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Infoblatt Marseille


Die französische Metropole im Überblick

Marseille (Google Maps)

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Die südfranzösische Hafenstadt Marseille hat rund 850.000 Einwohner, der gesamte Ballungsraum 1,4 Millionen. In der Bouillabaisse, der traditionellen Fischsuppe Marseilles, köcheln vielfältige Zutaten zu einer einzigartigen Köstlichkeit. Deshalb wird sie daher gerne als Symbol für die Bevölkerung von Marseille herangezogen.
Zwar gibt es in der Stadt nur einen Ausländeranteil von 10 %, aber 90 % der Bewohner kommen aus Familien, die nicht aus Frankreich stammen. Vor 1960 waren 40 % der Bevölkerung italienischer Abstammung, dazu kamen zahlreiche Einwanderer aus aller Herren Länder. Nach 1960 kamen infolge der Auflösung des französischen Kolonialreiches zahllose Flüchtlinge aus Nordafrika (besonders aus Algerien) und aus Schwarzafrika. Ihre Integration gelang in Marseille insgesamt besser als in anderen Großstädten Frankreichs. Arbeit, soziale Aufstiegschancen und aktive Teilnahme am politischen Leben führten zu weniger starken ethnischen Konflikten wie z. B. in Paris.
Über 200.000 Muslime leben heute friedlich in Marseille. In einigen Stadtvierteln prägen Algerier das Leben. Ihr geistiger Anführer, Soheib Bensheikh, der Großmufti von Frankreich, ist ein islamischer Reformtheologe, der energisch einen modernen liberalen Islam vertritt, ein Gegenmodell zum Fundamentalismus.

Marseille ist die älteste Stadt in Frankreich. Sie wurde um 600 v. Chr. als griechische Kolonie an der Rhonemündung gegründet. Weil es immer wieder Konflikte mit keltischen Stämmen aus dem Hinterland gab, bat das bedeutende Handelszentrum 125 v. Chr. die Römer um Hilfe. Das hatte nicht den gewünschten Erfolg, denn die Römer nutzten die Gelegenheit und eroberten kurzerhand selbst die Stadt.
481 n. Chr. fiel die Stadt an die Goten, 50 Jahre später an die Franken. Ab 879 gehörte Marseille zum Herzogtum Burgund, das 600 Jahre später an Frankreich fiel. Bemerkenswert ist, dass 1792 Soldaten aus Marseille bei ihrem Einzug in Paris ein Lied, die Marseillaise, sangen, das dann zur französischen Nationalhymne wurde.

Die Innenstadt von Marseille ist geprägt von nüchternen Sachbauten und Wohnblocks aus den 1950er-Jahren. Eine historische Altstadt gibt es leider nicht mehr. Da während des 2. Weltkrieges viele Menschen aus Deutschland und Osteuropa nach Marseille flüchteten, marschierten 1942 deutsche Truppen ein und besetzten die Stadt. Um den Widerstand der Bevölkerung zu brechen, sperrten sie 1943 rund 20.000 Einwohnern in ein Gefangenenlager und sprengten einen großen Teil der Altstadt.
Heute ist Marseille eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Frankreichs. Marseilles Hafen, der Europort, ist der größte Hafen Frankreichs. Von hier aus starten die Schiffe nach Asien und Nordafrika. Hier kommt auch das Erdöl für die großen Raffinerien an der Rhone an, daher haben sich zahlreiche Unternehmen aus der Chemieindustrie angesiedelt. In der Nähe des Hafens wurde das Stahlwerk von Fos gebaut. Schiffsbau und Maschinenbau haben in der Stadt ebenso Tradition wie Elektroindustrie und Flugzeugbau. Ein weiterer bedeutender Wirtschaftsfaktor ist die Nahrungsmittelindustrie. So produziert beispielsweise die deutsche Firma Haribo seit 1967 für den südeuropäischen Markt in Marseille. Die Güter werden per Lkw und Bahn weitertransportiert. Seit 2001 ist Marseille an das Hochgeschwindigkeitsbahnnetz angeschlossen. Der TGV verbindet die Stadt mit dem 800 km entfernten Paris und benötigt für die Strecke nur 3 Stunden.


Quelle: Geographie Infothek
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 22.04.2010
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