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Infoblatt Drei-Schluchten-Staudamm


Projektdaten, Planung, Bau, Probleme

Interaktive Satellitenkarte des Drei-Schluchten-Staudamms (Google)



Projekt Drei-Schluchten-Staudamm (Klett)

Das Drei-Schluchten-Projekt ist das größte Infrastrukturprojekt Chinas. Dabei wird der Jangtse als drittlängster Fluss der Welt auf 660 km Länge zu einem Stausee aufgestaut. Vorrangige Ziele sind Hochwasserschutz sowie Stromproduktion.


Projektdaten

Länge des Stausees: 660 km
Fläche des Stausees: ca.1.100 km² (2-fache Fläche des Bodensees)
Ausmaße des Staudamms: 2.309 m lang, 185 m hoch
Höhe des Wasserpegels: 175 m
Daten zum Wasserkraftwerk: 18.200 Megawatt Leistung (entspricht der Leistung von 10 - 15 der leistungsfähigsten Atomkraftwerke); Produktion von 84,7 Mrd. KWh pro Jahr (entspricht 1/9 von Chinas Stromproduktion)
Umsiedlungen: 140 Städte; 1,3 Millionen Menschen; 1.600 Fabriken
Kosten: offiziell 21 Mrd. Euro, informelle Schätzungen gehen aber von bis zu 39 Mrd. Euro aus
Fertigstellung: Abschluss der Arbeiten an der Staumauer im Mai 2006, volle Inbetriebnahme in 2009
Ziel: Hochwasserschutz, Stromproduktion



Falschfarbenaufnahme des Drei-Schluchten-Staudamms (NASA/Terra)


Anfänge der Planung

Bereits vor 70 Jahren wurde vorgeschlagen, ein Drei-Schluchten-Projekt am Jangtse zu errichten. Doch aufgrund von Kapitalmangel blieb das Projekt ein Traum. Mit der Gründung der Volksrepublik China 1949 kam das Projekt wieder auf die Tagesordnung. Am 3. April 1992 beschloss der Nationale Volkskongress den Bau des Damms. Die zentralen Vorzüge des Staudamms lagen im Bereich der Hochwasserkontrolle, der Energiegewinnung und der Schifffahrt.


Umsiedlungen

Neben 140 Städten, 1.600 Fabriken und insgesamt 1,3 Millionen Menschen mussten dem Stausee in den Drei Schluchten auch noch mehrere 10.000 Personen, die sich bereits illegal in den Städten niedergelassen haben, weichen. Weitere rund 500.000 Menschen müssen in den kommenden Jahrzehnten umgesiedelt werden, wenn sich der Wasserspiegel wegen der zunehmenden Versandung des Sees anheben wird. Da das Jangtse-Tal überaus fruchtbar ist, müssen die Menschen von reichen in ärmere Gebiete umziehen. Rund fünfmal mehr Land wird gebraucht, um die landwirtschaftliche Produktivität des Tals zu ersetzen. Selbst Befürworter des Dammes geben mittlerweile zu, dass die chinesischen Pläne zur Umsiedlung nicht praktikabel sind, weil nicht genügend Land zum Bewirtschaften und Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Die Umsiedlung wird zwangsläufig zur Entwurzelung großer Bevölkerungsgruppen führen.


Sicherheit

Ein Dammbruch des Drei-Schluchten-Stausees würde viele Millionen Menschen gefährden. Die Region ist seismisch aktiv. Das Gewicht eines Stausees kann zudem selbst Erdbeben auslösen. Gemäß offiziellen Angaben kann das geplante Bauwerk Erdbeben der Stärke 7 standhalten.
Der Drei-Schluchten-Damm würde im Ernstfall für China auch ein großes militärisches Risiko bilden, da das Land durch Angriffe auf dieses Projekt militärisch erpressbar wäre.


Flutkontrolle

Die Stauung des Jangtse bildet ein zweifelhaftes Instrument zur Zähmung der gefährlichen Fluten. Den Hauptgrund für die Überschwemmungsgefahr bilden die starken Abholzungen am Oberlauf des Flusses, gegen die das Projekt nichts ausrichtet. Der geplante Damm könnte ohnehin nur den mittleren Küstenabschnitt vor Hochwassern schützen, da er die großen Zuflüsse am Unterlauf des Jangtse nicht erfasst. Die Flutkontrolle steht im Konflikt mit der Stromerzeugung. Ein gut gefüllter Stausee fördert die Energieproduktion, kann aber die periodischen Hochwasser nicht mehr auffangen. Dieses Dilemma wurde zugunsten der Stromproduktion gelöst, indem der geplante Wasserpegel auf 175 Meter angehoben wurde.


Versandung

Wegen der massiven Abholzung und Erosion trägt der Jangtse die drittgrößte Sandfracht unter allen Flüssen der Welt mit sich. 680 Millionen Tonnen sind es im Gebiet der Drei Schluchten jährlich. Nach dem Bau des Damms wird sich ein Großteil dieser Fracht im See ablagern.
Der fruchtbare Schlamm wird nicht wie bisher die landwirtschaftlichen Gebiete des Unterlaufs düngen können. Wenn die Sandfracht wegfällt, dürfte vermutlich Salzwasser ins Mündungsgebiet des Flusses eindringen, das landwirtschaftlich intensiv genutzt wird. Die ansteigende Sedimentation im Staubecken kann die Stromproduktion massiv einschränken.


Schifffahrt

Der Jangtse könnte gleich viele Güter in die schlecht erschlossene Provinz Sezuan transportieren wie 14 Eisenbahnlinien. Die Zähmung der Drei Schluchten soll den Schiffstransport von 10 auf jährlich 50 Millionen Tonnen erhöhen. Doch auch hinter dieser Hoffnung steht ein Fragezeichen. Die gefährlichen Wirbel können nur mit einem hohen Wasserspiegel unter Wasser gesetzt werden. Die verstärkte Sandablagerung wird jedoch in diesem Fall längerfristig den zentralen Hafen von Chungqing verschließen. Durch Regenfälle bedingte Wasserschwankungen, die den Fluss bzw. den Stausee nicht das ganze Jahr über für solch große Schiffe befahrbar machen, gingen ebenfalls nicht in die Wirtschaftlichkeitsrechnung ein. Die Überwindung des Staudamms bedingt zudem fünf aufeinanderfolgende Schleusen von 34 Metern Breite und 40 Metern Höhe. Solche Dimensionen wurden bisher weltweit noch nie erreicht. Wenn nur eine der Schleusen ausfällt, wird der ganze Schiffstransport auf der Lebensader des Jangtse blockiert.



Jangtsekiang vor der Flutung im Bereich des Drei-Schluchten-Staudamms (Dieter Tuschen)


Trinkwasser

Offizielle Stellen führen gelegentlich ins Feld, der Drei-Schluchten-Stausee könne die trockenen Regionen Nordchinas mit Trinkwasser versorgen. Die entsprechenden Wasserleitungen könnten aber nur gebaut werden, wenn der Damm eine Höhe von mindestens 200 Metern erreichen würde.


Ökologische Auswirkungen

Die Veränderung des Ökosystems, die der Damm bewirkt, wird beispielsweise mehrere gefährdete Tierarten wie den chinesischen Flussdelphin, den chinesischen Alligator oder den sibirischen Kranich, der am Jangtse überwintert, bedrohen. Wie brisant dieses Problem ist, zeigte sich zum Jahresende 2006. Auf einer Suchexpedition, die der Bestandsaufnahme des Baiji, dem chinesischen Flussdelphin diente, konnte kein einziges Tier im Jangtse gefunden werden. Die Forscher gehen daher davon aus, dass der Baiji und mit ihm die erste Walart tatsächlich ausgestorben ist.
Ferner wurde mit Beginn der Flutung des Stauseebeckens in 2006 ein stark verminderter Nährstoffeintrag ins Ostchinesische Meer festgestellt. Nach Ergebnissen einer taiwanesisch-amerikanischen Forschergruppe nahm dadurch die Produktivität des Meeresplanktons im Flussmündungsbereich um bis zu 90 % ab. Wie sich diese empfindliche Reaktion des Meeres auf den verminderten Nährstoffeintrag in der Folge auf die Bestände der Meeresbewohner auswirkt, bleibt abzuwarten.
Probleme ergeben sich auch durch die Einleitung von Abwässern und Abfällen in den Stausee. Im Jahr nach der ersten Stauung 2004 wurden schon 1,3 Mio. t Müll und 1,3 Mrd. t Abwässer im See entsorgt. Die Prognosen sahen für das Jahr 2010 einen Anstieg des Abwassereintrags auf 2,3 Mrd. t voraus. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass die Mittel für die 140 geplanten Klärwerke von den jeweiligen Verwaltungen teilweise zweckentfremdet werden und der Bau der notwendigen Entsorgungsinfrastruktur so gar nicht stattfindet. Mittlerweile werden jährlich 150.000 - 200.000 Kubikmeter Abfall am Damm eingesammelt. Entsprechend drohte im August 2010 sogar eine Verstopfung der Schleusen und damit ein erliegen der Schifffahrt am Drei-Schluchten-Staudamm, da Personal und technische Hilfsmittel für die Menge des zu beseitigenden Abfalls unzureichend sind.
Die ökologischen Auswirkungen auf die Böden und die Nahrungsqualität durch den intensiven Einsatz von Dünger und Pestiziden, wenn die fruchtbaren Schlämme ausbleiben, sind überhaupt nicht berücksichtigt.


Zerstörung historischer Stätten

In den Drei Schluchten befinden sich hundert historische und kulturelle Stätten, darunter 5.000 Jahre alte Gräber. Uralte Felsmalereien zeigen Fische, die frühere Hochwasserstände markieren. Neben dem Naturschauspiel einer Schifffahrt machen diese Stätten die Drei Schluchten zu einer beliebten touristischen Attraktion. Die Projektverantwortlichen hielten auch für dieses Problem eine technische Lösung bereit. Ein Teil der Stätten wurde aus dem Stauseebereich entfernt, ein weiterer Teil für den zukünftigen Tauchtourismus präpariert.


Quelle: Geographie Infothek
Autor: Jens Aßmann, Kristian Uhlenbrock
Verlag: Klett
Ort: Leipzig
Quellendatum: 2002/2011
Seite: www.klett.de
Bearbeitungsdatum: 08.04.2011