Geographie Infothek: Kulturerdteile


Geo News

Anthropo-Geographie

Physische Geographie

Länder & Regionen

Sonstiges

Infoblatt Der südasiatische Kulturerdteil

Aufzählung der Merkmale des südasiatischen Kulturerdteils


Kulturerdteile (Klett)

Der südasiatische Kulturerdteil besteht aus den Ländern Indien, Pakistan, Nepal, Bhutan, Bangladesch. Indien dominiert mit seiner Kultur diesen Erdteil.

Raum und Umwelt
Der Naturraum und das Klima des südasiatischen Kulturerdteils werden von der besonderen Lage als Halbinsel bestimmt. Im Norden stellen die hohen Gebirgsketten des Himalajas eine natürliche Barriere dar. Rund 10 % der Landesfläche werden von Hochgebirgen gebildet. Im Westen der Halbinsel liegt das Arabische Meer, im Süden der Indische Ozean und im Osten das Bengalische Meer.
Das Klima ist tropisch bis subtropisch und wird vom Monsun bestimmt. Von Mai/Juni bis September bringt der Südwestmonsun einen Großteil der Niederschläge, die gemäß der Größe des Raumes sehr unterschiedlich verteilt sind. An der Westküste werden Werte bis über 3.000 mm gemessen, während an anderen Stellen die Niederschläge äußerst gering ausfallen und es sogar Wüsten und Savannengebiete im Westen Indiens gibt. In den Monaten Oktober und November dreht sich die Windrichtung allmählich, zu dieser Jahreszeit können tropische Wirbelstürme auftreten, vor allem an den Ost- und Nordostküsten. Ab Dezember bis März bringt der Nordostmonsun kalte und extrem trockene Luft aus dem Himalaja.

Leitsystem und Religion
Der Kulturerdteil wird von drei Religionen bestimmt: Hinduismus, Islam und Buddhismus. Zum Hinduismus gehören in Nepal und Indien über 80 % der Bevölkerung. In Pakistan und Bangladesh bekennen sich über 85 % der Bürger zum Islam.
Trotz der verschiedenen Kulturen und Religionen ist dieser Kulturerdteil in erster Linie durch das Kastensystem der Hindus geprägt. Ursprünglich gab es vier Kasten – Priester, Krieger, Bauern und Diener. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Kastensystem zu mehr als 3.000 Kasten aufgeteilt. Jeder Mensch wird durch Geburt Mitglied in einer Kaste, die durch den Beruf der Eltern bestimmt ist.

Geschichte und Kultur
Die Geschichte Südasiens wird in erster Linie durch die Geschichte Indiens bestimmt. Als erster abendländischer Seefahrer ging der Portugiese Vasco da Gama 1498 in Südwestindien an Land. Er war der erste Europäer, der Afrika umsegelte und den indischen Ozean durchquerte. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte errichteten die Portugiesen an der südindischen Küste und auf den vorgelagerten Inseln mehrere Handelsniederlassungen und setzten damit den Grundstein für ihre Rolle als dominierende Handelsmacht im Indischen Ozean.
Im Laufe der Jahre löste Großbritannien Portugal als führende Handelsmacht in dieser Region ab. Im Jahr 1600 gründeten britische Kaufleute die "East India Company", die ein weites Netz von Handelsniederlassungen auf dem indischen Subkontinent anlegte.
Seit dem 16. Jahrhundert herrschten in Nordindien die Mogulkaiser, die auch den islamischen Glauben mitbrachten, die ausländischen Handelskompanien wurden geduldet. Seine größte Ausdehnung erreichte das Mogulreich im 17. Jahrhundert. Zwischen 1858 und 1947 wurde der Großteil des indischen Subkontinents britische Kolonie. Noch heute sind Reste dieser Kolonisierung zu finden – eine der Amtssprachen ist Englisch.
Zwei große Sprachfamilien bestimmen Indien und damit auch den Kulturerdteil: indo-europäisch im Norden und in der Mitte Südasiens und drawidinisch in Südindien. Insgesamt gibt es eine Vielzahl von Sprachen und Dialekten, allein 180 verschiedene davon in Indien.

Menschen und Bevölkerung
Der südasiatische Kulturerdteil ist ein menschenreicher Kulturerdteil. Die Bevölkerung Indiens hat die Milliardengrenze schon weit überschritten, Pakistan und Bangladesch werden von 181 bzw. 162 Millionen Menschen bevölkert (2009). Eine starke Bevölkerungszunahme und somit eine hohe Bevölkerungsdichte sind signifikant für diesen Teil der Erde. Eine Durchmischung und teilweise Überlagerung der Bevölkerung aus dunkelhäutigen und eingewanderten hellhäutigeren Menschen ist häufig.

Wirtschaft und Infrastruktur
Das vielfältige kulturelle Erbe der Völker überdauerte die britische Kolonialherrschaft – das vorkolonial hochentwickelte Handwerk und Manufakturwesen jedoch nur teilweise.
Armut ist vor allem unter der ländlichen Bevölkerung aufgrund überlieferter Besitzverhältnisse und des Ausbleibens von Bodenreformen weit verbreitet. Fast alle Staaten haben unter kriegerischen oder terroristischen Auseinandersetzungen mit separatistischen Bewegungen zu leiden (Sikhs in Indien, Tamilen in Sri Lanka).
Dadurch, dass der Kulturerdteil besonders vom Hinduismus geprägt ist, hat auch die Kuh als "heiliges" Tier eine besondere Bedeutung. Zwei Drittel des Energiebedarfs im ländlichen Indien werden durch Millionen Arbeitstiere gedeckt. Die Kuh dient als Zugtier beim Pflügen, Bewässern und beim Transport. Sie liefert aber auch Dung als Dünger, Bindemittel beim Hausbau und Brennmaterial. Der Nutzung von Fleisch und Leder sind jedoch religiöse Grenzen gesetzt.
Rund zwei Drittel der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig, über die Hälfte der gesamten Landesfläche wird als Nutz- und Anbaufläche verwendet. Der südasiatische Kulturerdteil ist einer der drei Reiserdteile. Angebaut werden vor allem Reis, Kartoffeln, Mais, Baumwolle, Zuckerrohr, Jute, Tee, Kaffee, Getreide und Hülsenfrüchte. Am Gesamtexport sind die landwirtschaftlichen Produkte mit etwa 10 % beteiligt. Dazu gehören vor allem Tee (hier ist Indien weltweit führend) und Kaffee sowie Zuckerrohr und Baumwolle.
Der industrielle Sektor wird weiter stark ausgebaut. Die Basis dafür bildet der Rohstoffreichtum der Region, zu finden sind verschiedene Erze (u. a. Zink, Eisen, Chrom), Stein- und Braunkohle, Mangan und Gold.
Durch die zunehmende Industrialisierung spielt Indien eine immer größer werdende Bedeutung im Bereich der Industrieproduktionen. Wissenschaftler und Spezialisten der Weltraumtechnologie oder Computerbranche sind weltweit tätig.

Quelle: Geographie Infothek
Autor: Christine Reinke
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2004/2009
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 04.11.2009
Suche in der
Geographie-Infothek