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Usbekistan - Transformationsprozesse einer zentralasiatischen Republik in der Nachfolge der Sowjetunion


Usbekistan, Zentralasien, Sowjetunion, Wirtschaft, Politik, Baumwolle

Usbekistan in Zahlen und Fakten (2000)
Fläche: 447.400 km²
Bevölkerung: 24,65 Mio.
Hauptstadt: Taschkent, 2,2 Mio. Einw. (zweitgrößte Stadt: Namangan, 370.500 Einw.)
Städt. Bev.: 37%
BIP/Kopf: 360 US-$
Analphabeten: m 7%, w 17%
Religion: 90% Muslime
Staatsform: Präsidialrepublik


Usbekistan, das im Übergangsbereich zwischen Europa und Asien liegt und mit dem die Staaten mit islamischer Tradition nach Osten hin beginnen, ist von der Fläche her der zweitgrößte Staat Zentralasiens, von der Bevölkerungszahl her der größte. Neben der unbewältigten ökologischen Problematik der Verlandung des Aralsees und den Folgen eines lang andauernden Bewässerungsfeldbaus (vor allem Baumwolle) steht das Land - wie auch die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion - in tief greifenden politischen und vor allem wirtschaftlichen Transformationsprozessen, besonders im sekundären Sektor.

Zur politischen Situation
Usbekistan hat noch einen weiten Weg zur Demokratisierung zurück zu legen. Bereits seit 1991 wird das Land autokratisch von Präsident Islam Karimov geführt, der keine Opposition zulässt. Er hat sich erst 2002 vom Volk bestätigen lassen; Parlamentswahlen soll es 2004 geben, Präsidentschaftswahlen erst 2007. Als Rechtfertigung für sein hartes Vorgehen gegenüber Oppositionellen und Islamisten dient vor allem die Bekämpfung der Letzteren, die in der Tat einen islamischen Gottesstaat anstreben. Es handelt sich bei den Fundamentalisten um die IMU, die islamische Bewegung Usbekistans, die sich seit kurzem die Islamische Partei Turkestans nennt und der u.a. Verbindungen zum Terrornetzwerk Osama bin Ladens nachgesagt werden. Die Bürgerrechte sind - nach westlichen Vorstellungen - in Usbekistan stark eingeschränkt: Oppositionsparteien sind verboten, Pressefreiheit gibt es so nicht, Polizei und Justiz werden Willkür vorgeworfen. Insgesamt ist zu sagen, dass die politische Situation gerade im Hinblick auf die westlichen Länder auch ein starkes Investitionshemmnis darstellt. Das hat sich allerdings in den letzten zwei Jahren dadurch etwas verändert, dass Usbekistan dem Abkommen zur Zusammenarbeit bei der Terrorismusbekämpfung beigetreten ist und das Land sich so stark den USA geöffnet hat, die alleine im Jahr 2002 rund 260 Mio. US-$ an Nutzungsgebühren (z.B. für militärische Einrichtungen) und an Finanzhilfe ins Land fließen ließen.

Zur wirtschaftlichen Situation
Das Land ist, auch aufgrund seiner Historie, immer noch in erster Linie ein Agrarstaat, was sich neben der Produktion von Reis und Getreide vor allem im Baumwollanbau niederschlägt. Usbekistan ist der fünftgrößte Produzent von Baumwolle in der Welt und belegt bei den Baumwollexporten sogar Platz zwei. Letzteres ist allerdings nur eingeschränkt positiv, weist es doch auf die geringe Weiterverarbeitung des Rohproduktes im eigenen Land hin.
Man bemüht sich allerdings seit der Unabhängigkeit um eine Industrialisierung des Landes, und hier sind Fortschritte bei der Importsubstitution und beim Aufbau Export orientierter Betriebe zu erkennen. Grundlage sind vor allem die umfangreichen Bodenschätze, besonders Erdöl und Erdgas, Braun- und Steinkohle sowie Gold. So ist man bei Energieträgern weitgehend von Importen unabhängig, und in der Förderung von Gold belegt man weltweit Platz acht. Erkauft werden die industriellen Fortschritte allerdings durch eine steigende Auslandsverschuldung, sodass Usbekistan mittlerweile bemüht ist, ausländische Investoren zu gewinnen, die eigenes Kapital mitbringen.
Neben der restriktiven politischen Situation gibt es allerdings noch weitere Hemmnisse für Investoren: Es fehlt noch an Währungsstabilität; die Kaufkraft der Bevölkerung ist gering; inflationsbedingt könnten Löhne und Gehälter steigen, sodass die Gefahr des Arbeitsplatzabbaus besteht, um Kosten zu senken; die Privatisierung ist noch nicht weit genug fort geschritten; dem einheimischen Bankensystem fehlen effektive Strukturen, hier gibt es praktisch noch keine Privatisierung; es mangelt immer noch an einem nennenswerten Klein- und Mittelstand, der der Wirtschaft Impulse geben könnte.
Zur wirtschaftlichen und damit wohl letztlich auch zur politischen Konsolidierung und Entwicklung bedarf es also insgesamt ausländischer Hilfen, seien es Firmeninvestitionen oder Finanzhilfen von z.B. Weltbank oder Internationalem Währungsfond. Beispiele für die Ersteren sind das Engagement von Daimler und Dornier beim Aufbau eines Logistikzentrums in der Hauptstadt Taschkent oder der Aufbau einer Fahrzeugproduktion durch den südkoreanischen Automobilhersteller Daewoo ("UzDaewoo").


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Arno Kreus
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 13.05.2006
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