Infoblatt Meteorologisches Observatorium Hohenpeißenberg


Geschichte und Aufgabengebiete

Interaktives Satellitenbild des Meteorologischen Observatoriums Hohenpeißenberg (Google)

Das Meteorologische Observatorium auf dem Hohenpeißenberg im oberbayerischen Alpenvorland liegt in einer Höhe von ca. 990 m ü. NN. Es blickt auf eine über 230-jährige Geschichte zurück, womit es sich um die älteste Bergwetterstation der Welt handelt. Seit 1781 gibt es eine praktisch ununterbrochene meteorologische Beobachtungsreihe. Derzeit ist das Observatorium Arbeitsstätte von gut 50 Wissenschaftlern und Mitarbeitern, die sich mit der Meteorologie und der Zusammensetzung der Atmosphäre befassen.


Aufgaben

  • Klassische Wetterbeobachtung
    Hierbei werden Daten der Geräte im Messfeld der Station ausgewertet. Zu diesen zählen z. B. Thermometer (Temperaturmessung), Barometer (Luftdruckmessung), Hygrometer (Messung der Luftfeuchte) oder Windmesser (Messung der Windstärke). Darüber hinaus werden noch verschiedene weitere Messreihen erhoben, darunter u. a. der Niederschlag, die Wolkenhöhe oder die Sonnenscheindauer. Durch diese Daten sowie Himmelsbeobachtungen können z. B. Warnungen vor Stürmen, Schneefall und Glatteis herausgegeben werden.
  • Niederschlagsmessung und -warnungen mithilfe von Radar
    Das Observatorium Hohenpeißenberg verfügt über ein Wetterradar mit einer Reichweite von 120 km, welches in dieser Entfernung das Radarecho der Regentropfen misst. Dadurch kann der Niederschlag an jedem Ort innerhalb der Reichweite bestimmt werden. Insgesamt gibt es in Deutschland 16 dieser Radarstationen. Mit ihrer Hilfe wird alle 15 Minuten die aktuelle Niederschlagssituation für ganz Deutschland in Karten dargestellt.
    Mit den Radardaten wurde am Hohenpeißenberg auch das Frühwarnsystem KONRAD entwickelt, das die Lage von Gewitterzellen anzeigt. Durch das System können rechtzeitig Warnhinweise für Hagel, Starkregen und Windböen gegeben werden, so dass z. B. die Einsätze von Feuerwehr und Katastrophenhelfern besser abgestimmt werden können.
  • Ozonmessungen bis an den Rand der Atmosphäre
    Seit 1967 befassen sich die Meteorologen auf dem Hohenpeißenberg mit der Messung des Ozons in der Atmosphäre. Vor allen Dingen wird die für uns lebenswichtige Ozonschicht beobachtet. Dafür werden verschiedene Messverfahren benutzt:
    • Wetterballone
      Zwei- bis dreimal pro Woche steigen Wetterballone mit einem Sondenpaar innerhalb von 90 Minuten bis auf 30 km Höhe. Diese messen dabei ständig Ozongehalt, Temperatur, Luftdruck sowie Luftfeuchte und funken die Daten an die Bodenstation.
    • Laser-Radar
      Mit diesem optischen Fernerkundungsverfahren sind in klaren Nächten Messungen der Ozonkonzentration bis in eine Höhe von 50 km möglich.
    • Photometer
      Mit diesen Geräten werden tägliche Messungen der Dicke der Ozonschicht vorgenommen. Mit einem solchen Photometer wurde z. B. auch das antarktische Ozonloch entdeckt.
  • Spurengas- und Aerosolmessungen
    Im Rahmen des Global Atmosphere Watch (GAW) werden zahlreiche Spurengase (Gase, die nur in sehr gering in der Luft vorkommen) und Aerosole (Schwebeteilchen in der Luft) gemessen. Dabei handelt es sich um die internationale Zusammenarbeit mit 22 so genannten Globalstationen in aller Welt zur Erforschung der Atmosphäre. Eine weitere deutsche Station ist die Wetterstation auf der Zugspitze. Insgesamt befassen sich 80 Staaten mit dem zunehmenden Einfluss des Menschen auf die Zusammensetzung der Luft und die damit verbundenen Auswirkungen auf das Klima. Damit sollen schleichende Veränderungen in der Atmosphäre rechtzeitig erkannt werden.
    Neben der Spurengas- und Aerosolmessung werden auch zahlreiche andere Stoffe in der Luft überwacht. Darunter sind Kohlenwasserstoffe, die u. a. für die Smog- und Dunstbildung verantwortlich sind und Schwefelsäure, welche sauren Regen verursacht.
  • Strahlungsmessung mit optischen Messgeräten
    Hier wird die Globalstrahlung gemessen, die sich aus direkter Sonneneinstrahlung und aus gestreuter Sonnenstrahlung zusammensetzt. Gestreute Sonnenstrahlung ist die von verschiedenen Teilchen in der Luft reflektierte Strahlung. Weitere Strahlungsarten, die gemessen werden, sind beispielsweise ultraviolette, aber auch radioaktive Strahlung.
  • Durchführung verschiedener Forschungsprojekte
    Die Arbeit des Observatoriums beschränkt sich nicht nur auf die Beobachtung und Messung der Wetterelemente, sondern beinhaltet auch eine Reihe von Forschungsprogrammen. So untersuchten die Wissenschaftler z. B. den Einfluss von KFZ-Abgasen auf die Atmosphäre oder die Zusammenhänge zwischen Temperatur und Ozonbildung in den Schichten der Atmosphäre.



Öffentlichkeitsarbeit

Um Besuchern des Meteorologischen Observatoriums auf dem Hohenpeißenberg einen Einblick in die Arbeit der Wissenschaftler zu ermöglichen, wurde am 26. Juni 2003 ein Info-Pavillon eröffnet. In der Ausstellung sind verschiedene Messgeräte zu sehen, darunter eine Wetterhütte und eine Ozonsonde. Ferner werden Erläuterungen zum Observatorium selbst und zu den dort durchgeführten Untersuchungen gegeben. Man kann sich aber auch zu allgemeinen Themen wie Wettervorhersage oder Klimawandel informieren.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2007/2011
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 24.11.2011