Infoblatt Epochen und Kulturen der Steinzeit


Epochen und Kulturen der Steinzeit



Werkzeugfertigung in der Altsteinzeit (Klett)


Epochen der Steinzeit

Die Steinzeit wird in drei große Abschnitte unterteilt: die Altsteinzeit (Paläolithikum, griech. "paläo" = alt und "lithos" = Stein), die Mittelsteinzeit (Mesolithikum, griech. "meso" = mittig) und die Jungsteinzeit (Neolithikum, griech. "neo" = neu). Da die Altsteinzeit einen sehr langen Zeitraum von über 600.000 Jahren umfasst, wird nochmals die frühe, mittlere und jüngere Altsteinzeit unterschieden.



Epochen der Steinzeit

Archäologen ordnen die Funde aus den einzelnen Epochen verschiedenen Kulturen zu. Sie lassen sich an den jeweils benutzten Werkzeugen unterscheiden und markieren gleichzeitig wesentliche Entwicklungsstufen der Menschheitsgeschichte.


Altpaläolithikum

In Ostafrika haben Archäologen die ältesten Steinwerkzeuge der Welt gefunden, zusammen mit den Überresten früher Menschen. Typische Funde sind Geröllsteine, die die frühen Menschen so bearbeitet haben, dass eine scharfe Kante entstand. Außerdem wurden viele zertrümmerte Steine gefunden, von denen flache Stücke abgeschlagen wurden, um deren scharfe Kanten als Schneidwerkzeug zu nutzen. Mit den scharfen Steinkanten konnten die Ur- und Frühmenschen erlegte Wildtiere zerlegen und Tierhäute zerschneiden. In Afrika stammen die ältesten Funde von Schlag- und Schneidgeräten aus Äthiopien (2,5 Millionen Jahre), in Eurasien aus Georgien (1,5 Millionen Jahre).

In dem Zeitraum vor 1,5 Millionen bis 100.000 Jahren entwickelten die frühen Menschen in Afrika und Europa ihre bis dahin recht einfachen Geröll- und Abschlaggeräte entscheidend weiter. Sie stellten nun fein gearbeitete Faustkeile her. Dazu wurde ein Stein an einem Ende abgerundet, sodass ein handlicher Griff entstand. Das gegenüberliegende Ende wurde zu einer Spitze mit scharfen Kanten geschlagen. Mit diesem Universalgerät konnte man schneiden, schlagen oder etwas aufbrechen. Faustkeile wurden nicht mehr nur aus Geröllsteinen, sondern auch aus Feuerstein geschlagen. Am Ende dieser Epoche stellten die Frühmenschen erstmals Geräte und Jagdwaffen aus organischen Rohstoffen her. Gefunden wurden Werkzeuge aus Knochen und Holz. Zu den sensationellsten Funden der letzten Jahre gehören Jagdspeere aus Fichtenholz, die Archäologen in Schöningen (Niedersachsen) ausgegraben haben. Die Holzspeere sind etwa 400.000 Jahre alt.


Mittelpaläolithikum

Die mittlere Altsteinzeit (vor 200.000 - 40.000 Jahren) war geprägt durch die Verfeinerung der Werkzeugherstellung. Dazu präparierten die Menschen den Kern eines Steines so, dass sie große und dünne Einzelsteine abschlagen konnten. Daraus ließen sich viel feinere Werkzeuge herstellen als früher. In Afrika hat man breite, gut gearbeitete Klingen gefunden, aber auch flache, blattförmige Steinteile, die als Messer und Waffenspitzen in Lanzen und Speeren dienten.
In Europa und Asien ist das Mittelpaläolithikum die Zeit des Neandertalers. Er stimmte seine Werkzeuge schon sehr auf ihre Funktion ab. So lässt sich über die Jahrtausende hinweg beobachten, dass die Faustkeile langsam abgelöst wurden. Zum Schneiden, Sägen und Jagen benutzten die Menschen immer öfter eigens dafür hergestellte Geräte wie Messer, Klingen und Geschossspitzen.


Jungpaläolithikum

Mit Beginn der jüngeren Altsteinzeit (vor 40.000 - 10.000 Jahren) ist der Neandertaler ausgestorben und der moderne Homo sapiens sapiens besiedelt die Erde. Er spezialisierte die Herstellung von Geräten weiter. Zunehmend stellten die Menschen Geschossspitzen, Klingen und Sticheln auch aus Knochen, Geweihen oder Elfenbein her. Diese Materialien waren leichter zu verarbeiten als Stein und erlaubten daher eine Verfeinerung der Geräte. So wurden auch Hacken, Grabschaufeln und sogar Nähnadeln und eine Pfeife aus Knochen gefunden - geraucht wurde also auch schon in der Altsteinzeit. Der Qualitätssprung galt auch für die Kultur, denn erstmals stellten die Menschen nicht mehr nur Geräte her, die ihr Überleben sicherten. Sie fertigten auch Kunst- und Schmuckgegenstände an. So fand man naturgetreue Tierfiguren von Beutetieren wie Mammut, Bison, Bär und Pferd, aber auch von Raubtieren wie Löwe, Leopard und Bär. Doch die Menschen stellten nicht nur Tiere aus ihrem Alltagsleben dar, sondern formten auch Tier-Mensch-Figuren oder abstrakte Darstellungen von Menschen. Die wohl berühmteste Kunstform der Altsteinzeit sind die Höhlenmalereien im französischen Lascaux oder im spanischen Altamira. Wegen all dieser Leistungen gilt das Jungpaläolithikum als Höhepunkt der Altsteinzeit.


Mesolithikum

Das Ende der Eiszeit in Europa und der gewaltige Temperaturanstieg zwang die Menschen der Mittelsteinzeit, ihre Jagdmethoden zu ändern. Kälte liebende Tiere wie Rentiere, Mammuts oder Wildpferde hatten sich zurückgezogen oder waren ausgestorben. Es gab keine riesigen Herden mehr, die sich leicht jagen ließen. Jetzt waren die Menschen stärker auf Kleintiere und vor allem auf pflanzliche Nahrung angewiesen. Mit den veränderten Jagdmethoden wurden auch neue Waffen nötig: Aus Holz oder Geweihen schnitzten die Jäger Pfeile und Bogen, mit denen sie auch aus größeren Entfernungen einzelne Beutetiere wie Hirsche, Wildschweine und Rehe, aber auch Vögel und Enten erlegen konnten. Die Pfeilspitzen wurden oft aus mehreren Feuersteinabschlägen zusammengesetzt, die je nach Jagdtier unterschiedlich geformt waren. Reste von Netzen, Reusen und Angelruten zeigen, dass außerdem Fische gefangen wurden. Insgesamt sind Funde aus der Mittelsteinzeit deutlich seltener als aus der vorangegangenen Altsteinzeit, denn die Menschen benutzten für Geräte, Werkzeuge, Waffen und Schmuck zunehmend leichter zersetzliche Materialien, die die Jahrtausende oft nicht überstanden haben.


Neolithikum

Zu den ältesten bäuerlichen Kulturen der Jungsteinzeit in Mitteleuropa gehört die bandkeramische Kultur. Sie hat ihren Namen von den Mustern, die die gefundenen Keramikgefäße dieser Zeit verzieren. Die Bauern ritzten oder stachen Schmuckbänder in ihre Tongefäße, an denen Archäologen heute verschiedene Stile und Regionen unterscheiden können.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Elke Fleiter
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 25.05.2012