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Gletscher des Kibo (Kilimandscharo-Massiv, Tansania)


Kurzcharakteristik und Satellitenkarte

Interaktive Satellitenkarte des Kibo (Google)

Die Gletschergebiete in Afrika beschränken sich auf drei Bereiche im Osten des Kontinents, das Ruwenzori-Gebirge im Grenzland der Demokratischen Republik Kongo und Ugandas, den Gipfel des Mt. Kenia im gleichnamigen Massiv in Zentralkenia sowie den Gipfel und die Hänge des Kibo im Kilimandscharo-Massiv, Tansania. Besonders die Gletscher auf dem Kibo waren und sind Gegenstand intensiver Untersuchungen, anhand derer die aktuelle Entwicklung von Gletschern in den Tropen erforscht wird.
Die Vergletscherung auf dem Kibo setzte vor etwa 11.000 Jahren ein. Die Eismassen, die einstmals den gesamten Gipfel umschlossen, sind jedoch stark von Schmelzprozessen betroffen und verteilen sich heute auf drei Eisfelder und 16 Gletscher. Darunter befinden sich das nördliche Eisfeld mit den Gletschern Little und Great Penck, Drygalski und Credner, das östliche Eisfeld, der Ratzel-Gletscher, das südliche Eisfeld mit den Gletschern Rebmann, Decken, Kersten, Heim und Bailetto sowie die separat liegenden Gletscher Diamond, Furtwängler, Little und Great Barranco, Arrow und Uhlig.
Wann der Rückzug der Gletscher begonnen hat, ist nicht eindeutig geklärt, erste Anzeichen lassen sich auf das Jahr 1912 datieren, doch gehen zahlreiche Wissenschaftler davon aus, dass diese Entwicklung schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzte. Fest steht, dass die Eismassen auf dem Kibo von 1912 bis 2000 um über 81 % zurückgegangen sind. Ein Vergleich der Daten aus den Jahren 1976 und 2000 zeigt, dass die mit Eis bedeckte Fläche von 4,171 km² um gut ein Drittel geschrumpft ist. Allein die Fläche des Furtwängler-Gletscher ging in diesem Zeitraum von 113.000 m² auf 60.000 m² zurück. Das Ende der Vergletscherung auf dem Kibo wird zwischen 2015 und 2020 prognostiziert.
Die Gründe für den Gletscherrückgang sind vielschichtig und werden äußerst konträr diskutiert. Zwar wird in diesem Zusammenhang häufig von Auswirkungen der Klimaerwärmung gesprochen, doch wird ebenfalls die These vertreten, dass vielmehr eine vor etwa 120 Jahren einsetzende Verringerung des Niederschlags und eine erhöhte Sonneneinstrahlung durch eine Abnahme der Bewölkung Ausschlag gebend seien. Die globale Erwärmung spiele in diesem Zusammenhang eine weit weniger wichtige Rolle. Dementsprechend ließe sich die Entwicklung am Kibo auch nicht als symptomatisch für tropische Gletscher darstellen.
Welche Folgen diese Entwicklung haben wird, ist noch nicht abzusehen. Befürchtet werden negative Auswirkungen auf den Tourismus sowie auf die regionale Wasserversorgung, wobei die Rolle, die das Schmelzwasser des Kibo dabei spielt, noch nicht geklärt ist.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007/2011
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.11.2011
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