Haack Weltatlas-Online


Infoblatt Klimawandel


Ist der momentan zu beobachtende Klimawandel Folge einer anthropogenen Verstärkung des Treibhauseffekts? Wie sehen die Folgen eines veränderten globalen Klimas aus und welche Maßnahmen werden ergriffen, diese Folgen abzumildern?



Wolken (Heimo Lamm)

Wenn Aussagen über das Klima bzw. Klimawandel oder globale Erwärmung getroffen werden, ist es wichtig, dass das aktuelle Klima nicht isoliert betrachtet, sondern in einen räumlichen und zeitlichen Kontext gesetzt wird. Die Klimaveränderung wird öffentlich sehr kontrovers diskutiert und steht seit geraumer Zeit im Mittelpunkt politischer Debatten. Die Argumentation erfolgt dabei in verschiedene Richtungen, je nach politischem Ziel oder persönlicher Motivation. Deswegen ist es wichtig, Argumente des Für und Wider anthropogen bedingter Klimaänderungen kritisch zu betrachten. Häufige Fragen, die sich im Zusammenhang mit der Klimaveränderung stellen, sind: "Gab es das jemals schon?", oder "Nehmen die Ereignisse zu?". Diese Fragen lassen sich nur vor dem Hintergrund geschichtlicher Aufzeichnungen beantworten.


Der Klimawandel - natürlicher Prozess oder vom Menschen verursacht?

Da es im Laufe der Erdgeschichte immer auch zu natürlichen Klimaschwankungen mit Wechseln von Kalt- und Warmzeiten mit Temperaturunterschieden von mehreren Grad Celsius kam, fällt die Beurteilung, inwieweit der Mensch den derzeitigen Klimawandel zu verantworten hat, besonders schwer.

Über einen großen Zeitraum gesehen erweist sich das Klima als sehr variabel und veränderlich. Zu allen Zeiten war das Klima der Erde durch große Variationen in Bezug auf Temperatur und Niederschläge geprägt. Dabei können globale Klimaänderungen und regional spezifische Schwankungen nachgewiesen werden. Studiert man die Temperaturentwicklung der letzten Millionen Jahre, so fallen enorme Schwankungen auf. Hierbei wechseln extreme Kaltphasen mit milden bzw. warmen Perioden ab. In den Kaltphasen schoben sich die Gletscher weit vor und bedeckten große Teile der Kontinente auf der Nordhalbkugel. Die letzte dieser Kaltzeiten endete vor ca. 15.000 Jahren, so dass Europa und Nordamerika vor etwa 10.000 Jahren wieder eisfrei waren.

Mit der Betrachtung unterschiedlicher zeitlicher Maßstäbe (1 Milliarde Jahre, 1 Million Jahre, 1.000 Jahre usw.) variieren auch die Klimaschwankungen, die man fassen kann. Bewegt man sich beispielsweise in einer Zeitspanne von einer Milliarde Jahre, so lassen sich nur besonders ausgeprägte und lange Warm- und Kaltphasen erkennen. Werden hingegen nur die letzten 100 Jahre betrachtet, so kann können feinere Schwankungen und Veränderungen im Klima festgestellt werden. Deswegen ist es wichtig, den zeitlichen Maßstab zu beachten, wenn von Klimaveränderung und Wandel gesprochen wird.

Die Klimarekonstruktion der Vergangenheit ist somit ein wichtiger Aspekt bei der Bewertung des aktuellen Klimas. Weiterhin müssen jedoch Prozesse, die das Klima bestimmen, betrachtet werden, um den Beitrag des Menschen zur aktuellen Klimaerwärmung zu quantifizieren und um Prognosen für die Zukunft aufstellen zu können.


Der Treibhauseffekt

Spricht man vom Klimawandel, wird als Ursache häufig der Treibhauseffekt genannt. Der Treibhauseffekt jedoch ist natürlichen Ursprungs und unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung des vielfältigen Lebens auf der Erde. Dieser Effekt wird zu etwa zwei Dritteln durch Wasserdampf, aber auch zusätzlich zum Beispiel durch Gase wie Kohlendioxid oder Methan hervorgerufenen. Die einfallende Energiestrahlung der Sonne dringt dabei zur Erde vor, die von der Erdoberfläche abgestrahlte Wärmestrahlung wird jedoch absorbiert und trägt somit zur Aufheizung der Atmosphäre bei. Gäbe es den Treibhauseffekt nicht, läge die durchschnittliche Temperatur auf der Erdoberfläche bei etwa -18° C und somit etwa 30 Grad unter der realen globalen Durchschnittstemperatur.

Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und verstärkt in den letzten 45 Jahren wurde der natürliche Treibhauseffekt jedoch durch menschliche Aktivitäten stark unterstützt und gefördert. Dazu zählen die Verbrennung fossiler Brennstoffe, wodurch CO2 freigesetzt wird, die Intensivierung der Viehhaltung, wodurch Methan entsteht sowie die Freisetzung weiterer Treibhausgase durch Industrie und Haushalte.


Prognose für die Klimaentwicklung

Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, auch bekannt als Weltklimarat) gibt in einer Prognose beruhend auf diversen Klimamodellen einen globalen Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100 von 1,4° bis 5,8° C bei unveränderten Emissionspraktiken an. Seit 1860 wurde ein Anstieg um 0,3° bis 0,6° C registriert, andere Quellen geben die Temperaturzunahme im Verlauf des letzten Jahrhunderts in Deutschland mit 0,9° C an. Diese bloßen Zahlen sprechen noch nicht unbedingt für einen vom Menschen ausgelösten Klimawandel, betrachtet man jedoch das zeitliche Zusammenfallen dieses Temperaturanstiegs mit einem exponentiell steigenden CO2-Ausstoß durch industrielle Aktivitäten des Menschen speziell seit der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, so erscheint die Existenz eines Zusammenhangs sehr wahrscheinlich.

Gemäß dem Deutschen Wetterdienst wird es in Deutschland bis 2100 durchschnittlich um drei Grad wärmer werden.
Am 01. Februar 2007 präzisierte das IPCC seine Prognosen. So gehen die Wissenschaftler nun von einer Erwärmung von bis zu 6,4° C zum Ende des Jahrhunderts aus. Zweifel daran, dass diese Entwicklung auf den Menschen zurückzuführen ist, bestehen kaum noch. Die durch menschliche Aktivitäten verursachten Klimaveränderungen sollen ihren Anfang demnach schon im Jahr 1750 genommen haben.
Die aktuellen Ausmaße dieses Prozesses zeigen sich u. a. in der Tatsache, dass von 2000 bis 2009 das wärmste je gemessene Jahrzehnt gewesen ist, gefolgt von den 1990er Jahren.
Derzeit arbeiten über 830 Wissenschaftler weltweit an dem fünften Sachstandsbericht der IPCC geplant, dessen Veröffentlichung für 2014 geplant ist. Darin werden aktuelle Daten und Prognosen für die Klimaentwicklung enthalten sein.


Wie wirkt sich der Klimawandel konkret aus?

Obwohl es zu einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur kommen wird, gibt es Modelle, die eine regionale Abkühlung für Europa erwarten. Das verstärkt abschmelzende Eis in der Arktis könnte die Nordatlantikströmung schwächen. Diese "Fernheizung Europas" bewirkt, dass die Temperaturen bis zu zehn Grad Celsius über denen in diesen Breiten zu erwartenden Werten liegen. Erste Indizien auf eine solche Entwicklung gibt es bereits. Im Sommer 2005 war in der Arktis so viel Eis geschmolzen wie noch nie zuvor im Zeitraum der Satellitenbeobachtung der Arktis seit 1979.
Mit der globalen Erwärmung wird auch der Meeresspiegel ansteigen, ausgelöst durch das Abschmelzen grönländischer und antarktischer Eismassen sowie durch die Wärmeausdehnung des Wassers, das bei höheren Temperaturen ein größeres Volumen besitzt. Das Abschmelzen des arktischen Meereises hingegen hat keine Auswirkungen auf die Höhe des Meeresspiegels. Die IPCC prognostiziert bis 2100 einen Anstieg von neun bis 88 Zentimetern, die Schätzungen halten bis zu 200 cm für möglich. Besonders Inselstaaten sind demnach durch den Klimawandel direkt in ihrer Existenz bedroht.

Auch die Anzahl und Schwere von Stürmen wird möglicherweise in einigen Regionen zunehmen, im Bereich des Nordatlantik konnte dies bereits beobachtet werden. Und auch in Deutschland gibt es solche Anzeichen.

Viele Forscher gehen davon aus, dass extreme Wetterereignisse deutlich häufiger auftreten werden. Verheerende Stürme, Überschwemmungen, Dürren und ausgedehnte Waldbrände, aber zum Beispiel auch das Ausbleiben von Schnee in Wintersportgebieten gehören zu diesen Ereignissen. Inwieweit einzelne Ereignisse auf den anthropogenen Klimawandel zurückzuführen sind oder noch im Rahmen natürlicher Schwankungen liegen, ist aber bisher unklar.

Insbesondere in den warmen äquatorialen Klimazonen wird es durch Veränderung der Niederschlags- und Verdunstungsverhältnisse wahrscheinlich zu einer zunehmenden Austrocknung und Degradation der Böden kommen. Dies wirkt sich nachteilig auf Mensch und Tier aus. Vor allem Entwicklungsländer werden noch stärker von Engpässen in der Nahrungsmittelproduktion betroffen sein.

Auch Flora und Fauna sind vom Klimawandel betroffen, manche Arten werden sich nicht an die veränderten Bedingungen anpassen können, zumal diese Veränderungen extrem schnell eintreten. Die Folgen können dabei bis zum Aussterben einzelner Arten reichen.


Internationale Abkommen als Gegenmaßnahme?

Die Fachwelt ist sich weitgehend darüber einig, dass der bereits eingesetzte, anthropogen herbeigeführte Klimawandel nicht mehr umzukehren ist. Spricht man also heute von Gegenmaßnahmen, geht es nur um eine Abmilderung der zukünftigen Entwicklung, vor allem da sich eine heute vorgenommene Emissionsreduzierung erst in einigen Jahrzehnten im Klimageschehen niederschlagen wird.

1992 unterzeichneten in Rio de Janeiro 154 Staaten eine Klimarahmenkonvention, in der sich die Industrieländer (36 so genannte "Annex 1-Staaten") zu einer Reduzierung ihrer Emissionen von Treibhausgasen verpflichteten. Entwicklungsländer wurden von dieser Pflicht vorerst freigestellt. Dieses internationale, multilaterale Klimaschutzabkommen haben derzeit 194 Staaten unterzeichnet mit dem Ziel, sowohl auf eine Minderung der anthropogenen Einflüsse auf das Klima als auch auf eine Verlangsamung der globalen Erwärmung und eine Milderung der Klimafolgen hinzuwirken.

Als Fortentwicklung dieser Konvention wurde 1997 von 160 Staaten das so genannte "Kyoto-Protokoll" verabschiedet, in dem erstmals auch rechtsverbindliche Begrenzungs- und Reduktionsverpflichtungen für die Industrieländer festgelegt sowie Emissionshandel ermöglicht wurde. Nach der Ratifizierung durch die Mehrheit der beteiligten Staaten konnte das Protokoll schließlich am 16. Februar 2005 in Kraft treten. Die Weigerung einzelner Länder das Protokoll zu ratifizieren, löste internationale Proteste aus. Inzwischen haben 189 Staaten das Kyoto-Protokoll ratifiziert, darunter alle EU-Mitgliedstaaten, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Japan, sowie wichtige Entwicklungs- und Schwellenländer wie Brasilien, China, Mexiko, Indien, Südafrika und Südkorea. Australien folgte 2007. Die USA sind damit das einzige verbleibende Industrieland, das die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls weiterhin ablehnt. Ende 2012 läuft die erste Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls aus und neue, international verbindliche Emissionsreduktionsverpflichtungen für die Zeit danach sind bisher noch nicht vereinbart worden.

2010 wurde in Cancún von der Weltgemeinschaft das langfristige Ziel festgesetzt, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad gegenüber vorindustriellen Werten zu begrenzen. Dafür müssten allerdings die globalen Emissionen bis 2050 um mindestens 50 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden.


Literatur

Fabian, P. (2002): Leben im Treibhaus. Unser Klimasystem - und was wir daraus machen. Berlin, Heidelberg.
Hantke, R. (1993): Flussgeschichte Mitteleuropas. Skizze zu einer Erd-, Vegetations- und Klimageschichte der letzten 40 Mill. Jahre. Stuttgart.
Hupfer, P. (1996): Unsere Umwelt: Das Klima. Globale und lokale Aspekte. Stuttgart.
Joussaume, S. (1996): Klima - Gestern, Heute, Morgen. Berlin, Heidelberg.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Wolfgang Koppe, Sebastian Siebert, Kristian Uhlenbrock, Wiebke Hebold
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2003
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 23.08.2012
Online-Link/Code