TERRA-Online / Gymnasium


Infoblatt Agrarwirtschaft


Entwicklung und Strukturwandel der Landwirtschaft



Farm in den USA (Hahn)


Definition "Agrarwirtschaft"

In der Landwirtschaft erzeugen Landwirtinnen und Landwirte pflanzliche und tierische Produkte, indem sie planmäßig Boden bewirtschaften und Vieh halten. Ziel der Landwirtschaft (synonym: Agrarwirtschaft) ist die Bedarfsdeckung der Menschen an Agrarprodukten. Die Landwirtschaft unterteilt sich in die Bereiche Pflanzenbau und Tierhaltung. Der Pflanzenbau umfasst vor allem den systematischen Anbau von Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben (Ackerbau), Gemüse, Zierpflanzen und Bäumen (Gartenbau) sowie Obst und Wein (Dauerkulturbau) zum Zweck der Nahrungsmittel- und Rohstofflieferung. Unter Tierhaltung versteht man vor allem die komplexe Nutzung von Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen, Pferden sowie Geflügel. Ferner zählen zur Landwirtschaft landwirtschaftliche und gärtnerische Dienstleistungen sowie die gewerbliche Jagd. Gemeinsam mit Forstwirtschaft, Fischerei und Fischzucht sowie Bergbau bildet die Landwirtschaft den primären Sektor.


Geschichtliche Entwicklung der Landwirtschaft

Mit der Kultivierung von Pflanzen und der Haltung von Nutztieren nimmt die Geschichte der Landwirtschaft ihren Lauf. Die bis dahin nomadisch lebenden Jäger und Sammler der Jungsteinzeit (Neolithikum) schufen sich durch erste Fortschritte in Ackerbau und Viehzucht die Voraussetzung für das Sesshaftwerden. Die Anfänge der Landwirtschaft bezeichnet man deshalb als erste agrarische oder neolithische Revolution.
Vor wie vielen Jahren setzte aber die landwirtschaftliche Entwicklung ein? Das ist abhängig vom jeweiligen regionalen Entstehungszentrum. In Asien fand die Domestikation von Pflanzen und Tieren bereits vor etwa 11.500 Jahren statt. Es wurden dort nicht nur tropische Pflanzen wie z. B. Yam, Taro und Bananenstauden kultiviert, sondern auch schon Reis angebaut. Vor etwa 10.000 Jahren setzte sich die Landwirtschaft ebenso in anderen Regionen der Erde durch. In Afrika wurde Hirse und in Amerika Maniok, Kartoffeln und Mais gezüchtet. Entlang der Flusstäler von Euphrat und Tigris pflanzte man bereits Getreide wie z. B. Weizen und Gerste sowie Hülsenfrüchte an. Mit der Erfindung des Pfluges entwickelte sich schließlich der Nahe Osten zum Zentrum des Ackerbaus. In Europa wurde vor allem durch die Rodung von Wäldern nutzbares Ackerland geschaffen. Mit der europäischen Kolonisation im 15. Jahrhundert kam es zu einer weltweiten Verbreitung von Kulturpflanzen und Nutztieren. Beispielweise brachten die europäischen Eroberer den Weinbau auch in Gebiete der Erde, in denen bis dahin kein Weinbau betrieben wurde. Gleichzeitig gelangten viele tropische Nutzpflanzen wie z. B. Tee oder Ananas mit den Handelsflotten nach Europa.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gestaltete sich die Landwirtschaft zunehmend um. Neue und innovative landwirtschaftliche Geräte wie z. B. die Sähmaschine aber auch verbesserte Möglichkeiten der Saatgut- und Viehzüchtung führten zu einer deutlichen Ertragssteigerung. Außerdem konnte die Nahrungsversorgung durch den Anbau neuer Nutzpflanzen, wie z. B. der Kartoffel, sowohl quantitativ als auch qualitativ wesentlich verbessert werden. Damit befand sich die Landwirtschaft zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf einem deutlich höheren Niveau als noch Jahrhunderte zuvor. Den Wendepunkt von der mittelalterlichen Agrarproduktion zur neuen Produktionsweise bezeichnet man deshalb als zweite agrarische Revolution. Ab 1700 herrschte der kleinbäuerliche Familienbetrieb vor, der sowohl Ackerbau als auch Viehhaltung betrieb. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde die Herstellung von Düngemitteln und die Entwicklung neuer Produktionstechniken weiter vorangetrieben. Die Erträge der Landwirtschaft konnten daher zusätzlich gesteigert werden. Neue Möglichkeiten der Pflanzen- und Tierzüchtung führten schließlich zu einer Intensivierung der Landwirtschaft. Die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts war vor allem auf den steigenden Einsatz von Maschinen zurückzuführen. Dadurch waren in der landwirtschaftlichen Produktion hoch industrialisierter Staaten allerdings immer weniger Arbeitskräfte nötig. Außerdem entstanden immer größere Produktionsbetriebe, die nach rationellen Kriterien ihre Produktionsweise optimierten. Die Industrialisierung der Landwirtschaft markiert somit den dritten Wendepunkt in der geschichtlichen Entwicklung, man spricht nun von der dritten agrarischen Revolution. In den letzten Jahrzehnten führten die Biotechnologie und vor allem die Gentechnik zu wesentlichen Neuerungen in der Pflanzen- und Tierzüchtung. Künftig können dadurch in der landwirtschaftlichen Produktion möglicherweise noch höhere Erträge erzielt werden.


Strukturwandel in der Landwirtschaft

Der zunehmende Einsatz von Maschinen und die damit einhergehende Rationalisierung betrieblicher Prozesse führten im 20. Jahrhundert zu einem grundlegenden Strukturwandel in der Landwirtschaft. Im Zuge der Technisierung der Landwirtschaft konnte mit immer weniger Arbeitseinsatz deutlich mehr Ertrag produziert werden. In den hoch industrialisierten Staaten gingen diese neuen Entwicklungen mit einem drastischen Bedeutungsverlust der Landwirtschaft einher. Die strukturellen Veränderungen machten sich vor allem durch den Wandel der Anzahl und Aufgaben der Landwirtschaftsbetriebe sowie durch die Umgestaltung der Arbeitskräftestruktur bemerkbar. Viele Menschen verloren deshalb in den letzten Jahrzehnten ihre Arbeitsplätze in der Landwirtschaft. Der steigende Technikeinsatz führte aber nicht nur zu einem Bedeutungsrückgang der Landwirtschaft als Beschäftigungsmotor. Gleichzeitig verlor in den Industriestaaten die einstige Hauptaufgabe der Landwirtschaft, nämlich die Sicherung der Nahrungsversorgung, zunehmend an Bedeutung. Mittels neuer Techniken in der Lebensmittelindustrie konnten Nahrungsmittel nun auch künstlich hergestellt werden.
Dennoch wird die Landwirtschaft in der heutigen Zeit mit zahlreichen zusätzlichen Aufgaben vertraut. Im Zuge des Rückgangs traditioneller Rohstoffe wie Kohle und Erdöl hat die Produktion nachwachsender Rohstoffe durch Landwirtschaftsbetriebe an Bedeutung zugenommen. Außerdem erhalten und pflegen die Landwirtinnen und Landwirte die agrarisch genutzten Flächen, so dass sie damit einen Beitrag zur Stärkung des ländlichen Raumes und Pflege der gewachsenen Kulturlandschaften leisten. Obwohl in den hoch industrialisierten Staaten der Einfluss der Landwirtschaft in Wirtschaft und Politik stark nachgelassen hat, spielt die landwirtschaftliche Produktion weltweit noch immer die entscheidende Rolle. Viele Menschen sind auch weiterhin in der Landwirtschaft tätig und als Einkommensquelle von ihr abhängig.


Globale Situation der Agrarwirtschaft

Global kommen theoretisch ca. 20 Prozent der Erdoberfläche für eine agrarwirtschaftliche bzw. landwirtschaftliche Nutzung in Frage. Waldgebiete erstrecken sich über neun Prozent der Erde und weitere acht Prozent werden von Weideflächen und von Wiesen bedeckt. Die restlichen drei Prozent der gesamten Erdoberfläche werden für Dauerkulturen genutzt und stehen als Ackerland zur Verfügung.
Ende 2010 wurden rund 1,6 Milliarden Hektar als Ackerland genutzt. In den kommenden 40 Jahren wird hier eine geringfügige Steigerung der Agrarfläche auf etwa 1,65 bis 1,7 Milliarden Hektarerwartet. Während es in den Industrieländern zu einer geringfügigen Abnahme der Agrarfläche kommen wird, wird es in den weniger industrialisierten Gebieten der Erde zu einer geringfügigen Ausbreitung der Agrarfläche kommen. Dennoch darf in diesem Zusammenhang nicht übersehen werden, dass gleichzeitig Jahr für Jahr rund sieben Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche unbrauchbar werden. Allzu intensive Bewirtschaftung, die Übersalzung des Bodens und Erosion sind die Hauptgründe für den Verlust von Ackerland. Während also einerseits der Verlust von landwirtschaftlichen Nutzflächen feststellbar ist, findet andererseits gleichzeitig ein anhaltender Anstieg der Weltbevölkerung statt. Prognosen gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung von derzeit rund sieben Milliarden Menschen auf insgesamt über neun Milliarden Menschen bis ins Jahr 2050 ansteigen wird. Diese Entwicklung bringt unter anderem mit sich, dass die Größe der verfügbaren Ackerfläche pro Mensch im Laufe der Jahre immer geringer wird. 1970 standen noch 3.800 Quadratmeter pro Mensch für dessen Ernährung zur Verfügung. Diese Zahl sank bis 2005 bereits auf 2.500 Quadratmeter. Bis ins Jahr 2050 wird sich die verfügbare Agrarfläche für jeden Menschen auf 1.800 Quadratmeter verkleinert haben.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Gaby Mörstedt, Dr. Petra Sauerborn
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.06.2012
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