TERRA-Online (alte Ausgabe)


Infoblatt Das Zeitalter der großen Entdeckungsfahrten


Einführende Informationen zur Erkundung der Welt durch Portugal und Spanien



Entdeckungen bis 1850 (Klett)

Die Suche nach dem Seeweg nach Indien, der den Zugang zu den in Europa sehr wertvollen und begehrten Gewürzen eröffnen sollte, war der Anlass für die Entdeckung, Erschließung und Eroberung fremder Länder.
Zwischen 1450 und 1650 war die große Zeit der Entdeckungsfahrten, die den Beginn der Neuzeit mit kennzeichnete. Die Europäer kannten um 1450 gerade 10 % der Erdoberfläche, 1650 waren es schon 60 %. Afrika, Asien, Australien, Nordamerika und Südamerika sowie die unmittelbaren Verbindungen über die Weltmeere wurden entdeckt. Das Landesinnere Asiens, Süd- und Nordamerikas wie auch Teile Afrikas und der australischen Küste wurden erschlossen.
Die eigentlichen Ziele dieser Entdeckungsfahrten waren wirtschaftlicher Natur. Für die aus den überseeischen Gebieten mitgebrachten Waren konnten in Europa hohe Preise erzielt werden. Dies waren aus Mittel- und Südamerika vor allem Gold und Silber, aus Westafrika Gold, Pfeffer und Elfenbein, aus Südafrika Gold und Elfenbein, aus Indien Edelsteine, Pfeffer und Indigo, aus Südindien Perlen und Zimt, aus China Seide, Porzellan und Lacke sowie aus Indonesien Gewürze. Allerdings wurde die Christianisierung fremder Völker häufig als Zweck der Reisen angegeben und nicht alle Entdecker trieb das Streben nach Reichtum; manche wurden von ihrer Regierung entsandt, suchten Ruhm und Ehre für sich und ihr Land.


Die Entdeckernationen - Portugal und Spanien

Die im Zeitalter der großen Entdeckungsfahrten aktivsten Nationen waren Portugal und Spanien. Englands Aufstieg begann erst im 16. Jahrhundert, und Frankreich, Niederlande und Russland spielten kaum eine Rolle. Begünstigt wurden die Fahrten durch die Entwicklung eines geeigneten Schiffstyps, der Karavelle. Verschiedene Neuerungen in der Navigationstechnik, wie Quadrant und Astrolabium, machten eine Seefahrt über die großen Meere sehr viel sicherer bzw. überhaupt erst möglich.
Wichtig für den Beginn der Entdeckungsfahrten war auch die Tatsache, dass die Rückeroberung und Wiederbesiedlung der durch die Mauren besetzten Landesgebiete weitgehend abgeschlossen war und man sich nun neuen Zielen zuwenden konnte. Für Portugal lagen mit Marokko die Endpunkte der Karawanen, die Gold und Elfenbein aus Afrika nach Europa brachten, in unmittelbarer Reichweite, so dass ein Verlangen, diese für sich zu vereinnahmen, nahe lag. Doch wegen des Mangels an Truppen kam eine Expedition in das Landesinnere von Marokko nicht in Frage, sehr wohl jedoch der Versuch, Marokko über See zu umgehen. Mit Prinz Heinrich, einem Sohn des portugiesischen Königs Johann I., begann dieses Vorhaben. Dieser hatte sich bei der Eroberung des Stützpunktes Ceuta an der marokkanischen Küste (oftmals als Startpunkt des europäischen Expansionszeitalters bezeichnet) hervorgetan und förderte im Anschluss den Ausbau und die Entwicklung der portugiesischen Seefahrt, um die unter maurischer Herrschaft stehenden Gebiete Nordafrikas zu umgehen und eine direkte Verbindung zu den Herkunftsländern der in Europa begehrten Gewürze und des Goldes herzustellen. Dies brachte ihm den Beinamen "der Seefahrer" ein, obwohl er selbst nie an den Erkundungsfahrten entlang der afrikanischen Küste teilgenommen hat. Portugals Ziel war also die Erkundung des Seewegs nach Indien um Afrika herum sowie die Erforschung der südostasiatischen Küsten. Bartolomëu Diaz umschiffte als erster das Kap der Guten Hoffnung (1486 - 1488). Vasco da Gama erreichte zehn Jahre später über den Seeweg Indien. Es folgten mit Sequeira (1509), Serrao (1511), Alvarez (1513) und Mota (1542) weitere Erschließungsfahrten entlang der asiatischen Küste bis Malakka, zu den Molukken nach China (Macao) und Japan. Mit Cabral (1500) gelangten die Portugiesen auch nach Brasilien, wobei seine weitere Expedition ebenfalls nach Indien führte, um die Südspitze Afrikas herum.
Die Interessen Spaniens gingen nach Westen, um dort den Seeweg nach Indien zu finden. Christoph Kolumbus ist es vorbehalten gewesen, 1492 auf Land im Westen zu stoßen und den amerikanischen Kontinent für Europa zu entdecken. Innerhalb weniger Jahre führten ihn drei weitere Reisen erneut in die Karibik und an die mittelamerikanische Küste. Mit Amerigo Vespucci entdeckte ein weiterer Spanier die Küste Südamerikas (1499 - 1501). Im Gegensatz zu den anderen Nationen beschränkten sich die Spanier aber nicht auf die Küsten, sondern sie schickten u. a. mit Cortez (1519) und Pizarro (1531 - 1533) Expeditionen zur Erforschung des Landesinneren aus. Diese entdeckten große Reichtümer, welche rücksichtslos beansprucht wurden. Dementsprechend wurden - im Gegensatz zu anderen entdeckten Gebieten - Stützpunkte, meist Städte, nicht nur an der Küste, sondern auch im Landesinnern angelegt. Schließlich war es der in spanischen Diensten stehende Portugiese Fernando Magellan, der die erste Weltumseglung begann, die nach seinem Tod von einem seiner Offiziere, Elcano, beendet wurde.


Vertrag von Tordesillas

Aus Kolumbus Entdeckung Amerikas ergab sich ein Konflikt zwischen den Weltmächten Spanien und Portugal hinsichtlich ihrer Ansprüche auf neu entdecktes Land. Auf Verlangen der spanischen Regierung erließ Papst Alexander VI. 1493 einen Schiedsspruch, der ein spanisches Erforschungsmonopol im Atlantik westlich einer willkürlich festgelegten Linie festlegte. Portugal erhob Einspruch, was schließlich 1494 zum Vertrag von Tordesillas führte, in dem sich beide einigten, diese Linie weiter nach Westen zu rücken. Man einigte sich auf eine imaginäre 370 leguas (spanische Meile = 5 1/3 km) lange, westlich der Kapverdischen Inseln von Pol zu Pol verlaufende Demarkationslinie. Die Länder westlich dieser neuen Linie, etwa entlang des 46. Grads westlicher Länge, sollten Spanien, die im Osten Portugal zufallen. Aufgrund dieser Einteilung lagen Mittelamerika und fast das gesamte Südamerika im Einflussgebiet Spaniens.


Vertrag von Zaragoza

1529 wurde der Vertrag von Tordesillas durch den Vertrag von Zaragoza revidiert, weil die Portugiesen ihren Einfluss auch auf Südamerika (Brasilien) ausdehnen wollten. Daher wurde die Demarkationslinie weiter westlich gezogen. Ferner ging es um eine ebensolche Regelung der Interessensgebiete im Stillen Ozean. Dabei einigte man sich auf einen entsprechenden Längengrad im Pazifik (etwa bei 135 Grad östlicher Länge), der durch Japan ging.
Auch gab Kaiser Karl V. Spaniens Hoffnungen auf den Gewürzhandel mit Asien auf und trat alle Besitzansprüche auf die Gewürzinseln (Molukken) und die Philippinen gegen eine Entschädigungssumme von 350.000 Golddukaten an die Portugiesen ab. Zehn Jahre später – aufgrund genauerer Messungen – wurde festgestellt, dass die Portugiesen Gebiete gekauft hatten, die gemäß der Demarkationslinie längst in portugiesischem Besitz waren.
Somit wurde Portugal für 36 Jahre Kolonialmacht auf der fernen Inselwelt, ohne daraus jedoch größeren politischen oder wirtschaftlichen Nutzen zu ziehen. Die Spanier respektierten die portugiesische Souveränität über die Molukken, ihr Interesse an den Philippinen aber gaben sie nicht auf. Allem Anschein nach waren sich die Portugiesen der handelsstrategisch außerordentlich günstigen Lage der Philippinen nicht bewusst, denn sie erhoben keine Einsprüche, als die Spanier zwischen 1525 und 1542 vier weitere Expeditionen zu dem fernöstlichen Inselreich entsandten. Erst als 1579 der spanische Herrscher Philipp II. auch König von Portugal wurde, klärte sich die Besitzsituation eindeutig zugunsten der Spanier.


Das Ende der portugiesisch-spanischen Vorherrschaft auf See

Mit Ausklingen des 16. Jahrhundert löste England die bis dahin auf den Weltmeeren dominierenden Portugiesen und vor allem Spanier als wichtigste Seemacht ab. Entscheidend war hierfür der Sieg der Engländer über die spanische Armada 1588. Die Spanier wollten mit der Niederwerfung Englands die Briten für ihre dauernden Überfälle auf See (z. B. von Francis Drake) bestrafen. Doch die Armada wurde durch die wendigeren Schiffe und die beweglichere Taktik der Engländer besiegt sowie durch schwere Stürme vernichtet, wobei Francis Drake als Vizeadmiral der siegreichen Flotte an der Schlacht teilnahm. Nach diesem Sieg konnte England ohne Rücksicht auf spanische Interessen den Aufbau eines sicheren Seewegs nach Indien und Nordamerika vorantreiben.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Dietmar Wagener, Kristian Uhlenbrock, Jürgen Bünstorf
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 09.05.2012
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