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Infoblatt Galileo Galilei (1564 - 1642)


Galileo Galilei - eine Kurzbiographie

Galileo Galilei wurde am 15. Februar 1564 in Pisa als Sohn eines verarmten florentinischen Adligen geboren. Auf Wunsch des Vaters begann der heranwachsende junge Mann 1581 in seiner Geburtsstadt ein Medizinstudium. Doch die Medizin konnte den Studiosus kaum fesseln. Viel mehr fühlte er sich zu den Naturwissenschaften und zur Mathematik hingezogen. Um hinter die naturwissenschaftlichen und mathematischen Geheimnisse zu kommen, studierte er ausgiebig die Schriften führender griechischer Philosophen und Wissenschaftler, namentlich die Werke von Aristoteles.

Bald konnte der begabte Student erste Ergebnisse seiner Studien vorlegen. Als 19-jähriger entdeckte und bewies er die Pendelgesetze, mit 22 Jahren konstruierte er eine hydrostatische Waage. Nach vier Jahren beendete er sein Studium, ohne irgendein Abschlusszeugnis zu erhalten. Doch dank seiner guten Beziehungen konnte sich Galilei eine Professur für Mathematik verschaffen, die ihm ein festes jährliches Einkommen garantierte.

Der blutjunge Professor beschäftigte sich in den folgenden Jahren mit sehr unterschiedlichen Aufgaben. Als Mathematiker gelang ihm der Nachweis, dass die Aussage von Aristoteles "Verschiedene Körper fallen verschieden schnell" nicht richtig war. Den Mathematiker interessierten aber auch die Mechanik und die Hydraulik. Seine Kritik an einem neu konstruierten Bagger wurde ihm zum Verhängnis. Galilei musste seine Heimatstadt verlassen. Wahrscheinlich war in Pisa schon länger ein Vorwand gesucht worden, um den jungen Mann loszuwerden. Die Gelehrten der Stadt jedenfalls hatten von den Entdeckungen und Meinungen des 26-jährigen keinerlei Notiz genommen. Sie waren der Auffassung, dass ein solcher Anfänger nicht an den Fundamenten der Wissenschaften zu rütteln habe.

Die Republik Venedig bot dem Vertriebenen eine neue Perspektive, denn in Padua fand Galilei eine Anstellung als Mathematikprofessor. Für den Pisaner ging ein Traum in Erfüllung, gehörte Padua doch zu den ältesten und angesehensten Universitäten Italiens, an der auch der berühmte Kopernikus studiert hatte. Außer mit Vorlesungen verdiente sich Galilei seinen Lebensunterhalt durch eine Vielzahl von Erfindungen. U. a. baute er in einer eigens hergerichteten feinmechanischen Werkstatt das in Holland erfundene Fernrohr nach und verbesserte das Instrument ständig.

Die neue Erfindung machte aus dem bisherigen Mathematiker einen begeisterten Astronomen, der nunmehr unablässig den Sternenhimmel beobachtete. Sehr schnell erkannte Galilei, dass die Milchstraße aus einzelnen Sternen besteht, dass der Mond Berge hat und nicht selbst leuchtet, sondern von der Sonne angeleuchtet wird. Als er auch noch vier Jupitermonde und die Phasen der Venus entdeckt hatte, stand für ihn fest, dass die Kopernikanische Lehre vom heliozentrischen Weltsystem richtig sein musste.

Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er 1597 in der Schrift "Sidereus Nuntius" (Sternenbote), allerdings teilte er lediglich seine Beobachtungen mit, für deren Richtigkeit der exakte mathematische Beweis erst noch erbracht werden musste. Doch allein seine Beobachtungen reichten den Astronomen seiner Zeit aus, um zu erkennen, dass Galilei einen überzeugenden Beweis für die kopernikanische Theorie gefunden hatte.

Jetzt war der Name des Paduaner Professors in aller Munde. Der Großherzog von Florenz, Cosimo de Medici – seit 1605 bereits selbst Schüler von Galilei – berief ihn 1610 als Hofmathematiker in die Metropole am Arno. Aber auch die katholische Kirche wusste nun um die Erkenntnisse und die von ihnen abgeleiteten Grundaussagen Galileis. Ihre Haltung ihm gegenüber wurde immer misstrauischer, so dass der Wissenschaftler 1611 zu einer Reise nach Rom aufbrach, um den Vatikan von der Richtigkeit des heliozentrischen Weltbildes zu überzeugen. Dieses Vorhaben aber war zum Scheitern verurteilt.

Das Misstrauen seitens der Kirche schlug schließlich in offene Feindschaft um, als Galilei 1613 – nach der Entdeckung der Sonnenflecken und der Sonnenrotation – das heliozentrische Weltbild wiederum verteidigte und eine Neuinterpretation der Bibel forderte. Für den Klerus war 1616 das Maß endgültig voll: Nach jahrelangen heftigen Auseinandersetzungen mit dem "Uneinsichtigen" wurde Galileis Lehre verboten.

Der Gelehrte wusste, dass jetzt sein Leben in Gefahr war, denn die katholische Kirche pflegte mit "Ketzern" kurzen Prozess auf dem Scheiterhaufen zu machen. Galilei verhielt sich still, doch von seinen Ansichten war und blieb er überzeugt. Eine neue Chance für die Vernunft schien ihm 1623 mit der Wahl des neuen Papstes Urban VIII. gekommen. Ihm widmete Galilei die Schrift "Il Saggiatore" (Prüfer mit der Goldwaage). Der neue Papst empfing den Gelehrten und erlaubte ihm auch, seine Gedanken über das heliozentrische Weltbild öffentlich zu äußern. Seine Bedingung lautete: Alles dazu musste in Hypothesenform erscheinen. So konnte Galilei einige Jahre in Ruhe weiter arbeiten.

1632 war es mit jeglicher Ruhe vorbei. Galilei hatte einen Dialog verfasst und veröffentlicht, in dem Vertreter beider Weltbilder miteinander disputierten, am Ende aber gewannen die Befürworter des kopernikanischen Weltbildes. Das verstand der katholische Klerus als direkten Angriff auf seine gegenteilige Position. Nicht nur der Dialog wurde sofort verboten, sondern auch alle Werke Galileis, die in irgendeiner Weise mit seiner Auffassung vom heliozentrischen Weltbild zusammenhingen.

Es folgte Galileis Verhaftung. Nun war er öffentlich als Ketzer angeklagt, dem der Scheiterhaufen drohte. Am Ende des Prozesses widerrief Galilei seine Lehre vom Heliozentrismus. Dagegen sind die berühmten Worte "Und sie bewegt sich doch", die er am Ende seines Widerrufs gesprochen haben soll, nirgendwo verbürgt.

Das Urteil lautete auf unbefristete Haft, allerdings in seinem Landhaus bei Florenz. Galilei nutzte den Zwangsaufenthalt zu weiteren wissenschaftlichen Arbeiten. Mit den "Discorsi e dimonstrationi matematiche" (Diskurse über die Mechanik und die Fallgesetze) legte er sein letztes, in der Physik epochemachendes Werk vor. Vorsichtig geworden, ließ er das Buch sofort außer Landes bringen.

Ab 1638 konnte der Gelehrte faktisch nicht mehr arbeiten, denn er war auf beiden Augen erblindet. Galilei starb am 8. Januar 1642 in seinem Landhaus in Arcetri. Mit seinem Namen ist bis heute die Erkenntnis verbunden, dass sich wissenschaftliche Wahrheit auf Dauer nicht verleugnen lässt.


Sein Leben in Zahlen und Fakten

  • 1564
    Der am 15. Februar 1564 in Pisa geborene Galileo Galilei stammte aus einer Florentiner Patrizierfamilie. Seine naturwissenschaftliche Begabung hatte der Junge offenbar vom Vater, dem Tuchhändler Vincenzo, geerbt, der sich in Mathematik und Physik gut ausgekannt haben soll.
  • 1580 bis 1588
    Nach seiner Erziehung als Novize in einem Kloster begann der 16-jährige in Pisa ein Studium der Medizin, wechselte aber sehr bald zu den Naturwissenschaften. Ab 1584 studierte Galilei in Florenz Mathematik, Mechanik und Hydraulik. 1585/86 veröffentlichte er erste Ergebnisse seiner Untersuchungen über feste Körper und konstruierte eine hydrostatischen Waage zur Bestimmung des spezifischen Gewichts chemischer Elemente.
  • 1589 bis 1592
    Der junge Wissenschaftler erhielt eine Stelle als Lektor für Mathematik an der Universität Pisa. Sein Gehalt besserte er mit dem Bau und Verkauf von Instrumenten auf. Wissenschaftlich untersuchte er die Pendelbewegung und die Fallgesetze.
  • 1592 bis 1610
    Als Professor für Mathematik in Padua, das zur reichen und liberalen Republik Venedig gehörte, hielt Galilei Vorlesungen, gab Privatunterricht und konstruierte oder baute Instrumente nach, die dann verkauft wurden. Durch den Nachbau des in Holland entwickelten Teleskops (1609) hielt Galilei plötzlich ein Fernrohr in der Hand. Dieses Instrument veränderte sein ganzes wissenschaftliches Leben. Bald konnte er die notwendigen Linsen selbst schleifen und so im Laufe der Zeit Fernrohre mit immer stärkerer Vergrößerung herstellen. Mit den selbstgebauten Geräten beobachtete er unentwegt die Sterne und erforschte die Planeten des Sonnensystems. 1610 gelangen dem Astronomen die ersten großen Entdeckungen: Er sah als Erster vier Monde des Jupiter, erkannte, dass die Milchstraße aus einzelnen Sternen besteht und der Mond keine glatte, sondern eine wellige Oberfläche hat.
  • 1610 bis 1616
    Mit der Ernennung zum Hofmathematiker und zum Mathematikprofessor in Pisa durch Cosimo II, Großherzog der Toskana, konnte sich Galilei nun ganz der Forschung widmen. 1611 wurde er in Rom für seine wissenschaftlichen Leistungen zum Mitglied der Accademia die Lincei ernannt. 1613 entdeckte er die Sonnenflecken und ein Jahr später gelang es ihm, das Gewicht der Luft zu bestimmen (ein 660stel des Wassergewichts). Aus seinen astronomischen und mathematischen Erkenntnissen heraus zweifelte Galilei immer mehr am geozentrischen Weltbild seiner Zeit. In dieser Frage geriet er erstmals 1616 in Widerspruch zur katholischen Kirche und ihren Dogmen.
  • 1623 bis 1633
    Als Kardinal Barberini, ein Freund und Gönner von Galileis, zum Papst Urban VIII. gewählt wurde, schien ein Ausgleich zwischen dem Gelehrten und der Kirche möglich. Galilei widmete dem Papst eine Schrift über Kometen und über methodologische Fragen. 1630 hatte er sein Buch über das Ptolemäische und das Kopernikanische Weltsystem mit Erklärungen des Relativitätsprinzips und der Methoden zur Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit fertiggestellt, das 1632 erschien. Das Buch stieß beim Papst auf völlige Ablehnung. Er verbot die Verbreitung des Werkes und bestellte Galilei nach Rom. Anfang April 1633 wurde er offiziell vernommen und bekannte, sich geirrt zu haben. Doch das reichte der Kirche nicht mehr aus. Mitte Mai zeigte man Galilei im Heiligen Uffizium die Folterinstrumente. Im anschließenden Schauprozess schwor der Gelehrte seiner Lehre ab und verfluchte sie. Seine Strafe war lebenslanger Hausarrest.
  • 1634 bis 1642
    Seinen Hausarrest nutzte Galilei zu weiterer intensiver wissenschaftlicher Arbeit. Doch gesundheitlich verfiel der geniale Wissenschaftler zusehends. 1638 war er auf beiden Augen völlig blind. Als Galilei am 8. Januar 1642 starb, hatte sich das Leben eines der größten Gelehrten der Geschichte vollendet.



Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dr. Klaus-Uwe Koch
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.06.2012
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