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Infoblatt Der europäische Kulturerdteil

Aufzählung der Merkmale des europäischen Kulturerdteils


Kulturerdteile (Klett)

Der europäische Kulturerdteil ist der westlichste Teil der eurasischen Landmasse und reicht vom Atlantik bis nach Polen und von Norwegen bis nach Griechenland, auch Island und Grönland zählen noch dazu.
Ein anderer Name für Europa ist Okzident oder Abendland, beides sind Gegenpole zu den Begriffen Orient bzw. Morgenland, die im frühen Mittelalter geprägt wurden.

Raum und Umwelt
Hochgebirge, Tiefländer, Berg- und Hügelländer mit Becken und Senken bestimmen das Landschaftsbild von Europa. Es lassen sich nur schwer Großlandschaften ausgliedern. Vom Süden, Westen und Norden greifen Mittelmeer, Nord- und Ostsee tief in die Landfläche und mehr als ein Drittel der Gesamtfläche entfällt auf Inseln und Halbinseln.
Dennoch lassen sich drei Landschaften erkennen: im Nord und Nordosten Flachland, in der Mitte eine Mittelgebirgslandschaft und im Süden ein zum Teil vergletscherter Hochgebirgszug, der von den Pyrenäen über die Alpen bis zu den Karpaten reicht. Daran schließen sich im Süden die Pyrenäen-, Apenninen- und Balkanhalbinsel an, im Norden die Britischen Inseln, Jütland und Skandinavien.
Europa liegt vorwiegend in der gemäßigten Klimazone, der Norden hat Anteil an der subpolaren, der Süden an der subtropischen Zone. Das Klima ist meist mild, die Hauptursache dafür ist der Golfstrom, der auch das westliche Europa umfließt und relativ warmes Wasser mitbringt, was zur Erwärmung der Luftmassen beiträgt. Sie gestalten das Wetter wechselhaft, bringen Niederschläge in allen Jahreszeiten und bewirken relativ kühle Sommer und in der Regel milde Winter. Mitteleuropa ist ein Übergangsgebiet zum kontinentalen Klimabereich.
Der europäische Kulturerdteil ist von Natur aus größtenteils mit Wäldern bedeckt, die im Norden vorwiegend aus Nadelwäldern und im Süden aus Laub- und Mischwäldern bestehen. Bis heute sind rund 49 % der Gesamtfläche Europas in Kulturland umgewandelt worden. Die verbliebenen Wälder sind aus forstwirtschaftlichen Gründen artenärmer geworden. Im Süden überwiegen niedrige Hartlaubgehölze. Der Südosten wird von Grassteppe eingenommen.

Leitsystem und Religion
Der europäische Kulturerdteil wird oft als Einheit gesehen, als eine Region mit historischer und geistiger Geschlossenheit. Doch Europa ist stark zersplittert. Die einzelnen Länder und Nationen bestehen auf ihrer jeweilige Kultur und Geschichte. Nur schwer finden sie zueinander, um ein geeintes Europa aufzubauen. Doch trotz ständiger innerer Konflikte erlebte Europa einen beständigen kulturellen Austausch, ungeachtet der regional abgewandelten Grundideen blieb den Menschen das Gefühl kultureller Einheit erhalten.
Die vorherrschende Religion ist das Christentum mit seinen verschiedenen Konfessionen (Protestantismus, Katholische und Orthodoxe Kirche). Dabei durchziehen den europäischen Kulturerdteil verschiedene christliche Religionsgrenzen: eine Nord/Süd-Grenze verläuft durch Deutschland, sie teilt Protestanten von Katholiken und eine West/Ost-Grenze trennt die westlich-lateinische Kirche von der Orthodoxen Kirche, die Linie verläuft durch das alte Jugoslawien.
Seit der Epoche der Aufklärung kommt es in Europa zu einer zunehmenden Trennung von Kirche und Staat (Säkularisierung), die auch heute in fast allen Ländern umgesetzt wird.

Geschichte und Kultur
Die Besiedlung Europas reicht bis in die Altsteinzeit zurück, auf dem ganzen Kontinent sind Spuren prähistorischer Kulturen überliefert. In der Antike waren es zuerst die Griechen und später die Römer, die die griechisch-römische Kultur auf nahezu dem ganzen Kontinent ausbreiteten und die Grundlage für das heutige Europa schafften. Fortgesetzt und intensiviert wurde die Ausbildung der europäischen Kultur durch die christliche Mission, selbst über die Bevölkerungsverschiebungen der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert hinweg. Im Verlauf des Mittelalters entwickelte sich eine eigene abendländisch geprägte Kunst. Besonders in den Bereichen Architektur, Malerei, Literatur und Musik lassen sich gesamteuropäische Merkmale erkennen.
Seit dem 15. Jahrhundert wurden von Europa aus in alle Welt Entdeckungsfahrten unternommen, die ausgedehnte koloniale Eroberungen durch die seefahrenden europäischen Staaten nach sich zogen (Spanien, Portugal, Niederlande, England, Frankreich). Bis ins 20. Jahrhundert begründeten sie die globale Vorherrschaft Europas, verbunden mit der Ausbreitung der europäischen Kultur über die ganze Welt. Im Gefolge der Aufklärung entwickelten sich im 19. Jahrhundert die Nationalstaaten mit der Ausbildung einer parlamentarisch-demokratischen Gesellschaft und es begann die Industrialisierung. Zudem verwüsteten zwei Weltkriege Europa im 20. Jahrhundert, nach 1945 spaltete sich der Kontinent in zwei Machtblöcke: die westlichen Demokratien und der kommunistischen Ostblock. Die Konfrontation des Kalten Krieges wurde am Ende der 1980er Jahre durch den Zerfall des Ostblocks beendet. Seitdem suchen die Staaten Europas neue Formen der Zusammenarbeit im politischen und wirtschaftlichen Bereich.
Der europäische Kulturerdteil gliedert sich in 46 Staaten und ist Verbreitungsgebiet von 120 verschiedenen Sprachen. Dabei gehört die europäische Sprachfamilie (slawische, germanische und romanische Sprachen) zu den sog. indo-europäischen Sprachen. Ausnahmen bilden das Finnische und das Ungarische, die zu den finnougrischen Sprachen gehören.

Menschen und Bevölkerung
Es hat eine starke Durchmischung der Bevölkerung des europäischen Kulturerdteils seit der Antike gegeben (Völkerwanderung, Vertreibungen und Migrationsbewegungen), die eine starke Vermengung der europäischen Rassenelemente bewirkt hat.
Die dichteste Besiedlung ist in den Industriegebieten der jeweiligen Länder zu finden.

Wirtschaft und Infrastruktur
Das Klima in weiten Gebieten des europäischen Kulturerdteils bietet gute Bedingungen für die Landwirtschaft. Die Hauptanbauprodukte sind Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben, im Süden auch Wein und Südfrüchte. Im kühleren Nord- und Nordwest Europa sowie in den Höhenlagen der Gebirge dominiert die Viehzucht.
In Westeuropa gibt es reiche Industrienationen (Großbritannien, Frankreich, Deutschland), die heute hoch industrialisiert sind. Die Industrieländer haben einen hohen Urbanisierungsgrad und eine marktorientierte Landwirtschaft, ein gut ausgebautes Verkehrs- und Kommunikationsnetz und einen hohen Lebensstandard mit einer hohen Lebenserwartung. Das Durchschnittseinkommen liegt weit über dem Weltdurchschnitt. Die wichtigsten Industriezweige sind die Eisen- und Stahlerzeugung, die Maschinen-, Kraftfahrzeug-, Textil- und Nahrungsmittelindustrie. Ein starkes Wachstum verzeichnen auch die Kunststoff- und die elektronische Industrie (besonders die Datenverarbeitung). Kennzeichnend für die europäische Wirtschaft sind die internationalen Verflechtungen mit allen Teilen der Erde, auch begann hier der weltweite Prozess des Übergangs von der Agrar- zur Industriegesellschaft.
Europa hat erhebliche Vorkommen an unterschiedlichen Bodenschätzen aufzuweisen, wie Stein- und Braunkohle, Kalisalze sowie Phosphate, deren Förderung aus Rentabilitätsgründen zum Teil stagniert oder rückläufig ist.

Quelle: Geographie Infothek
Autor: Christine Reinke
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2012
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 26.05.2012


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