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Infoblatt Der russische Kulturerdteil

Aufzählung der Merkmale des russischen Kulturerdteils


Kulturerdteile (Klett)

Ende 1991 zerfiel die ehemalige Sowjetunion und es entstanden 15 politisch und wirtschaftlich unabhängige Staaten, die den russischen Kulturerdteil bilden. Dies sind: Russland, Estland, Lettland, Litauen, Weißrussland, Ukraine, Moldawien, Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan.

Raum und Umwelt
Die Großlandschaften des russischen Kulturerdteils sind die Osteuropäische Ebene (westlich des Urals gelegen), das Uralgebirge selbst, das Westsibirische Tiefland (östlich vom Ural gelegen), das Mittelsibirische Bergland, das Ostsibirische Gebirge (am äußersten Rand des Kulturerdteils), das Kaukasusgebirge, das Tiefland von Turan (im Gebiet um Kasachstan) und das Hochgebirge im Süden des Erdteils im Bereich der Flüsse Ob und Jenissei.
Der überwiegende Teil des russischen Kulturerdteils gehört der gemäßigten Klimazone an und ist von kontinentalen Einflüssen geprägt, es herrschen große Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht aber auch zwischen Sommer und Winter vor, die mit einer Niederschlagsarmut zusammenfallen. Ausnahmen bilden dabei drei Regionen: erstens der Süden des Fernen Ostens, der Monsunregen aufweist; zweitens Nordsibirien mit arktischem Klima; drittens die Schwarzmeerküste mit subtropischem Klima. Im Ostsibirischen Gebirgsland liegt nahe der Stadt Werchojansk der Kältepol der nördlichen Halbkugel. Ein weiteres Merkmal des Raums ist der Dauerfrostboden, der selbst im Sommer kaum einen Meter tief auftaut.

Leitsystem und Religion
Die Prägung der Wirtschafts- und Lebensbereiche der ehemaligen Sowjetunion war durch die Ideologie des Marxismus-Leninismus beeinflusst. Einer der Grundgedanken im Kommunismus ist die Idee von der Gleichheit aller Menschen, die vor allem wirtschaftlich umgesetzt werden sollte. Nicht der Einzelne sollte über Eigentum (hier: Produktionsmittel) verfügen, sondern nur die Gemeinschaft, das Volk insgesamt. Die Planwirtschaft wurde eingeführt und bis zum Untergang der UdSSR aufrechterhalten.
Die Mehrzahl der Bevölkerung sind Christen. Dabei spielt die russisch-orthodoxe Kirche die wichtigste Rolle und ist mit Abstand die größte Religionsgemeinschaft im Gebiet des russischen Kulturerdteils. Während der über 70 Jahre Sowjetmacht war Religion nur geduldet. Doch der Glauben war so stark, dass er alle Diskriminierungen überstand und seit dem Zusammenbruch des Kommunismus wieder stärker vertreten ist.
Während die überwiegende Mehrheit der slawischen Bevölkerung (Russen, Ukrainer und Weißrussen) russisch-orthodox ist, sind die türkischsprachigen Bevölkerungsteile meist Moslems. Anhänger des Buddhismus kommen z. B. im Kaukasus und im Altaigebirge vor, in Zentralsibirien ist stellenweise noch der Schamanismus verbreitet.

Geschichte und Kultur
Die Geschichte des russischen Kulturerdteils reicht weit vor Christus zurück. Zum ersten Zaren wurde 1547 Iwan der Schreckliche gekrönt und von Moskau aus begann die Kolonialisierung und Erschließung Sibiriens. Die wirtschaftliche Lage der russischen Bevölkerung verschlechterte sich über die Jahrhunderte drastisch. Wirtschaftlich war Russland weit hinter die europäischen Staaten zurückgefallen. 1917 kam es zur Revolution und Arbeiterräte übernahmen erst in Moskau und Sankt Petersburg, dann im ganzen Land die Macht. Das Parlament initiierte eine weitreichende Agrarreform. Gemeinsam mit der Ukraine, Weißrussland und der Transkaukasischen Föderation bildete Russland 1922 die Sozialistische Sowjetrepublik (UdSSR). Die Lage der Bevölkerung wurde jedoch nicht gebessert. 1985 begann der neugewählte Generalsekretär Michail Gorbatschow mit Billigung der Partei eine Politik der wirtschaftlichen und politischen Öffnung, die mit den Begriffen der "Perestrojka" (Umbau) und "Glasnost" (Offenheit) verbunden war. Gorbatschow leitete durch die Einbeziehung marktwirtschaftlicher Elemente eine Modernisierung der sowjetischen Wirtschaftsstrukturen ein.
In weiten Teilen des Kulturerdteils ist Russisch Landes-, Amts- oder Verkehrssprache. Russisch zählt zur östlichen Gruppe der slawischen Sprache und wird von etwa 167 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen.

Menschen und Bevölkerung
Spricht man über den russischen Kulturerdteil, spricht man von einem Vielvölkergebiet, in dem 100 verschiedene Nationen, Völker und Stämme wohnen. Dabei hat jedes Volk eine eigene Sprache und eine mehr oder weniger ausgeprägte eigene kulturelle Tradition. Klare Volkstumsgrenzen lassen sich nur selten ziehen, da sich die Siedlungsbereiche oft überlappen. Eine Vermischung der Kulturen findet besonders stark in den Städten statt.
Bis zum Zerfall der UdSSR fand eine relativ starke Binnenwanderung im gesamten Gebiet satt. Dabei waren die Hauptemigrationsrichtungen eine West-Ost-Wanderung, eine Land-Stadt-Wanderung und eine Nord-Süd-Wanderung. Die Ursachen waren überwiegend sozioökonomischen Ursprungs, teilweise aber auch geographisch-klimatisch bedingt. Die Migration hatte im ländlichen Raum zur Folge, dass sowohl eine Überalterung als auch ein deutlicher Frauenüberschuss und ein niedrigeres durchschnittliches Ausbildungsniveau in der zurückgebliebenen Bevölkerung herrschte. Noch heute lassen sich diese Tendenzen der ungleichmäßigen Bevölkerungsverteilung beobachten.

Wirtschaft und Infrastruktur
Etwa ein Viertel des russischen Kulturerdteils wird landwirtschaftlich genutzt. Das größte zusammenhängende Anbaugebiet liegt im sog. "Agrardreieck", zwischen den Städten Sankt Petersburg, Odessa und Krasnojarsk. Früher bezeichnete man dieses Gebiet auch als die "Kornkammer Europas". Hier werden neben Getreideprodukten auch Zuckerrüben, Mais und Sonnenblumen angebaut.
Weitere landwirtschaftliche Flächen liegen im Bereich des Schwarzen Meeres und des Kaukasus (Wein- und Obstanbau) und in Mittelasien (Baumwolle). Die Steppen Südrusslands und Kasachstans werden schon seit Jahrhunderten von Nomadenvölkern mit ihren Herden genutzt.
Neben den traditionellen landwirtschaftlichen Klein- und Kleinstbetrieben entwickelten sich nach der Oktoberrevolution 1917 und der Umgestaltung der Landwirtschaft die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (Kolchosen und Sowchosen). Ein weiteres wichtiges Ziel war die Industrialisierung des Landes. Weite Gebiete wurden erschlossen, die dabei etablierten Unternehmensbereiche sind eng an die vorgefundenen Bodenschätzen gekoppelt, so z. B. Eisenerz, Steinkohle, Erdöl und Erdgas. Weitere Industrien, die im Bereich des russischen Kulturerdteils vorkommen, sind: Automobilbau, Maschinenbau, Elektronik, Elektrotechnik, Textilindustrie, Chemische Industrie, Eisen und Stahl, Schiffsbau. Doch seit 1990, bedingt durch den Zusammenbruch des Kommunismus, wurden die genossenschaftlichen Betriebe wieder privatisiert.
In jüngster Zeit profitiert vor allem Russland von den steigenden Öl- und Gasexporterlösen, wobei dadurch die Rohstofflastigkeit der russischen Ökonomie weiter zunimmt.

Quelle: Geographie Infothek
Autor: Christine Reinke
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 26.05.2012
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