ist ein nachhaltiger Umgang mit der Ressource Wasser durch neue Bewässerungsmethoden und wassersparende Verfahren wichtig. Das Wasser muss auf wenige, aber effizientere Standorte konzentriert werden. Bei den sog. Augenbrauenterrassen werden in 2 - 3 m großen Mulden Kulturpflanzen angebaut und das Wasser konzentriert. Dagegen wird an sehr trockenen Standorten das Wasser über große Flächen auf einen Punkt oder Streifen fokussiert.


Literatur

ACHTNICH, W. & H. LÜKEN (1986): Bewässerungslandbau in den Tropen und Subtropen.- In: REHM, S. (Hrsg.): Grundlagen des Pflanzenbaus in den Tropen und Subtropen.- Stuttgart.
HORN-VAN NISPEN, M.-L. (1999): 400 000 Jahre Technikgeschichte: von der Steinzeit bis zum Informationszeitalter.- Darmstadt.
STRAHLER, A. & A. STRAHLER (2002): Physische Geographie.- Stuttgart.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Mirko Ellrich
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004/2009
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 20.05.2009
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