Geographie Infothek: Kulturerdteile


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Infoblatt Der lateinamerikanische Kulturerdteil

Aufzählung der Merkmale des lateinamerikanischen Kulturerdteils


Kulturerdteile (Klett)

Der lateinamerikanische Kulturerdteil schließt die Staaten der Landbrücke Mittelamerikas, die karibische Inselwelt sowie Südamerika ein. Eine andere Bezeichnung Lateinamerikas ist lberoamerika und geht auf die spanisch-portugiesische Kolonisation des Gebietes zurück.

Raum und Umwelt
Die naturräumliche Gliederung Lateinamerikas lässt sich vereinfacht in drei große Einheiten unterteilen: Der westliche Teil des Kulturerdteiles wird durch die Anden geprägt, die sich vom Norden bis zum Süden erstrecken. Sie bilden die wichtigste Klima- und Wasserscheide des Kontinents. Im östlichen Teil Südamerikas dominieren Mittelgebirge mit ausgedehnten Berg- und Tafelländer. Dazwischen befinden sich noch Tiefländer mit den großen Flussläufen Amazonas und Orinoko bzw. das La Plata-Tiefland.
Lateinamerika liegt größtenteils im Bereich der Tropen und Subtropen und reicht nur im Süden des Kulturerdteils bis in die gemäßigten Breiten hinein. Während die östliche Seite der Anden durch tropisches Klima mit starken Regenfällen bestimmt wird, herrschen an großen Teilen der Westküste aride Verhältnisse. Das Klima der Westküste wird entscheidend durch das kalte Wasser des Humboldt-Stromes bestimmt, das Niederschläge an der Küste verhindert. Nur infolge des Klimaphänomens El Niño kommt es alle paar Jahre zu heftigen Regenfällen an der Westküste Südamerikas. In Feuerland, im äußersten Süden des Kontinents, herrschen bereits subpolare Verhältnisse.

Leitsystem und Religion
Seit dem 16. Jahrhundert steht Lateinamerika unter dem Einfluss europäischer Staaten. Meist waren es Spanier und Portugiesen, die die Länder für ihre Herrscher erschlossen haben. Auch Franzosen und Italiener hinterließen ihre Spuren in Südamerika.
Mit der Kolonialzeit kam der Einfluss der katholischen Kirche. Bis heute ist Lateinamerika ein christlich-katholisch geprägter Kulturerdteil. Mehr als 90 % der Bevölkerung bekennt sich zum christlichen Glauben und davon gehören ca. 80 % der katholischen Kirche an. Dabei wird nicht immer der "reinen" Glaubenslehre gefolgt, sondern es finden sich auch Elemente der traditionellen Naturreligionen.

Geschichte und Kultur
Nach der Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch Kolumbus 1492 begann ein wahrer Wettlauf zwischen den beiden damals bedeutendsten Seemächten Spanien und Portugal um die Eroberung und Ausbeutung Lateinamerikas. Die Kolonisation begann ab dem 16. Jahrhundert und dauerte knapp 300 Jahre. Zwischen 1810 und 1840 erhielten die meisten Staaten ihre Unabhängigkeit.
Schon lange vor der Eroberung durch die Europäer gab es fortgeschrittene Zivilisationen in Lateinamerika. Zu diesen "Hochkulturen" gehörten die Azteken und die Maya in Zentralamerika, im heutigen Gebiet von Mexiko und Guatemala und die Inka im Andenraum (heutiges Gebiet von Peru, Ecuador und Bolivien).
Die Baukünste der alten indianischen Hochkulturen waren architektonische Höchstleistungen. Ihre Pyramiden und Paläste waren von beachtlicher Höhe und reichlich mit Reliefdarstellungen verziert. In der heutigen Zeit sind sie bevorzugte Ziele von Touristenströmen.

Menschen und Bevölkerung
Die Bevölkerung setzt sich größtenteils aus den Nachkommen der Spanier und Portugiesen sowie der indianischen Ureinwohner zusammen. Hinzu kommen Schwarzafrikaner, eingewanderte Asiaten und nicht-iberische Europäer. Sie bilden zusammen viele verschiedene Bevölkerungsgruppen und Mischformen (Mestizen - Indios/Weiße, Mulatten - Weiße/Schwarzafrikaner und Zambos - Schwarzafrikaner/Indios).
Eine starke Bevölkerungsdezimierung der Ureinwohner vollzog sich während der Kolonialisierung: drei bis fünf Millionen Indios bevölkerten Brasilien, bevor die Portugiesen den Kontinent betraten, heute sind es noch rund 180.000. In neuerer Zeit entwickelt sich wieder ein zunehmendes Selbstbewusstsein der Indianer in Gesamtamerika. Die Indianer bemühen sich um die Wiederbesinnung auf die eigenen kulturellen Traditionen und Kräfte.
Das Bevölkerungswachstum auf dem gesamten lateinamerikanischen Kulturerdteil ist, mangels Geburtenkontrolle, sehr hoch. Die einzelnen Länder leiden unter einer starken Verstädterung. Die großen Migrationsbewegungen sind überwiegend Land-Stadt-Wanderungen. Der größte Teil der Bevölkerung konzentriert sich auf wenige Großstädte, in denen nicht selten mehr als eine Million Einwohner leben. Darüber hinaus kommen noch ausgeprägte Gegensätze zwischen Arm und Reich innerhalb der Länder zum Tragen.

Wirtschaft und Infrastruktur
Aufgrund der vielen naturräumlichen Gunsträume entwickelte sich schon früh eine ertragreiche Landwirtschaft mit hochentwickeltem Ackerbau. Viele Ackerpflanzen wurden zuerst von Indianern kultiviert, beispielsweise der Mais seit 5.500 Jahren und die Gartenbohne seit 7.000 Jahren. Auch Kakao, Tomaten, Erdnüsse, Kartoffel kamen erst vor 350 Jahren von Südamerika aus nach Europa.
Obwohl es sich bei vielen Ländern Lateinamerikas um Entwicklungs- und Schwellenländer handelt, sind diese traditionell stark in den Weltmarkt eingebunden. Der Export von Rohstoffen (Erdöl, Erze) und landwirtschaftlichen Produkten (Zucker, Mais, Kaffee, Bananen) sowie der Import von Industrieerzeugnissen zeugen von einer regen Beteiligung. Dabei haben sich die Besitz- und Herrschaftsverhältnisse aus der Kolonialzeit größtenteils noch bis heute erhalten (Großgrundbesitz). Der Anbau von Tee, Bananen, Zuckerrohr oder Kaffee erfolgt in Plantagen durch Tagelöhner und besitzlose Landarbeiter. Es kommt zwangläufig zu starken ökonomischen und sozialen Spannungen zwischen Arm und Reich, nahezu 40 % der Bevölkerung leben in Armut.

Quelle: Geographie Infothek
Autor: Christine Reinke
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 26.05.2012


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