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Infoblatt Der angloamerikanische Kulturerdteil

Aufzählung der Merkmale des angloamerikanischen Kulturerdteils


Kulturerdteile (Klett)

Den angloamerikanischen Kulturerdteil bilden nur zwei Staaten, die USA und Kanada. Er erstreckt sich über den gesamten Teil Nordamerikas.

Raum und Umwelt
In Nordamerika lassen sich der Kanadische Schild im Nordosten, das Zentrale Tiefland, die Appalachen im Osten, die Küstenebenen um den Golf von Mexiko und die nördlichen Kordilleren an der Westküste als Großlandschaften unterteilen.
Aufgrund der Größe des angloamerikanischen Kulturerdteils gibt es verschiedene Klimazonen. Es sind von Norden nach Süden: arktisches und subarktisches, kühlgemäßigtes, gemäßigtes, subtropisches und randtropisches Klima.
Generell nehmen die Niederschlagsmengen von der Atlantikküste zum Landesinneren hin kontinuierlich ab. Die geringsten Niederschläge fallen in den Längstälern und Becken der Nordamerikanischen Kordilleren (nur 100 bis 250 mm). Hier liegen einige der trockensten und heißesten Gebiete der Welt, z. B. im Death Valley (bis 56 °C). Vor allem im Süden und Südosten der USA treten häufig Hurrikans (tropische Wirbelstürme) auf und führen zu schweren Schäden. Im mittleren Westen bilden sich sog. Tornados, die durch das Aufeinandertreffen kalter und warmer Luftmassen entstehen.

Leitsystem und Religion
Nirgendwo auf der Erde scheinen das Freiheits- und das Gleichheitsprinzip so verwirklicht zu sein wie auf dem angloamerikanischen Kulturerdteil. Diese Prinzipien sind ein wichtiger Teil des Demokratieverständnisses, denn allen Einwanderern ist gemeinsam, dass ihre Vorfahren die Heimat verlassen haben und die gleichen Startbedingungen im "Land der Freiheit und der gleichen Aufstiegschancen" hatten. Die individuelle Freiheit ist für die Bevölkerung von größter Bedeutung. Das europäische Denken in hierarchischen Ordnungen ist dem Amerikaner fremd. Dieses zeigt sich beispielsweise in dem fast kameradschaftlichen Umgang zwischen Vorgesetzten und Untergebenen in einem Unternehmen. Auch ist den Angloamerikanern ein gewisser Nationalstolz gemeinsam, der vor allem durch die Schulen und vielfältige Veranstaltungen gefördert wird, auf denen z. B. die Nationalhymne gesungen wird.
Heute bekennen sich über 80 % der Einwohner zum Christentum. Mehr als die Hälfte der Christen sind Protestanten, die sich zu einer der über 240 protestantischen Kirchen bekennen. Der Anteil der Katholiken nimmt durch die anhaltende Einwanderung aus Mittelamerika tendenziell zu. Weitere Glaubensgemeinschaften sind Anhänger der Orthodoxen Kirche, Juden und Moslems.

Geschichte und Kultur
Der angloamerikanische Kulturerdteil zählt zu den Einwandererräumen der Erde. Bereits die Ureinwohner, die sog. Indianer, wanderten lange vor unserer Zeitrechnung von Asien aus über Alaska auf den amerikanischen Kontinent ein. Sie besiedelten das Land und ließen sich in Gunsträumen, besonders in den Wald- und Steppengebieten, nieder. 1492 landete Christoph Kolumbus auf den Bahamas und entdeckte einen bis dahin für die Europäer unbekannten Kontinent. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts gründeten Franzosen, auf heute kanadischem Boden, Kolonien (Quebec und Montreal), die noch immer eine Französisch sprechende Enklave in Kanada darstellen. 1620 kommen die englischstämmigen "Pilgerväter" nach Nordamerika, gefolgt von Holländern und anderen europäischen Pionieren. Die weiße Bevölkerung Nordamerikas wird für 1650 auf rund 50.000 geschätzt. 1750 verteilten sich dann schon rund 1,5 Millionen Weiße auf 13 Kolonien. Aufgrund starker Konflikte zwischen den nordamerikanischen Kolonien und dem Mutterland England wurde im Jahr 1776 die Unabhängigkeitserklärung verlesen. Die Besiedlung neuer Gebiete wurde schnell vorangetrieben. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts lockten Goldfunde viele Siedler in den amerikanischen Westen. Es kamen immer mehr Menschen nach Nordamerika, um hier ihr Glück zu versuchen. Diese Migrationsbewegungen halten bis heute noch an. Nordamerika gilt immer noch als "Land der unbegrenzten Möglichkeiten".
Die Verteilung der Bevölkerung im Land ist sehr unterschiedlich. Am geringsten ist die Siedlungsdichte in Alaska, am höchsten in den Staaten der Ostküste. Das Band der Städte von Washington nach Montreal über Boston und Toronto ist das größte Ballungsgebiet der Welt. Insgesamt leben rund drei Viertel der Bevölkerung in Städten. Die größte Stadt ist dabei New York mit über 8,2 Millionen Einwohnern, im Großraum der Stadt leben rund 18,9 Millionen Menschen.
Die Sprache des angloamerikanischen Kulturerdteils ist Englisch, nur in Kanada gilt auch Französisch als weitere Amtssprache. Viele der ehemals über hundert Indianersprachen sind heute vom Aussterben bedroht.

Menschen und Bevölkerung
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts kamen mehr als 50 Millionen Einwanderer in den angloamerikanischen Raum, unter ihnen viele Europäer, später vermehrt Menschen aus Mittelamerika und Asien. Diese ethnische Vielfalt spiegelt sich auch heute noch in der amerikanischen Bevölkerung wider, da spezifische Traditionen bewahrt und gepflegt werden. Rund drei Viertel der Gesamtbevölkerung sind Weiße, der Rest verteilt sich auf Afroamerikaner, Asiaten und andere. Dabei sind die Einwohner, mit Ausnahme der Indianer, entweder Nachfahren von Einwanderern oder selbst eingewandert.
Aber nicht alle Menschen kamen freiwillig nach Amerika. Vom 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden etwa 30 Millionen Schwarze von Afrika nach Amerika verschleppt. Sie mussten als Sklaven auf Plantagen und in Bergwerken arbeiten und trotz der gesetzlich verankerten Gleichstellung aller Staatsbürger gibt es nach wie vor ein Sozialgefälle und Spannungen zwischen Weiß und Schwarz.
Auch die Nachfahren der indianischen Urbevölkerung zählen zu den sozial schwachen Gruppen und sind Opfer von Diskriminierung. Heute leben etwa 2 Millionen Indianer in Nordamerika. Doch während der Indianerkriege, im 19. Jahrhundert und im Zuge der Besiedlung des Westens, wurden über 1 Millionen Indianer ermordet.

Wirtschaft und Infrastruktur
Die USA und Kanada zählen zu den führenden Industrienationen der Erde. Hier hat sich das effizienteste Wirtschafts- und Zivilisationssystem der Gegenwart entwickelt. Die Grundlagen dafür sind die großen Rohstoffvorkommen, sehr gute Böden und viele verschiedene Klimazonen (Anbau vielfältiger Kulturpflanzen ist möglich), der große Binnenmarkt und das Wirtschafts- und Finanzsystem, das auf freiem Handel und unternehmerischer Initiative aufbaut.
Die Landwirtschaft ist durch eine immer weiter zunehmende Mechanisierung und Konzentration der agrarischen Betriebe, den sog. Commercial Farms (Großfarmen), geprägt. Die USA befinden sich unter den führenden Nationen bei der Erzeugung von Baumwolle, Rind- und Schweinefleisch, Butter, Getreide, Mais, Kartoffeln, Tabak, Weintrauben, Tomaten, Kohl, Sojabohnen, Zuckerrüben und Zitrusfrüchten. Dabei lassen sich verschiedene Anbauschwerpunkte, sog. Belts (Gürtel) feststellen. So bilden die Staaten, die im Süden der Großen Seen liegen, den Mais-Gürtel. Im Westen der Inneren Ebenen dominiert die Rinderhaltung, im feuchteren Osten der Anbau von Weizen, der bis weit nach Kanada hinein kultiviert wird. In Kalifornien werden Zitrusfrüchte und Weintrauben angebaut und über 80 % des amerikanischen Weins stammen aus diesem Bundesstaat. Neben der Landwirtschaft spielt die Forstwirtschaft eine zentrale Rolle.
Trotz umfangreicher Vorkommen an Erdöl und Erdgas werden für die Deckung des sehr hohen Energiebedarfs große Mengen an Erdöl importiert. Zu den Bodenschätzen gehören außerdem Vorkommen an Braun- und Steinkohle, Erdgas, Eisenerz, Kupfer, Blei, Zink, Quecksilber, Gold, Silber, Uran und Schwefel.

Quelle: Geographie Infothek
Autor: Christine Reinke
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 26.05.2012


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